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21.05.2013, 10:15 Uhr | 0 |

Entwicklungen bei Stihl "Facelift gibt es auch bei Motorsägen"

Entwicklung ist getrieben von Ansprüchen. Sei es vom Gesetzgeber, etwa durch Vorgaben zur Reduzierung von Emissionen, oder neuen Techniken. Bei Stihl arbeiten rund 300 Ingenieure in der Entwicklung von Motorsägen. Neues zu schaffen, treibt sie an. Deshalb ist auch Ernst Gorenflo Entwickler geworden.

Stihl-Prüfstand für Motorsägen
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Stihl entwickelt seine Produkte kontinuierlich weiter. Eine neue Motorsäge wird auf dem Prüfstand getestet. 

Foto: ANDREAS STIHL AG & Co. KG, Waiblingen

VDI nachrichten: Herr Gorenflo, was ist die Herausforderung als Entwickler an einer Motorsäge?

Gorenflo: In den vergangenen Jahren war es die stufenweise Einführung von Abgasgrenzwerten, was für unsere kleinen Zweitakter eine große Herausforderung war. Damit die Maschinen die benötigte Kraft an der Kette entwickeln, drehen die Motoren mit bis zu 15 000 Umdrehungen pro Minute. Solche Rennmotoren-Drehzahlen zu erreichen, wäre bei einem Viertaktmotor viel zu teuer. Daneben steht bei handgehaltenen Maschinen ein niedrigeres Gewicht bei höchster Leistung im Vordergrund.

Schaffen Entwickler Neues oder ist Entwicklung ein iterativer Prozess der Optimierung?

Entwicklung ist beides. Wir machen sehr viel für die Optimierung der Produkte, beispielsweise weniger Gewicht, weniger Emissionen, bessere Ergonomie. Was die Abgasgrenzwerte betrifft, haben wir den Zweitaktmotor quasi neu erfunden: ein Luftpolster in den Überströmkanälen trennt das Abgas vom Frischgas. Diese Spülvorlage verhindert, dass unverbranntes Kraftstoffgemisch mit dem Abgas ausgestoßen wird, wie es bis dahin bei Zweitaktern unvermeidbar war. Dadurch können wir auf einen Katalysator verzichten. Ein solcher hätte die Maschinen schwerer und teurer gemacht. Ein guter Motor verbrennt den Kraftstoff im Brennraum und nicht nutzlos im Katalysator.

Wie geht Stihl ein Entwicklungsprojekt an?

Wenn in der Geschäftsführung und im Produktmanagement entschieden wurde, dass ein neues Modell oder eine neue Technologie eingeführt werden soll, wird bei mir im Bereich ein Team gebildet, das eng mit der Produktion zusammenarbeitet. Schließlich muss die Säge auch herstellbar sein. Daneben haben wir Modellpflegepakete, was bei Autos Facelift genannt wird.

Wie viele Ingenieure arbeiten bei Ihnen in der Entwicklung und welcher Ingenieur-Studiengang ist eine gute Basis für den Job?

In der Entwicklung von Motorsägen arbeiten rund 300 Ingenieure, und das klassische Maschinenbau-Studium ist eine gute Eintrittskarte in die Welt der Entwicklung bei Stihl. Wegen der selbst entwickelten elektronischen Steuerungen in den Motoren brauchen wir auch Mechatroniker und Ingenieure der Elektrotechnik. Elektrosägen bauen wir schon länger, Sägen mit Akku-Antrieb seit zwei Jahren.

Welche fachlichen Kenntnisse brauchen Entwickler?

Eine Grundlagenausbildung in Ingenieur- oder Naturwissenschaften ist unerlässlich, idealerweise ergänzt um Industrieerfahrungen durch Praktikum oder Diplomarbeit. Wir entwickeln mit dem 3-D-CAD-Programm Pro/E. Wer sich damit schon im Studium beschäftigt hat, umso besser für uns. Im Versuch sind Kenntnisse in Mess- und Regeltechnik vorteilhaft, in der Berechnung kommt es auf Simulationskenntnisse an und für die Motorenentwicklung ist der Schwerpunkt Verbrennungsmotoren im Studium eine gute Voraussetzung. Der Fachbereich Entwicklung ist bei uns aufgeteilt in Konstruktion, Versuch, Funktionsentwicklung, Simulation und Labor. Für ein Entwicklungsprojekt wird abteilungs- und fachübergreifend ein Team aus diesen Abteilungen zusammengestellt.

Welche persönlichen Fähigkeiten brauchen Ihre Mitarbeiter?

Die Klassiker: analytisches Denkvermögen, Teamfähigkeit und selbstverständlich Kreativität. Ohne die kann keiner entwickeln. Wir setzen aber auch auf eigenverantwortliches Handeln und Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung, weil bei uns Entwickler schon nach kurzer Zeit Projektkoordinator oder Projektleiter werden können.

Was sind technologische oder gesellschaftliche Trends, die die Entwicklung von Motorsägen beeinflussen?

Neben den genannten Trends wie Emissionen, Gewicht, Leistung, Ergonomie, Elektronik und neue Antriebstechnologien spielt der demografische Wandel eine Rolle. Leichteres Starten etwa macht die Maschinen für ältere Menschen einfacher in der Bedienung.

Haben Sie aktuell offene Stellen in der Entwicklung?

Ja, haben wir. Jährlich besetzen wir etwa 50 Ingenieurstellen in der Entwicklung. Das sind neue Stellen oder es werden die von altersbedingt ausscheidenden Mitarbeitern besetzt.

Sie haben nach Studium und Promotion in der Entwicklung angefangen und sind der Disziplin treu geblieben. Was reizt Sie an der Entwicklung?

Ganz einfach: Neues schaffen.  

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Von Peter Ilg | Präsentiert von VDI Logo
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