19.05.2014, 16:29 Uhr | 0 |

25.000 Liter pro Minute Deutsche Hochleistungspumpe Hannibal in Serbien im Einsatz

Mit Hochleistungspumpen bekämpft das Technische Hilfswerk die Wassermassen in den Überschwemmungsgebieten in Serbien und Bosnien. Die Großpumpen-Module Hannibal saugen bis zu 25.000 Liter Wasser in der Minute.

Die Großpumpe Hannibal
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Die Großpumpe Hannibal setzt das Technische Hilfswerk derzeit in Bosnien und Serbien ein, um bei der Flutkatastrophe zu helfen. Hannibal ist ausgesprochen robust und leistungsfähig: Jedes Modul kann 5000 Liter Wasser pro Minute ansaugen. Das entspricht einer Badewannenfüllung alle zwei Sekunden.

Foto: THW/ Andreas Allgäuer

Serbien und Bosnien-Herzegowina erleben derzeit das schlimmste Hochwasser seit Beginn der Aufzeichnungen vor 120 Jahren. Im Auftrag der Bundesregierung schickt das Technische Hilfswerk (THW) Spezialteams in die Überschwemmungsgebiete, um die Menschen beim Kampf gegen die Wassermassen zu unterstützen. Das erste 15-köpfige Team hat rund 30 Kilometer südwestlich der serbischen Hauptstadt Belgrad eine Großpumpe aufgebaut und in Betrieb genommen. Weitere sollen folgen. Auch in Bosnien sind THW-Kräfte aus mehreren Landesverbänden eingetroffen.

Das THW hat insgesamt acht Hochleistungspump-Module

Eine Waffe ist Hannibal eigentlich nicht, aber häufig genug, wenn die Hochleistungspumpe in Katastrophengebieten zum Einsatz kommt, erinnert zumindest die Rhetorik an Kriegszustände. Wenn dann vom Kampf gegen die Fluten die Rede ist, scheint der Name Hannibal, der an einen der größten Feldherren der Antike erinnert, die richtige Bezeichnung für die Spezialpumpe zu sein.

Wenn das Hochwasser so extrem ist, dass auch die Feuerwehr mit ihren Pumpen nichts mehr ausrichten kann, kommt Hannibal zum Einsatz, eine ausgesprochen robuste Großpumpe des Unternehmens Pumpentechnik Erkrath bei Düsseldorf. Das geschieht wie jetzt im Fall der Überflutungen auf dem Balkan. Acht solcher High Capacity Pumping Modules (HCP) will das THW in den Katastrophengebieten einsetzen.

Das erste HCP-Modul wurde jetzt von einem Team südwestlich von Belgrad im Gebiet Kolubara aufgebaut. Zuvor hatte die serbische Regierung ein Hilfeersuchen an das Europäische Krisenreaktionszentrum (ERCC) in Brüssel gerichtet. Der Braunkohletagebau in der Region Kolubara ist einer der wichtigsten Wirtschafsfaktoren des Landes. Weil dort auch Strom produziert wird, könnte das Hochwasser auch die Versorgung mit Elektrizität im Land gefährden. Um dies zu verhindern, wurde das HCP-Modul aufgebaut. Das Modul besteht aus mehreren Pumpen, die zusammen 25.000 Liter pro Minute wegpumpen können.

Hannibal saugt in zwei Sekunden eine Badewannenfüllung aus

Hannibal selbst wiegt etwa zwei Tonnen und ist auf einem Anhänger montiert. Die einzelne Großpumpe schafft ein Fördervolumen von 5000 Litern pro Minute, das heißt pro Sekunde etwa 80 Liter. Alle zwei Sekunden könnte Hannibal also eine Standard-Badewanne leersaugen. Angetrieben wird die Kreiselpumpe von einem Dieselmotor. Für den eigentlichen Pumpvorgang ist im Inneren ein Schaufelrad eingebaut, das sich in einem Gehäuse befindet.

Bei Betrieb dreht sich das Rad und schleudert das Wasser aufgrund der Rotationsbewegung an die Innenwand des Gehäuses. So entsteht dort ein höherer Druck als im Zentrum des Schaufelrads. Der geringere Druck im Zentrum saugt das Wasser an. Der Überdruck an der Innenwand hingegen sorgt dafür, dass das Wasser wieder aus der Pumpe herausgeleitet wird.

Mit je 15 Zentimetern Durchmesser fallen auch die vier angeschlossenen Schläuche entsprechend groß aus. Zwei Saugschläuche saugen die Flüssigkeit an und zwei weitere Schläuche leiten sie wieder ab. Dreck und Steine, die mit dem Schmutzwasser angesaugt werden, sind bis zur Größe eines Tennisballs kein Problem für die Pumpe. Größere Brocken werden von einem Filter abgehalten. Ergänzt werden die drei leistungsstarken Pumpen eines Moduls durch diverse Zusatzausstattung wie etwa Tauchpumpen, Beleuchtungssätze oder Werkzeug. Erstmals kamen die HCP-Module 2010 während der Überflutungen in Polen zum Einsatz. Sechs Wochen lang schützten rund 300 THW-Helfer Wohngebiete und Industriegelände vor den Fluten und pumpten etwa 1,5 Milliarden Liter Wasser ab.

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Von Gudrun von Schoenebeck
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