18.05.2015, 12:31 Uhr | 0 |

Pannenserie im All Zweiter Anlauf: Russischer Raumtransporter hebt ISS in neue Umlaufbahn

Nachdem der erste Versuch gescheitert war, konnte der russische Raumtransporter Progress die Internationale Raumstation ISS heute in eine andere Umlaufbahn bringen. Trotz des geglückten Manövers wirft die Pannenserie in der russischen Raumfahrt Fragen auf.

Russische Sojus-Rakete auf Weltraumbahnhof Baikonur
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Zuschauer beobachten, wie eine russische Sojusrakete für den Start auf dem Raumbahnhof Baikonur vorbereitet wird. 

Foto: Sergei Ilnitsky/dpa

Aufatmen bei Roskosmos, der russischen Raumfahrtagentur. Zwei Tage nach dem ersten missglückten Versuch, konnte die Internationale Raumstation ISS in ihrer Umlaufbahn um 2,8 Kilometer angehoben werden. Anders als beim ersten Mal reagierte der an der ISS angedockte Raumtransporter Progress M-26 auf die Signale von der Erde und gab der Raumstation den benötigten Schub. Das Manöver dauerte 32 Sekunden und ist immer dann nötig, wenn die ISS in ihrem Orbit an Höhe verliert.

Verlust einer Trägerrakete mit einem mexikanischen Satelliten

Eigentlich ist dieses Manöver, das rund 400 Kilometer über der Erde und ohne Beteiligung der Astronauten in der ISS stattfindet, eine Routineangelegenheit. Allerdings häuften sich in der letzten Zeit die Pannen im All, die Roskosmos zu verantworten hat, wozu auch der gescheiterte erste Versuch, die ISS anzuheben, gehörte.

Nur wenige Stunden nachdem am vergangenen Wochenende die Triebwerke der Progress M-26 aus ungeklärter Ursache nicht zündeten, musste Roskosmos einen Komplettverlust einer Trägerrakete mit einem Satelliten an Bord hinnehmen. Etwa acht Minuten nach ihrem Start war die Proton-M Rakete, die einen mexikanischen Kommunikationssatelliten MexSat-1 vom Weltraumbahnhof im kasachischen Baikonur ins All bringen sollte, in eine „Notfallsituation“ geraten.

Offenbar hatte die Bodenkontrolle den Kontakt zur Rakete verloren, als der Satellit sich von der dritten Raketenstufe trennen sollte. Das Manöver in 161 Kilometern Höhe misslang, worauf sowohl die Raketenstufe als auch der Satellit laut Roskosmos beinahe vollständig in der Atmosphäre verglühten.

Untersuchungen über die Pannen bei Progress und Proton

Laut Notfallbehörde wurde niemand verletzt und Roskosmos teilte mit, dass eine Kommission den Vorfall mit Russlands wichtigster Trägerrakete untersuchen werde. Das ist nicht die einzige Untersuchung, die bei Roskosmos ansteht. Erst wenige Tage zuvor hatte der russische Raumfrachter Progress 59 die für ihn vorgesehene Umlaufbahn nach dem Start verfehlt. Progress sollte die Crew der ISS mit Nachschub versorgen, verglühte aber stattdessen bei seinem unkontrollierten Eintritt in die Erdatmosphäre.

Für drei der sechs Astronauten auf der ISS bedeutet diese Panne einen mindestens einen Monat längeren Aufenthalt auf der Raumstation. Versorgt ist die Crew auch ohne den fehlenden Nachschub bis zum Herbst dieses Jahres, aber bevor die Ursachen des Unglücks nicht geklärt sind, soll es keine weiteren Starts des Progress-Raumfrachters geben. Nun werden also auch die russischen Proton-Raketen solange am Boden bleiben, bis der aktuelle Absturz aufgeklärt worden ist.

Nächster Versorgungsflug mit SpaceX, dem privaten Partner der Nasa

Die russische Nachrichtenagentur RIA Novosti bezeichnete die Vorfälle als „Negativrekord“ für die Raumfahrtbehörde. Währenddessen macht sich SpaceX, der kommerzielle Partner der Nasa, bereit für seinen nächsten Start zur ISS. Ab dem 19. Juni soll der Raumfrachter Dragon der Crew auf der Raumstation Lebensmittel und Forschungskomponenten bringen. Es wäre der siebte SpaceX-Flug.

Im Auftrag der Nasa arbeitet SpaceX außerdem daran, ab 2017 auch Astronauten zur ISS zu bringen. Seitdem die Amerikaner 2011 ihr Space-Shuttle-Programm ausgemustert hatten, waren sie auf die bemannten Flüge des ewigen Rivalen Russland angewiesen. 

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Von Gudrun von Schoenebeck
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