20.08.2014, 17:30 Uhr | 0 |

EUROPÄISCHES NAVIGATIONSSYSTEM Zwei weitere Galileo-Satelliten starten ins All

Nummer fünf und sechs der ESA-Satelliten zum Aufbau des Navigationssystems Galileo sind startbereit: Wie die ESA am Mittwoch mitteilte, wird die Sojus-Trägerrakete die Satelliten am Donnerstag in ihre Umlaufbahn bringen wird. Sie sind die ersten Satelliten, die Navigationssignale aussenden können. 

Transport der Galileo-Satelliten zur Trägerrakete Sojus
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Transport der Galileo-Satelliten zur Trägerrakete Sojus: Sie wird die beiden Satelliten am Donnerstag vom Europäischen Weltraumbahnhof in Kourou in ihre Umlaufbahn bringen.

Foto: ESA/CNES/Arianespace

Die letzten Tests waren erfolgreich, die Satelliten Galileo 5 und 6 sind bereits auf der Sojus-Trägerrakete installiert, die am Donnerstag, 21. August, von Kourou in Französisch-Guayana ins All geschossen werden. Für 14.31 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit ist der Start geplant. Nach knapp vier Stunden Flugzeit werden die Satelliten ihre Position in 23.500 Kilometern Entfernung zur Erde erreicht haben.

Für Galileo sind 27 Satelliten sind geplant

Für die Europäische Raumfahrtagentur ESA ist das ein Markstein des Galileo-Programms, das ein eigenes, rein ziviles und hoch präzises Navigationssystem aufbauen soll. Zwar wurden schon 2011 und 2012 je zwei Satelliten auf ihre Umlaufbahn gebracht. Sie dienten aber nur dazu, die präzise Positionsbestimmung zu sichern und die prinzipielle Funktionsfähigkeit des Systems nachzuweisen.

Sie bilden quasi das Gerüst des Galileo-Netzes, das im Endstadium 27 Satelliten umfassen soll. Nummer fünf und sechs sind nun aber auch schon in der Lage, Navigationssignale an die Erde zu senden.

Chance für das selbstfahrende Auto

Für die nächsten Jahre ist eine Serie weiterer Starts mit Sojus- und Ariane-5-Raketen geplant. Dazu hat die ESA einen neuen Vertrag mit dem Betreiber Arianespace über drei Ariane-5-Raketen geschlossen. Sie sollen in den Jahren 2015 bis 2017 jeweils vier weitere, 700 Kilogramm schwere Satelliten in den Orbit bringen. Die ESA bezahlt dafür rund 500 Millionen Euro.

Wenn das Netz namens EGNOS (European Geostationary Navigation Overlay Service) komplett ist, soll es zentimetergenaue Ortsbestimmung und damit präzisere Navigation als GPS bieten. Selbst kleine Objekte wie Laternenpfähle, Leitplanken oder Gebäudekanten können als Landmarken für die Lokalisierung von Fahrzeugen dienen.

Von dieser Genauigkeit können dann auch Fahrerassistenzsysteme profitieren, die beispielsweise vor Hindernissen auf der Straße warnen. Sogar das selbstfahrende Auto könnte damit Wirklichkeit werden.

Im Gegensatz zum US-amerikanischen GPS-System ist EGNOS auf rein zivile Zwecke ausgerichtet. Mit GPS soll es aber ebenso verknüpft werden wie mit dem russischen Glonass-System. Weltweit empfangen 21 Kontrollzentren die Signale der Satelliten. Sie sind über den Standort des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen miteinander vernetzt.

Supergenaue Atomuhren an Bord

Die Qualität des neuen Systems hat auch damit zu tun, dass mit jedem Signal die aktuelle Sendezeit „mit einer bisher noch nicht erreichten Genauigkeit“ mitgeliefert wird, wie das DLR erklärt. Diese Angabe sei wichtig, um aus der Laufzeit des Signals sowie den Satellitenpositionen im Weltall den Standort beispielsweise eines Fahrzeugs auf der Erde zu berechnen. Die verwendeten Atomuhren der Galileo-Satelliten gehen laut DLR so genau, dass es innerhalb von drei Millionen Jahren lediglich zu einer Sekunde Abweichung kommen würde.

Außerdem soll das europäische System weniger störanfällig sein als GPS. Die ESA, die das Galileo-Programm in Zusammenarbeit mit der Europäischen Kommission entwickelt hat, verspricht einen vielfachen Nutzen von EGNOS. Zum einen werde es weltweit kostenlos für jede und jeden verfügbar sein. Außerdem wird es integriert in das internationale Rettungssystem Cospas-Sarsat: Ein Koordinationszentrum erhält dann exakte Positionsdaten etwa über Verschüttete, außerdem soll Galileo Betroffene dann direkt darüber informieren, dass ihre Situation erkannt ist. Hinzu kommt ein Datenservice für kommerzielle Zwecke. 

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Von Werner Grosch
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