10.02.2014, 07:00 Uhr | 0 |

Bundeswehr-Uni ist mit an Bord Zwei Experimente der Raumsonde Rosetta kommen aus München

Die Raumsonde Rosetta soll neue Erkenntnisse über die Urgeschichte unseres Sonnensystems liefern. Dafür wurde sie von Wissenschaftlern aus ganz Europa mit insgesamt 21 Experimenten ausgestattet. Zwei davon lieferte die Universität der Bundeswehr in München.

Der Lander Philae an Bord der europäischen Sonde Rosetta
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Seit dem Start 2004 trägt Rosetta den kleinen Lander Philae wohl behütet vor all den rauen interplanetarischen Gegebenheiten durchs All.

Foto: DLR

Auf der Suche nach einem Kometen, der Antworten auf die Fragen nach der Entstehungsgeschichte des Sonnensystems liefern kann, wurde Rosetta vor zehn Jahren ins All geschickt. Vor einigen Tagen wurde die Sonde aufgeweckt: Der Komet 67P/Churyumov-Gerasimenko ist jetzt nah genug, um die Mission Forschung zu starten. Mit an Bord sind die beiden Münchner Experimente Radio Science Investigation (RSI) und COSIMA.

Cosima jagt dem Kometenschweif nach

Während RSI die Masse des Kometen ermitteln soll, fängt Cosima Staub aus dem Schweif des Kometen ein. Der Schweif ist bei vielen Kometen selbst von der Erde aus mit bloßem Auge sichtbar – aber er besteht aus kleinen Staubpartikeln. Herauszufinden, woraus dieser Staub bei 67P besteht und wie er chemisch zusammengesetzt ist, dabei hilft Cosima. Dafür wurden im Institut für Strömungsmechanik in München spezielle nanostrukturierte chemisch hochreine Metall-Oberflächen aus Gold, Silber und Platin entwickelt. An ihnen lagert sich der Kometenstaub ab und kann dann im Massenspektrometer untersucht werden. Von entscheidender Bedeutung für die Forschung zur Kometenchemie: Die Auflösung des Instrumentes erlaubt eine Trennung von anorganischen und organischen Komponenten.

RSI misst Masse mit einem Radio-Signal

RSI wurde am Institut für Raumfahrtechnik und Weltraumnutzung der Münchner Bundeswehr-Universität entwickelt. Mit Hilfe des „Doppler-Effekts“ untersucht dieses Rosetta-Experiment die Massenverteilung des Kometen. Der Doppler-Effekt ist aus dem Alltag bekannt: Fährt beispielsweise ein Polizeiwagen mit Sirene an einem Beobachter vorbei, so ändert sich für diesen die Tonlage der Sirene und damit die Frequenz. Die Ursache für die Frequenzänderung ist die Geschwindigkeit des Polizeiwagens. Diesen Effekt nutzen die Wissenschaftler: Die Geschwindigkeit von Rosetta ändert sich bei Annäherung an den Kometen durch seine Anziehungskraft auf Grund seiner Masse. Das messen die Wissenschaftler anhand der Frequenzänderung eines Mikrowellen-Radiosignals, das von der Raumsonde zur Bodenstation geschickt wird. Die Messergebnisse liefern dann Aussagen über die Masse und ihre Verteilung im Kometen. Die Anbord-Kamera kann außerdem die Dichte des Kometen bestimmen. Beides zusammen (Masse und Dichte) erlaubt Rückschlüsse auf die Entstehungsgeschichte des Kometen im Sonnensystem.

Die Ergebnisse, die der Einsatz von Rosetta liefert, werden von der Wissenschaft mit Spannung erwartet. Sie sollen Erkenntnisse über unsere Urgeschichte liefern. Befindet sich die Kometenoberfläche tatsächlich in einer Art „Urzustand“? Weisen Kometen präbiotische Moleküle und Wasser auf und spielten sie damit eine Rolle bei der Entstehung des Lebens auf der Erde? Diese Fragen soll Rosetta beantworten. Angenommen wird, dass in der Frühphase ihrer Entstehung die Erde intensiv von Kometen bombardiert wurde. 

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Von Andrea Ziech
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