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17.05.2013, 13:30 Uhr | 0 |

Panne im Weltall Weltraumteleskop Kepler hat sich abgeschaltet

Die Forschungsmission des Weltraumteleskops Kepler ist offenbar zu Ende. Aufgrund eines  technischen Defektes an einem Trägheitsrad hat sich das NASA-Teleskop automatisch abgeschaltet. Jetzt arbeiten Experten an einer Lösung, um weiterhin auf Planetenjagd gehen zu können. Kepler hat bereits 132 neue Planeten entdeckt.

Weltraumteleskop Kepler
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Zwei der vier Trägheitsräder des Weltraumteleskops Kepler sind defekt. Jetzt versuchen NASA-Ingenieure, das Teleskop wieder flott zu machen.

Foto: NASA

Wegen eines weiteren Störfalls an einem seiner Trägheitsräder schaltete das Teleskop schon am Sonntag in einen Sicherheitsmodus um. Die Triebwerke übernehmen jetzt die Aufgabe der Raumorientierung, da eine gyroskopische Lageregelung nicht mehr möglich ist. Das Teleskop wurde zusätzlich frontal zur Sonne ausgerichtet und in eine langsame Rotation um seine Längesachse versetzt. Damit soll die Energieversorgung durch die Solarpanele sichergestellt werden und ein regelmäßiger Boden-Kommunikation-Kontakt gewährleistet sein. 

Erneute Probleme mit den Rädern

Die Trägheitsräder machten Kepler schon des öfteren Probleme. Bereits im Juli 2012 erlitt das erste von vier Rädern einen Defekt. Damals konnte Kepler jedoch noch weiterarbeiten, weil drei Trägheitsräder genügen, um das Teleskop zu stabilisieren. Als im Januar 2013 das zweite Rad ausfiel, setzten die Techniker das Rad kurzzeitig in einen Ruhezustand, damit sich das Schmiermittel wieder verteilen konnte. Die Techniker waren mit dieser Strategie erfolgreich: Das Weltraumteleskop arbeitete bis letzten Sonntag weiter – und damit länger als geplant. Denn ursprünglich sollte Kepler „nur“ bis 2012 arbeiten. Doch die Mission wurde verlängert. Ein Funkkontakt zu Kepler am vergangenen Dienstag meldete allerdings, dass sich Kepler bereits am Sonntag automatisch abgeschaltet habe – wegen eines Problems am Rad.

Räder verändern die Lage des Telekops im Weltraum

132 Planeten hat das Weltraumteleskop Kepler seit 2009 aufgespürt. Weitere 3000 mögliche Planeten müssen noch durch andere Messungen überprüft werden. Sehen kann das 600 Millionen Dollar teure Teleskop diese kleinen Exoplaneten nicht, sondern es beobachtet, ob minimalste Helligkeitsänderungen an den fernen Sternen auftreten. Wenn sich ein Exoplanet zwischen seinen Mutterstern und das Teleskop schiebt, verändert sich die Helligkeit. Treten diese Schwankungen regelmäßig auf, ist es ein Hinweis auf einen kreisenden Planeten.

Kepler ist mit besonders empfindlichen Instrumenten ausgestattet, um diese Veränderungen wahrzunehmen. Dafür muss sich das Teleskop stabil zu seinem Beobachtungsfeld ausrichten. Die vier Trägheitsräder an dem Weltraumteleskop helfen Kepler seine Lage im Weltraum zu verändern, sobald sich die Drehzahl an nur einem Rad ändert. Drei Räder sind Pflicht am Kepler – das Vierte dient als Reserve.

Chancen auf Reparatur stehen schlecht

Die Chancen, Kepler wieder flott zu machen, stehen nicht wirklich gut. Die NASA-Ingenieure versuchen verschiedene Strategien, um das Rad entweder wieder in Gang zu setzten. Eine Alternative ist, dass die noch funktionstüchtigen Räder gemeinsam mit den Steuerdüsen das Teleskop in der Waage halten. Letzteres wäre jedoch nur eine Notlösung. Denn es ist relativ unwahrscheinlich, dass Kepler mit nur zwei Rädern die gewohnte Präzision wieder erreichen kann.

Die Forschungsergebnisse Keplers können sich sehen lassen: Neben den Entdeckungen neuer Planeten und möglicher neuen Planeten konnte Kepler auch viele Erkenntnisse über diese Sterne sammeln. Beispielsweise schwingen die Glutbälle wie eine Glocke, die angeschlagen wird. Mit diesen  Sternschwingungen erklären die Helioseismologen den Aufbau ferner Sonnen.

Vorhandene Daten reichen für 2 Jahre Arbeit

Etwa zwei Jahre lang werden die Forscher noch die vorhandenen Kepler-Daten auswerten. Bisher hat Kepler hauptsächlich Gasriesen und Gesteinsplaneten gefunden, die sehr dicht um ihren Stern kreisen. Auf deren Oberfläche herrschen daher Temperaturen von über 1000 Grad Celsius.  Leben ist hier wohl kaum möglich.

Sollte Kepler nicht mehr in Gang gesetzt werden können, hätten die Planetenforscher keine Beobachtungsmöglichkeit mehr im Weltraum. Auch der europäische Planetenjäger „Corot“ arbeitet aufgrund von Elektronikproblemen seit Anfang 2013 nicht mehr. Gestartet war dieser im Jahr 2006, um eine zweite Erde zu suchen. Corot war doppelt so lang in Betrieb, wie ursprünglich vorgesehen. Forscher versuchen ihn noch einmal in Gang zu setzen.

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Von Petra Funk
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