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03.05.2013, 07:00 Uhr | 0 |

Sendeschluss nach 35.000 Beobachtungen Weltraumteleskop „Herschel“ beendet seinen Einsatz

Vier Jahre, seit dem 14. Mai 2009, ist das leistungsstarke Teleskop „Herschel“ im All unterwegs. Nun geht die erfolgreiche europäische Mission planmäßig zu Ende, denn der Kühlmittel-Vorrat ist aufgebraucht. Noch in diesem Monat wird „Herschel“ endgültig auf einer stabilen Umlaufbahn um die Sonne „geparkt“.

Herschel vor der Sternkonstellation „Aquila“, etwa 1.000 Lichtjahre von uns entfernt.
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Herschel vor der Sternkonstellation „Aquila“, etwa 1.000 Lichtjahre von uns entfernt. In einer riesigen Gaswolke aus Wasserstoff entstehen um die 600 neue Sterne.

Foto: ESA

Die europäische Weltraumagentur ESA hatte die entscheidenden Messwerte bereits erwartet. Beim täglichen Kontakt des Weltraumteleskops Herschel mit der Bodenstation im Westen Australiens wurde nun vor wenigen Tagen ein deutlicher Temperaturanstieg aller Instrumente registriert.

Diese neuen Messwerte können nur bedeuten, dass die 2.300 Liter flüssiges Helium, die Herschel an Bord hatte, endgültig verbraucht sind. Das Kühlmittel hatte die Temperatur der Instrumente bei -271 Grad Celsius nahe dem absoluten Nullpunkt gehalten. Jetzt überhitzen die Instrumente des größten und stärksten Infrarot-Teleskops, das jemals ins All geschossen wurde – und werden somit unbrauchbar.

Die Auswertung des Archivs von „Herschel“ wird noch Jahre dauern

Nun kann Herschel, dessen Hauptspiegel einen Durchmesser von 3,5 Metern hat, zwar keine Beobachtungsdaten mehr liefern, es soll aber noch für kurze Zeit mit der Bodenstation in Kontakt bleiben und eine Reihe technischer Tests ausführen. Danach wird das Teleskop auf eine langfristig stabile Umlaufbahn um die Sonne befördert.

Auch wenn das Ende der Mission besiegelt ist, werden die Auswertungen der Messergebnisse die Wissenschaftler noch mehrere Jahre beschäftigen. Herschel habe mit seinen 35.000 wissenschaftlichen Beobachtungen und 25.000 Stunden Datenmaterial alle Erwartungen übertroffen, hieß es bei der ESA. „Das Archiv von gelieferten Daten wird das Erbe von Herschel sein. Wir erwarten zukünftig noch mehr Entdeckungen als zu Lebzeiten des Teleskops“, sagte Alvaro Giménez Cañete, ESA-Direktor für Wissenschaft und robotische Erkundungen.

Herschel war das erste Observatorium, das mit seinen drei wissenschaftlichen Instrumenten den kompletten Wellenlängenbereich vom fernen Infrarot bis zum Submillimeter-Bereich abdecken konnte. Seine Bilder gaben Wissenschaftlern unter anderem einen neuen Einblick in die Prozesse während der Geburt eines Sterns. Die Sonde untersuchte außerdem Galaxien, in denen jährlich Tausende Sterne mit der Masse unserer Sonne entstehen. Darüber hinaus haben Herschels Instrumente in den Tiefen des Alls tausendmal so viel Wasser entdeckt, wie in allen Ozeanen der Erde gebunden ist.

Im Kometen „Hartley 2“ ähnliches Wasser wie auf der Erde entdeckt

Auch das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Katlenburg-Lindau bei Göttingen zeigte sich begeistert von der gesamten Mission. Herschel habe nicht nur einen einzigartigen Blick auf ferne Galaxien und Sterne geliefert. Die Mission habe auch überraschende Erkenntnisse über unser Sonnensystem ermöglicht. So konnten Forscher des MPS, die die Sonnensystembeobachtungen der Mission leiteten, mit „Hartley 2“ erstmals einen Kometen identifizieren, dessen Wasser dem der Erde stark ähnelt.

Der Eiskomet „Hartley 2“ hatte sich 2010 der Erde auf nur 18 Millionen Kilometer genähert und war dabei von Herschel beobachtet worden. Das Verhältnis von schwerem Wasser, bei dem ein Wasserstoff-Atom durch das schwere Isotop Deuterium ersetzt ist, zu normalem Wasser entspricht fast genau dem entsprechenden Verhältnis auf der Erde. Anders als zuvor gedacht, könnten Kometen somit doch als wichtige Wasserlieferanten für die frühe Erde in Frage kommen.

Das Teleskop wurde nach dem deutschstämmigen Astronom Friedrich Wilhelm Herschel (1738-1822) benannt, der unter anderem den Planeten Uranus sowie die Infrarotstrahlung entdeckte. Künftig soll das „James Webb Space Telescope“, das die NASA 2018 ins All schicken will, die Beobachtungen weiterverfolgen.

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Von Gudrun von Schoeneberg
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