05.07.2013, 14:59 Uhr | 1 |

Pionier hat Geburtstag Von den hochfliegende Träume des Grafen Zeppelin

Die Post von Berlin nach Konstantinopel in weniger als 48 Stunden transportieren, nach New York in fünf Tagen - 1896 waren das kühne Verheißungen. Auf dem Land- oder Seeweg waren solche Transportzeiten unmöglich, aber per Flug sollte das bald machbar sein – mit dem Luftschiff. Am 8. Juli jährt sich zum 175. Mal der Geburtstag des Grafen Ferdinand von Zeppelin.

Zeppelin LZ 2
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Graf Zeppelin baute im Jahr 1905 sein zweites Luftschiff, die LZ 2.

Foto: Wikipedia

Während Otto Lilienthal seine Flugversuche unternahm und das Flugzeug noch eine ferne Utopie schien, wurde vielerorts versucht, die bislang den wechselnden Windrichtungen ausgelieferten Heißluftballons so zu konstruieren, dass sie lenkbar wurden. Ganz besonders konkrete Vorstellungen hatte der württembergische Graf und General Ferdinand von Zeppelin (1838-1917).

Graf Zeppelin fand Unterstützung beim VDI

In einem "Aufruf an das deutsche Volk" versuchte Zeppelin 1896, öffentliches Interesse für sein Projekt zu gewinnen – den Bau eines starren, mit Gas gefüllten Luftschiffes, das mit zwei getrennten, aber miteinander verbundenen Gondeln und mit Antriebsschrauben ausgestattet ist. Während die Fachwelt, die breite Öffentlichkeit und auch Kaiser Wilhelm II. auf Distanz zu diesem Projekt gingen und es zum Teil verspotteten, fand Graf Zeppelin unter anderem im Verein Deutscher Ingenieure (VDI) Rückhalt.

Mithilfe des Vereins konnte Zeppelin bei einer Reihe von Industriellen Mittel zur Gründung einer Aktiengesellschaft zur Förderung der Luftschifffahrt einwerben – die er indes aus eigener Tasche ordentlich aufstocken musste. Doch die Grundlage für seine späteren Erfolge war gelegt: Er hatte das Patent für seine Konstruktionsidee und fürs erste eine finanzielle Basis.

Zähigkeit und Überzeugung für seine Idee – das brauchte er, der 1838 in Konstanz geborene Sohn eines fürstlichen Hofmarschalls und Baumwollfabrikanten, um seinen Lebenstraum zu verwirklichen. 1863, bei einem Aufenthalt als Leutnant der württembergischen Armee in den USA, hatte Zeppelin miterlebt, wie Ballons zu Aufklärungszwecken im amerikanischen Bürgerkrieg eingesetzt wurden. Zum ersten Mal hatte er auch an einem Ballonflug teilnehmen können. Die Tatsache, dass die Ballons ein großes Potenzial haben, das erst dann ausgeschöpft ist, wenn sie lenkbar werden, sollte ihn in den folgenden Jahrzehnten nicht mehr loslassen.

Luftschiffe sollten weltweit die Post transportieren

Er machte Karriere beim Militär und verfasste 1887 eine Denkschrift an den württembergischen König, in der er sich für den Bau von Luftschiffen stark machte. Europaweit arbeiteten Ingenieure und Tüftler an Luftschiffkonzepten, und Deutschland sollte da nicht hinterherhinken, so seine Argumentation. Durch eine interne Kritik machte sich Zeppelin 1891 beim Kaiser unbeliebt und nahm kurz darauf seinen Abschied beim Militär. Fortan galten alle seine Anstrengungen dem Bau eines Luftschiffs, für das er vielseitige Verwendungsmöglichkeiten sah – für militärische Aufklärungsflüge, für die Nachrichtenübermittlung, für die kartografische und auch logistische Erschließung der Kolonien, für die meteorologische Forschung und nicht zuletzt für den Weltpostverkehr.

Pleiten, Pech und Pannen begleiteten die ersten Flugversuche. Damit die Luftschiffe, die um ein fragiles Aluminiumgerüst herum aufgebaut wurden, nicht mit dem festen Boden an Land in Berührung kommen und beschädigt werden, errichtete Zeppelin auf dem Bodensee eine auf Pontons ruhende, schwimmende Halle. Bei Stürmen wurde diese Halle mehrfach aus der Verankerung gerissen. Der erste Aufstieg des ersten Luftschiffes LZ 1 endete nach 18 Minuten mit der Notwasserung. Weitere Versuche waren von technischen Defekten begleitet, doch das Interesse der Bevölkerung war geweckt.

Es folgten Jahre der Stagnation, der Widerstände (auch seitens des VDI) und des Geldmangels. Mithilfe einer Lotterie beschaffte sich Zeppelin mühsam die Mittel für ein zweites, verbessertes Luftschiff, dessen Flugversuche aber recht kläglich daneben gingen. Die Initialzündung für Zeppelins Pläne kam erst 1908. Das vierte Luftschiff LZ 4 geriet am 5. 8. in einen Sturm und brannte aus. Doch unter den Schaulustigen des Unglücks entstand die Initiative, die sich rasch landesweit ausbreitete – über eine nationale Spendenkampagne das Geld für den Bau eines neuen, noch besseren Luftschiffs zu sammeln. Ein frühes Beispiel für das, was man heute Crowdfunding nennt.

Zeppelin war gerettet. Die Kampagne brachte über 6 Mio. Mark ein. Der Kaiser, der ihn einst verhöhnt hatte, hatte gespendet, viele Industrielle und Unternehmen, ebenso der VDI mit mehreren Ortsvereinen. Zeppelin konnte für 1 Mio. Mark seine Luftschiffbau Zeppelin GmbH gründen, deren Nachfolgeunternehmen – unter anderem der Autozulieferer ZF Friedrichshafen – bis heute am Bodensee existieren. Das andere Geld steckte er in die Zeppelinstiftung, die zunächst den Luftschiffbau förderte, bis heute aber mit ihrer Fördertätigkeit soziale und kulturelle Einrichtungen und den Sport am Bodensee maßgeblich unterstützt.

Rundreisen und Passagierfahrten mit dem Zeppelin

Das letzte Lebensjahrzehnt des Grafen Zeppelin war in technischer Hinsicht eine Erfolgsgeschichte. 1912 verlagerte er die Produktion seiner Luftschiffe vom Bodensee nach Potsdam. Seine neuen Luftschiffe wurden mehr und mehr zur Personenbeförderung eingesetzt und erledigten diese Aufgabe zuverlässig. Die DELAG, Tochtergesellschaft der Zeppelin AG, führte ab 1910 Rundreisen und Passagierfahrten durch. Die vier Luftschiffe Deutschland I, Hansa, Viktoria Luise und Sachsen der DELAG führten zwischen 1910 und 1914 rund 1600 Fahrten unfallfrei durch, wobei etwa 37 000 Passagiere befördert wurden.

Mit Kriegsausbruch 1914 wurden verstärkt Luftschiffe für den Kriegseinsatz gebaut. Während England und Frankreich Kriegsluftschiffe aber nur in der Marine – etwa für die Seeüberwachung und den Küstenschutz – einsetzten, wurden die deutschen Zeppeline auch über Land für Bombenangriffe und Aufklärungsflüge genutzt. Zeitweise galten die Luftschiffe als Wunderwaffe, die unter anderem zur Bombardierung von London eingesetzt wurden.

Die Technik wurde im Krieg in hohem Tempo weiterentwickelt, sodass der Bau von bis zu 200 m großen Zeppelinen möglich wurde. Die Nutzlasten wurden immer höher, die Geschwindigkeit der Luftschiffe nahm zu und die Luftschiffe konnten sich immer länger am Himmel halten – zuletzt mehrere Tage lang. Doch die meisten Kriegsluftschiffe gingen bei Unfällen oder durch Beschuss verloren, und mit dem Aufkommen des Flugzeugs gegen Kriegsende wurden die Zeppeline immer weniger in Kriegshandlungen eingesetzt.

Am 8. 3. 1917 starb Graf Zeppelin im Alter von 78 Jahren in Berlin. Das Kriegsende erlebte er nicht mehr, ebenso wenig die zweite große Blütezeit der "fliegenden Zigarren" zwischen 1926 und 1937, als Zeppelins großer Nachfolger Hugo Eckener Großluftschiffe wie die "Hindenburg" und die "Graf Zeppelin" baute und mit seinen Polarfahrten, Weltumrundungen und Transatlantikflügen Geschichte schrieb. Die Technologie der Luftschiffe wird immer mit Zeppelins Namen verbunden bleiben.

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Von Johannes Wendland | Präsentiert von VDI Logo
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kommentare
05.10.2014, 13:42 Uhr Progetti
Luftschiffe eignen sich für Urlaubsfahrten sehr gut, Voraussetzung ist Komfort kombiniert mit Sprachkursen und Unterricht für Wissenswertes über das Urlaubsland!
Auch für Lastentransporte ohne Zeitdruck in schwer zugängliche Landabschnitte sind sie konkurrenzlos. Aber die Auftriebs- Regulationstechnik muß noch perfektioniert werden!

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