27.01.2015, 08:42 Uhr | 0 |

Testflüge dieses Jahr Virgin will touristische Raumfahrt 2016 starten

Nach dem Absturz des privaten Raumgleiters SpaceShipTwo hat der Chef des Raumfahrtunternehmens Virgin Galactic, Richard Branson, angekündigt, dass das Unternehmen seine Pläne für die bemannte Raumfahrt fortsetzen wird. In London sagte Branson, Virgin werde erstmals 2016 Touristen ins All fliegen.

Trägerflugzeug WhiteKnightTwo mit SpaceShipTwo
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Das Trägerflugzeug WhiteKnightTwo trägt SpaceShipTwo an den Rand des Weltraums.

Foto: Virgin

Als am 31. Oktober vergangenen Jahres das Raumschiff SpaceShipTwo von Virgin Galactic auseinander brach, schien es zunächst, als ob der Traum bezahlter touristischer Flüge in den Weltraum gescheitert sei. Doch der britische Unternehmer Richard Branson, an dessen Raumfahrtunternehmen Virgin Galactic der staatliche Investmentfonds der Vereinigten Arabischen Emirate 37 Prozent hält, gab nicht auf. Nun hat Virgin Galactic die Aufnahme der Touristenflüge für 2016 angekündigt.

Neues Raumschiff soll dieses Jahr zu Testflügen starten

Wie George Whitesides, Vorstandschef von Virgin Galactic, erläutert, ist das neue – das ursprünglich zweite – Raumschiff strukturell bereits zu 90 Prozent fertiggestellt. Soweit es um die Bordsysteme und die einschlägige Elektronik geht, wäre das zweite Raumschiff derzeit zu zwei Dritteln komplett. Die Testflüge sollen noch in diesem Jahr beginnen.

epaselect epa04471816 Debris from the crash site of the Virgin Galactic Spaceship Two rests in the Mojave desert, some 30 miles north of Mojave, California, USA, 31 October 2014. Spaceship Two crashed during a test flight killing the co-pilot and seriously injuring the pilot. EPA/MICHAEL NELSON +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Das private Raumflugzeug SpaceShipTwo stürzte am 31. Oktober 2014 bei einem Testflug über der kalifornischen Mojave-Wüste ab. Pilot Michael Alsbury kam bei dem Unglück ums Leben, Co-Pilot Peter Siebold konnte sich mit seinem Fallschirm schwer verletzt retten.

Foto: Michael Nelson/dpa

Wenn die Testflüge erfolgreich verlaufen, könnte tatsächlich 2016 der kommerzielle Touristenflugbetrieb anlaufen. Whiteside betont in London, dass Unfälle wie jener vom 31. Oktober, bei dem der Pilot Michael Alsbury ums Leben kam, besonders tragisch seien, aber dennoch die technische Entwicklung vorantreiben. “Niemand sollte sich der Illusion hingeben, dass die ersten kommerziellen Raumflüge so sicher wie ein Flug in einer Boeing 747 sein können.”

Passagiere sollen auf Risiken hingewiesen werden

Zu den Lehren, die Virgin Galactic aus dem zurückliegenden Unglück gezogen hat, gehört die Information aller Passagiere über die großen Risiken. Whiteside ergänzt das mit dem Hinweis, dass das im Grund für die gesamte Industrie gelte. “Wer jegliches Risiko ausschließen will, kann keinen Sprung nach vorne tun und Neues entdecken.”

Der amerikanische National Transportation Safety Board (NTSB) will den Unfallbericht über die Ursachen des Absturzes im Oktober dieses Jahres vorlegen. Das wäre genau ein Jahr nach dem Unglück. Whiteside erwartet keine Überraschungen von dieser Veröffentlichung und betont, dass Virgin Galactic schon eingehende Diskussionen mit dem NTSB geführt habe.

Der offizielle Unfallbericht soll erst im Oktober vorliegen

Virgin Galactic geht davon aus, mit dem zweiten Raumschiff nicht alle Tests wiederholen zu müssen, die mit dem ersten Schiff notwendig waren. Beide Raumschiffe seien im Prinzip gleich. Bei den anstehenden Tests werde man nach dem Unglück allerdings einige Komponenten genauer untersuchen.

Virgin Galactic ist nicht allein auf dem Gebiet der touristischen Raumfahrt tätig. Das Unternehmen hat ein zweites Standbein. Dabei geht es um LauncherOne. Dieses Raumfahrzeug wird in der gleichen Weise wie das touristische in den Weltraum befördert. Nach der Ablösung vom Mutterschiffe White Knight soll LauncherOne eine Vielzahl kleiner Satelliten auf ihre Umlaufbahnen befördern. LaunscherOne soll 2016 eingehend getestet werden und dann im Jahre 2017 den kommerziellen Betrieb aufnehmen.

LauncherOne soll zunächst 648 Satelliten ins All bringen

Branson will im Auftrag des Unternehmen One Web Satelliten zum Aufbau eines weltweiten Internetangebotes in ihre Umlaufbahn bringen. Der erste Auftrag umfasst zunächst 648 Satelliten. Im Endausbau soll das Netz 2400 Satelliten umfassen. Die Gesamtkosten schätzt Branson auf zwei Milliarden Dollar. Das wäre für ein weltweites Internet allerdings ein vergleichsweise günstiger Preis.

Branson selbst sitzt im Vorstand von One Web. Weitere Initiatoren sind der frühere Google-Manager Greg Wyler und der US-Chiphersteller Qualcomm.

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Von Peter Odrich
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