Luft- & Raumfahrt

RSS Feeds  | Alle Branchen Luft- & Raumfahrt-Visual-122538176
24.06.2013, 16:48 Uhr | 0 |

Kritik wegen Eurocopter-Deal Verteidigungsministerium soll hohe Zahl von Drohnenabstürzen vertuscht haben

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maiziere steht erneut wegen Drohnen unter Beschuss der Opposition: Diese wirft ihm vor, die Zahl der abgestürzten Bundeswehr-Drohnen verharmlost zu haben.

Euro Hawk
Á

Verteidigungsminister Thomas de Maizère gerät durch die Pannenserie bei der Entwicklung der unbemannten Drohne Euro Hawk immer stärker unter Druck. Noch im Mai hatte er das Aufklärungssystem in einem offiziellen Bericht als unverzichtbar gelobt – und nur eine Woche später gestoppt.

Foto: dpa/Armin Weigel

Nach Angaben des Verteidigungsministerium auf Anfrage der Linkspartei sind von 871 Drohnen der Bundeswehr 124 durch „Flugunfälle“ verloren gegangen. Diese Drohnen sind entweder abgestürzt oder aber bei der Landung so stark beschädigt worden, dass sich eine Reparatur nicht mehr lohnte.

Bundeswehr hatte nur wenige Drohnenabstürze gemeldet

Diese Zahlen liegen nach Recherchen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung deutlich über den bislang bekannten Zahlen. Demnach hatte das Ministerium im März 2011 zwölf Abstürze gemeldet, im Jahr 2012 insgesamt 17 Abstürze. Laut FAS waren 2012 jedoch schon 116 Drohnen abgestürzt.

Die hohe Zahl von zerstörten Drohnen hat laut FAS damit zu tun, dass beim Einsatz in Afghanistan die Drohnen bei Abriss des Funkkontaktes nicht per Autopilot zum Stützpunkt zurückfliegen, sondern in unwegsamen Gelände landen und aus Sicherheitsgründen zerstört werden.

Die Oppositionsparteien haben de Maiziere bewusste Desinformation des Parlamentes vorgeworfen. „Hier wird vertuscht und am Ende versucht das Ministerium, sich mit Wortklaubereien aus der Affäre zu ziehen", kritisiert Grünen-Verteidigungsexperte Omid Nouripour in einem Interview mit dem Nachrichtendienst Reuters. Seiner Meinung nach sei de Maiziere sogar persönlich für die „wiederholte Desinformation" verantwortlich.

Vorwurf: De Maiziere hat schlecht mit Eurocopter verhandelt

Doch de Maiziere sieht sich auch wegen eines eigentümlichen Beschaffungsauftrages kritischen Fragen ausgesetzt. So hat das Ministerium angeblich aus Kostengründen den Kaufauftrag für 202 Helikopter der Typen NH90und Tiger des Herstellers Eurocopter auf 139 Stück reduziert, gleichzeitig aber 18 NH90-Hubschrauber für die Marine beschafft. Diese insgesamt 157 Hubschrauber kosten aber gerade mal 224 Millionen Euro weniger als die ursprünglich 202 bestellten Helikopter. Der Gesamtauftrag liegt bei mehr als acht Milliarden Euro.

Deshalb wirft die Opposition de Maiziere vor, ausgesprochen schlecht mit der EADS-Tochter Eurocopter verhandelt zu haben. Der Minister hatte die Verhandlungen zur Chefsache gemacht. Die SPD hält dem Minister Versagen vor. „Der Minister hat sich von der Industrie offenkundig über den Tisch ziehen lassen", zitiert Spiegel.de den SPD-Verteidigungspolitiker Hans-Peter Bartels. Das sei ein "lausiger Deal".

Untersuchungsausschuss wegen Euro Hawk konstituiert sich

Der Druck auf den Minister wird auch am Mittwoch weiter wachsen. Dann wird sich der Verteidigungsausschuss trotz der kurzen Zeitspanne bis zur Bundestagswahl als Untersuchungsausschuss zum Debakel um die Aufklärungsdrohne Euro Hawk konstituieren. Der Ausschuss will klären, wann der Minister davon wusste, dass das Drohnenprojekt scheitert. Die Süddeutsche Zeitung hatte aufgrund vertraulicher Unterlagen berichtet, dass de Maiziere schon im Dezember vergangenen Jahres schriftlich über das Ausmaß der Schwierigkeiten informiert war. Der Minister hatte den Empfang der entsprechenden Informationsmappe sogar am 10. Dezember persönlich quittiert.

Anzeige
Von Petra Funk & Christian Cürten
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden