12.02.2016, 17:25 Uhr | 1 |

Kein Strom mehr Tschüss Philae: DLR verabschiedet sich vom ersten Kometen-Lander

Es war ein monatelanges Bangen: Wird sich Philae, der erste von Menschen gebaute Apparat, der auf einem Kometen landete, noch einmal melden? Jetzt scheint es gewiss: Nein. Das DLR hat die Hoffnung aufgegeben und erklärt Tschuri zur letzten Ruhestätte für den Lander der ESA. 

Lander Philae auf Komet Tschuri
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Mit Lander Philae konnten erstmals Messungen direkt auf einer Kometenoberfläche durchgeführt werden. Das Landegerät setzte am 12. November 2014 auf und betrieb über 60 Stunden lang die wissenschaftlichen Instrumente an Bord. Alle Daten konnten zur Erde gesendet werden.

Foto: ESA/ATG Medialab

„Die Chancen, dass Philae noch einmal Kontakt zu unserem Team im Lander-Kontrollzentrum des DLR aufnimmt, gehen leider gegen Null, und wir senden auch keine Kommandos mehr – es wäre sehr überraschend, wenn wir jetzt noch ein Signal empfangen würden", sagt Philae-Projektleiter Dr. Stephan Ulamec vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Das klingt hart. Hatte der Landeroboter der ESA doch während seiner Mission für viel Freude bei den Verantwortlichen gesorgt und auch die Herzen der Medien und ihrer Nutzer erobert.

Philae startete 2004 seine Reise zum Kometen Tschuri

Der kleine Roboter startete am 2. März Jahr 2004 mit der Raumsonde Rosetta zum Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko. Mehr als zehn lange Jahre dauerte die Reise des 1x1x1m kleinen Roboters, bis er sein Ziel erreichte. 510 Millionen Kilometer von der Erde entfernt zwischen den Bahnen von Mars und Jupiter setzte er schließlich am 12. November 2014 auf dem ebenfalls mit seinen vier Kilometer Durchmesser niedlich kleinen Kometen Tschuri auf.

Allerdings nicht wie geplant: Das Harpunensystem, das ihm bei der Landung Halt geben sollte, versagte seinen Dienst, Philae hüpfte stattdessen über den Kometen und befand sich schließlich an einem Standort, mit dem niemand vom Projekt-Team gerechnet hatte. Doch der kleine Kerl gab sein Bestes – und kommunizierte. Versorgte die Menschen auf der Erde mit Informationen über den fernen Kometen.

Forscher müssen noch viele Jahre Philaes Daten auswerten

"Es war eine einzigartige Mission mit Philae – es war nicht nur das erste Mal, dass man jemals mit einem Lander auf einer Kometenoberfläche aufgesetzt hat. Wir haben auch faszinierende Daten erhalten, mit denen wir noch viele Jahre arbeiten können", sagt Prof. Pascale Ehrenfreund, Vorstandsvorsitzende des DLR und beteiligte Wissenschaftlerin an der Mission. "Rosetta und Philae haben gezeigt, auf welch faszinierende Art und Weise die Raumfahrt den menschlichen Horizont erweitern und die Öffentlichkeit Anteil an unserer Forschung nehmen kann."

Zeitungen von Afrika bis Südamerika, von den USA bis nach Asien und Australien brachten die Nachricht der ersten Kometenlandung, in allen Sprachen bestätigten Sprecher in den Nachrichtensendungen, dass Philae tatsächlich sein Ziel erreicht hätte. Auch wir von Ingenieur.de. Für die Bebilderung der Texte sorgte Philae selbst: Ausblicke ins Weltall, Aufnahmen von der Oberfläche des Kometen Tschuri funkte das Minilabor bereits kurz nach seiner Landung in Richtung Erde.

Philae stand im Schatten – da ging der Strom aus

Doch dann schwächelte Philae mehrfach. Zu wenig Sonne erreichte ihn, um die Akkus aufzuladen. Der Kontakt zur Erde riss mehrfach ab

Im Juni 2015 meldete sich die Sonde nach monatelanger Funkstille zum dritten Mal vom Kometen Tschuri. Die Batterien des Roboters waren wieder ausreichend aufgeheizt, um Energie speichern zu können. Für die Durchführung wissenschaftlicher Experimente reichte es allerdings noch nicht. Doch 185 Datenpakete konnten gesendet werden.

Am 9. Juli 2015 sendete Philae dann zum letzten Mal Informationen. Die Ingenieure des Projekts halten es für möglich, dass Kurzschlüsse an den Sendern der Grund für die unregelmäßigen Kontakte und das anschließende Schweigen sein könnte. "Wir haben immer wieder verschiedene Kommandos gesendet, um den Kontakt mit ihm zu stabilisieren und mit den Instrumenten messen zu können, aber dies ist leider nicht gelungen", heißt es aus dem DLR-Kontrollzentrum.

Das DLR geht davon aus, dass Philae zwar sehr wahrscheinlich eisfrei, aber mit Staub bedeckt an seinem schattigen Platz auf Tschuri dahin dämmert und dort für immer einschläft. Sollte er noch einen letzten Gruß senden, würde Rosetta ihn hören. Die ESA-Sonde Rosetta wird noch bis September 2016 um den Kometen Tschuri kreisen und mit ihrer Kommunikationseinheit auf Signale des Landers horchen, bis auch ihre Energie verbraucht ist. 

Letzte Fotos von Philae werden uns wohl im Sommer 2016 erreichen, wenn die Rosetta-Sonde in nahen Vorbeiflügen auf den Lander blickt. Für den endgültigen Abschied.

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Von Martina Kefer
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kommentare
11.07.2016, 20:02 Uhr Siegie
Philae konnte niemals auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko gelandet sein!
Philae konnte niemals auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko gelandet sein! Laut NASA- Angaben befand sich der Komet 67P/Tschurjumow-Gerassimenko in einer Entfernung von 5,1 Millionen km von der Erde zwischen Mars und Jupiter. Der besagte Komet soll eine Ausdehnung von ca. 4 km haben und eine Masse von 10 hoch 10 t (Volumen 25 km³) besitzen. Die Gravitationsbeschleunigung des Kometen könnte damit rein rechnerisch und theoretisch maximal
gKomet= Mkomet*λ:r²= 6,5 *10hoch-11*10hoch-13: 4* 10 hoch6 m/s²≈
1,6 *10 hoch-4 m/s² (1)
betragen. Der Komet soll aber praktisch 10-5 m/s² besitzen. In einer Entfernung von 100 km, der Einmündung von Rosetta in den mittelbaren Kometenbereich, betrug die Gravitationsbeschleunigung
r100km=10hoch-5 m/s*4:100²=4*10hoch-9 m/s². (2)
Im unmittelbaren Bereich des Kometen von 10 km wirkte auf Rosetta die Gravitationsbeschleunigung von g= 4*10hoch-7 m/s². Die Gravitationsbeschleunigung zum Jupiter in einer Entfernung von 120 Millionen km vom Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko 67P/Tschurjumow-Gerassimenko ist aber bedeutend höher und beträgt
gJupiter= 25 m/s²*70.000²km²: 120.000.000² km²≈ 1,5 10hoch-6. (3)
Die Gravitationsbeschleunigung vom Jupiter auf die Raumsonde Rosetta ist in jedem Falle wesentlich größer, als das Gravitationsfeld des besagten Kometen auf die Raumsonde Rosetta. Damit ist der astrophysikalische Beweis erbracht, dass eine Landung auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko von Philae niemals stattgefunden haben kann, weil die Sonde Rosetta bedeutend mehr vom Jupiter angezogen wurde, als vom Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko!
Siegfried Marquardt, Königs Wusterhausen

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