16.07.2014, 10:18 Uhr | 0 |

Übertragung per Satellit Sportfernsehen erstmals live über den Wolken

Zum ersten Mal in der Luftfahrtgeschichte konnten Passagiere auf einer Reihe von Flügen die diesjährige Fußball-Weltmeisterschaft in Echtzeit an Bord aktuell mitverfolgen. Insgesamt neun Fluggesellschaften, darunter Lufthansa, British Airways, Etihad und Emirates, bieten inzwischen einen live Sportkanal „Sport24“ auf ihren Langstreckenflügen in allen Sitzplatzklassen an. 

Fernsehen im Flugzeug
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Aktuelle Fernsehsendungen im Flugzeug – das schien noch vor ganz kurzem eine Unmöglichkeit zu sein. Inzwischen aber ist es soweit. Die Fußballweltmeisterschaft in Brasilien brachte den Durchbruch. In immer mehr Flugzeugen können die Passagiere nun aktuelle Fernsehprogramme sehen.

Foto: Airbus

Vom kommenden Jahr an wollen 40 weitere Luftverkehrsunternehmen Live-Fernsehangebote und andere maßgeschneiderte Kommunikationsleistungen während des Fluges anbieten.

Technischer Aufwand deutlich größer als am Boden

Wie aber ist es möglich, dass Hunderte von Passagieren jeweils einen Live-Feed zur gleichen Zeit erhalten während sie sich mit fast 1000 Kilometern in der Stunde fortbewegen? Nach Aussagen von David Bruner von der Panasonic Avionics Corporation handelt es sich um ein ausgesprochen kompliziertes Unterfangen. Der unumgängliche technische Aufwand stellte das japanisch-amerikanische Unternehmen vor vielfältige Herausforderungen.

2015 Verdoppelung der Datengeschwindigkeit angestrebt

Die Panasonic Aviation Corporation verfolgt von ihrem Kontrollraum in Los Angeles 17 Satelliten, die fast alle Flugrouten rund um den Globus abdecken. Jeder dieser Satelliten kann eine Übertragungsgeschwindigkeit von bis zu 50 Megabit pro Sekunde erreichen. Diese muss aber zwischen allen Flugzeugen innerhalb des Empfangsbereichs eines Satellitensignals geteilt werden.

Auch das WLAN-Signal an Bord des Flugzeugs muss zwischen den Passagieren geteilt werden. Für das Streaming von Live-Sportübertragungen wurde daher ein großer Teil der Bandbreite reserviert. Vom kommenden Jahr an will Panasonic Aviation die Datensignale auf nur wenige Flugzeuge konzentrieren um auf diese Weise eine Verdoppelung der Datengeschwindigkeiten zu erzielen.

Die Antennen arbeiten unter extremen Bedingungen

Dafür wurden spezielle an den Flugzeugen angebrachte Antennen entwickelt, die unter extrem schwierigen Bedingungen arbeiten: Sie müssen sowohl extrem hohen Temperaturen sowie starker Kälte in Flughöhen von bis zu 12.000 Meter standhalten. Die Geräte werden danach vor allem auf Präzision und Effizienz geprüft. Nur ganz geringe Abweichungen führen bereits zu einem drastischen Verlust der Datenübertragungsrate, was bedeutet, dass die Fußballübertragung zum Leidwesen vieler Fußball-Fans im Flugzeug unterbrochen wird.

Übertragung per Satellit

Eine Reihe von Satelliten sind nötig um eine globale Übertragung zu ermöglichen. Die Schwierigkeit besteht in dem Übergang von einem Satelliten zum anderen. So muss der Wechsel zwischen den Satelliten beispielsweise auf einer Flugstrecke zwischen Europa und dem Nahen Osten zeitlich präzise aufeinander abgestimmt werden. Während die Verbindung zu einem Satelliten verlassen wird, muss die Antenne auf dem Flugzeug sich zeitgleich neu positionieren, um das Signal des neuen Satelliten aufzufangen und die Übertragung genau an dem Punkt wieder aufzunehmen, wo sie unterbrochen wurde.

Beim  Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft wurde ein einziger Video-Livestream an jedes Flugzeug geschickt. Der Passagier kann sich dann zuschalten, aber den Video nicht unterbrechen, zurückspulen oder vorlaufen lassen.

Satelliten-Datenservice kommt

Nahezu 50 Fluggesellschaften wollen den Satelliten- Datenservice an Bord, der auch andere maßgeschneiderte Leistungen ermöglicht, in Kürze einführen. In etwa einem Jahr wollen viele Airlines auch spezielle Apps anbieten, mit denen der Passagier noch vor Abflug auswählen kann, welche Filme er an Bord sehen möchte. Es soll dann auch möglich werden die eigenen mobilen Geräte mit dem gebuchten Sitz im Flugzeug zu paaren. Damit kann der Passagier beispielsweise bereits im Voraus die Mahlzeit während des Flugs wählen. Die Apps haben auch Funktionen, mit denen man bei einem Blick aus dem Fenster auf Sehenswertes auf der Strecke aufmerksam gemacht wird. 

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Von Peter Odrich
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