02.06.2014, 14:40 Uhr | 0 |

US-Flüge zur ISS möglich SpaceX stellt wiederverwertbare Kapsel für bemannte Raumfahrt vor

Die Amerikaner wollen ihre Astronauten wieder selbst ins All fliegen. Die Dragon V2 könnte schon in zwei Jahren zur ISS starten. Entwickelt wurde das neue Raumfahrzeug vom US-Unternehmen SpaceX. Die Kapsel kann neu aufgetankt werden und wieder losfliegen. Das könnte auch den Weltraumtourismus günstiger machen.   

Die Raumkapsel Dragon V2 von SpaceX
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Die weiß glänzende Kapsel Dragon V2 erinnert an ein halbes Überraschungs-Ei: Mit ihr will SpaceX-Gründer Elon Musk ab 2016 Astronauten zur ISS bringen.

Foto: SpaceX

Die weiß glänzende Kapsel Dragon V2 erinnert an ein halbes Überraschungs-Ei. SpaceX-Gründer Elon Musk hat sein neues Raumfahrzeug im kalifornischen Hawthorne bei Los Angeles vorgestellt. Musk, der auch Gründer und Chef des Elektrobauers Tesla ist, bezeichnete die neue Dragon-Version als einen „wirklich großen technologischen Sprung“. Aktuell setzt SpaceX die unbemannte Dragon V1 für Versorgungsflüge zur Internationalen Raumstation ISS ein. Die US-Astronauten werden dagegen von russischen Sojus-Kapseln befördert. Musk kündigte an, dass SpaceX schon 2016 diese Flüge übernehmen könnte.

Raumkapsel hat Platz für sieben Astronauten

In der Dragon V2 ist Platz für sieben Astronauten. Die Kapsel wird mit einer Rakete in den Orbit gebracht. Von da aus fliegt sie selbstständig weiter. An die ISS kann sie entweder autonom oder von Hand gesteuert andocken. Anders als bisher muss sie nicht mehr von einem Greifarm der Raumstation eingefangen werden. Pilot und Co-Pilot steuern das Raumfahrzeug fast ausschließlich über Touch-Displays. Im Notfall aber können sie die wichtigsten Befehle noch über Knöpfe manuell ausführen.

Weiche Landung ist überall auf der Erde möglich

Vier Raketentriebwerke sorgen dafür, dass die Kapsel gebremst absteigen und landen kann. Und zwar überall auf der Erde „mit der Präzision eines Hubschraubers“, schwärmte Musk. Die vier Triebwerke sind paarweise angeordnet. Wenn zwei ausfallen, kann die Kapsel trotzdem sicher auf der Erde landen. Offenbar ein Novum in der Raumfahrt: Das mehrteilige Landedüsensystem ist vollständig in einem 3D-Drucker im Direct-Metal-Laser-Sintering-Verfahren fabriziert worden.

Die Dragon V2 kann mehrmals fliegen. Man tankt sie einfach wieder auf und schickt sie erneut ins All. Diese Wiederverwertbarkeit macht sie womöglich auch für Weltraumtouristen interessant. Denn nach den Worten von Musk könnte die Raumfahrt dadurch deutlich preiswerter werden. Und damit Reisen ins Weltall für mehr Menschen und Organisationen erschwinglicher machen. Die Nachfrage nach solchen Kurztrips ist jedenfalls schon heute vorhanden. Viele der ersten Plätze in Raumfahrzeugen von Richard Branson Virgin Galactics und bei SpaceX sind schon reserviert, obwohl die Kapseln dafür noch gar nicht fertig sind.

SpaceX schrieb Weltraumgeschichte

Für das Unternehmen SpaceX hat vor zwei Jahren eine neue Ära begonnen: Als die NASA im Jahr 2011 nach 30 Jahren ihr Space-Shuttle-Programm beendete, hat SpaceX 2012 den ersten privaten Versorgungsflug zur ISS unternommen und damit Raumfahrtgeschichte geschrieben. Insgesamt hat SpaceX den Auftrag für zwölf Versorgungsflüge. Drei wurden bisher ausgeführt, zuletzt im April dieses Jahres.

Ihm waren etliche Pannen vorausgegangen. Der Vertrag mit der NASA hat einen Umfang von fast 1,2 Milliarden Euro. Außerdem beliefert noch die US-Firma Orbital Sciences die ISS mit Nachschub. Die Astronauten werden seit Ende des NASA-Shuttle-Programms mit russischen Sojus-Kapseln zur ISS gebracht.

Noch in der Nacht zum Donnerstag wurde auch der deutsche Astronaut Alexander Gerst mit einer Sojus zur Internationalen Raumstation geflogen. 

Doch die Russen wollen die ISS nur noch bis zum Jahr 2020 mitbetreiben. Die Entwicklung des neuen Dragon V2-Systems passt da gut ins Zeitfenster. Bisher zahlen die USA pro Sitz für einen ihrer Astronauten in der Sojus-Kapsel umgerechnet 51 Millionen Euro.

Anfang Mai hatte auch Boeing ein Konzept für einen Raumtransporter vorgestellt, der Ende 2016 zu ersten Testflügen aufsteigen soll.

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Von Lisa von Prondzinski
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