15.09.2014, 15:43 Uhr | 0 |

Mission Rosetta Sonniger Landeplatz auf Tschuri für Minilabor Philae ausgewählt

Die Entscheidung über einen Landeplatz ist gefallen. Das Minilabor Philae – unterwegs mit der Raumsonde Rosetta – soll am 11. November auf dem Kometen Tschuri landen. Die jetzt ausgewählte Stelle ist nicht zu zerklüftet und wird von der Sonne beleuchtet. Dort kann der Lander seine Batterien aufladen.

Ausgesuchter Landeplatz J für das Minilabor Philae
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Der ausgesuchte Landeplatz J für das Minilabor Philae befindet sich auf dem Kopf des Kometen Churyumov-Gerasimenko. Dort soll eine wenig zerklüftete, sonnige Stelle sein. Das Foto wurde mit der Osiris-Kamera in etwa 100 Kilometern Höhe aufgenommen. 

Foto: ESA/Rosetta

Perfekt ist die Stelle zwar nicht, auf der das Minilabor Philae voraussichtlich am 11. November aufsetzen wird, aber den idealen Landeplatz gibt es auf dem Kometen Churyumov-Gerasimenko (Tschuri) einfach nicht. Unter den fünf möglichen Kandidaten, die als Landeplätze für Philae ausgesucht worden waren, musste sich das Landerteam unter der Leitung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) jetzt entscheiden. Die erste Wahl fiel nach einem zweitägigen Auswahlverfahren auf den Landeplatz J – eine Region auf dem Kopf des Kometen, die abwechslungsreich, aber nicht zu zerklüftet ist, mit kaum steilen Hängen und von der Sonne gut beleuchtet.

Eine schöne Welt mit großen Herausforderungen für die Landung

„Wie wir auf aktuellen Nahaufnahmen sehen, ist der Komet Churuymov-Gerasimenko eine schöne und zugleich sehr extreme Welt. Er ist wissenschaftlich spannend, hat aber eine Form, die für die Landung eine große Herausforderung darstellt“, sagt DLR-Wissenschaftler Stephan Ulamec, Projektleiter für Lander Philae. „Keiner unserer fünf Kandidaten hat daher zu 100 Prozent alle Kriterien erfüllt, aber Landplatz J ist eindeutig die beste Lösung.“

Rund sieben Stunden wird es dauern, bis Philae nach der Trennung von der ESA-Sonde Rosetta auf der Oberfläche von Tschuri aufsetzen und somit zum ersten Mal überhaupt ein Landegerät auf einer Kometenoberfläche stehen wird. In den sieben Stunden sollen alle zehn Instrumente an Bord von Philae in Betrieb genommen werden, ohne allzu viel Energie zu verbrauchen. Während dieser so genannten „First Science Phase“ wird der Lander, der aus dem „Lander Control Center“ (LCC) des DLR in Köln gesteuert, betrieben und überwacht wird, über seine Batterien gespeist. Anschließend sorgen durchschnittlich sieben Sonnenstunden pro Kometentag dafür, dass sich seine Batterien immer wieder aufladen. Deshalb legte das Team großen Wert darauf, dass Philae an einem sonnigen Standort landet.

Landestelle C auf dem Körper des Kometen ist als Ausweichplatz vorgesehen

In den nächsten Wochen wird der Landeplatz nun aus größerer Nähe untersucht und immer exaktere Flugbahnberechnungen für Orbiter und Lander erstellt. Sollte sich dabei herausstellen, dass das Gelände innerhalb der Landeregion deutlich zerklüfteter ist als erwartet oder extremes Ausgasen des Kometen an diesem Ort eine Landung gefährden, hat sich das Landerteam für Landestelle C als zweite Wahl entschieden. Auch dieser Landeplatz, der sich auf dem größeren Teil, dem Körper des Kometen, befindet, liegt in relativ flachem Terrain und hat ausreichend Sonnenlicht.

Mit der Festlegung auf eine Landestelle und den damit genaueren Flugbahnberechnungen können die Ingenieure des Kontrollzentrums in Köln unter anderem die Phase für den Abstieg und die Landung anpassen und optimieren. Philae wird sich dann ohne Eingreifen von der Erde aus auf den Kometen sinken lassen.

Landung auf hartem und weichem Untergrund wurde bereits simuliert

Am 15. Oktober 2014 soll der ausgewählte Landeplatz endgültig bestätigt oder ein Ausweichen auf den Ersatz-Landeplatz beschlossen werden. Neben Flugbahnberechnungen und den ersten Ergebnissen von Instrumenten an Bord der Rosetta-Sonde flossen auch die Daten verschiedener Landetests am DLR Bremen in die Entscheidung ein. Bei Tests im Frühjahr 2013 hatten die Ingenieure dort ein 1:1-Landemodell auf hartem und weichen Untergrund in einer Test-Anlage auf die Probe gestellt. In Computersimulationen konnten so die Herausforderungen der verschiedenen Landeplätze untersucht werden.

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Von Gudrun von Schoenebeck
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