06.01.2016, 14:29 Uhr | 0 |

Neue Ära der Marserkundung So wird das Raumfahrtjahr 2016 aus europäischer Sicht

Ein spannendes Raumfahrtjahr liegt vor uns. Während die Rosetta-Mission zu Ende geht, startet für die europäischen Raumfahrtnationen eine neue Ära der Marsexploration. Auch für die Erdbeobachtung werden neue Satelliten ins All geschickt, wo weiterhin europäische Astronauten auf der ISS arbeiten. 

Daumen hoch: ESA-Astronaut Tim Peak auf der ISS
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Daumen hoch: Das Raumfahrtjahr 2016 wird aus Sicht der ESA ein spannendes. Für den ESA-Astronauten Tim Peak hat es bereits auf der ISS begonnen.

Foto: ESA

Ende von Rosetta naht

Seit zwölf Jahren ist die Rosetta-Mission unterwegs und dank ihr ist der Name des Kometen 67/P Tschurjumov-Gerassimenko nicht nur Raumfahrtenthusiasten ein Begriff geworden. Im November 2014 setzte die Sonde den kleinen Lander Philae erfolgreich, wenngleich auch etwas holprig, auf der Oberfläche von „Tschuri“ ab.

Nachdem die Mission ursprünglich Ende letzten Jahres auslaufen sollte, ist nun eine Verlängerung geplant. Im September 2016 soll die Sonde selbst, die sich gegenwärtig zwischen Mars und Jupiter befindet, zum Kometen hinabsteigen und dort ihr symbolisches Ende finden.

ExoMars auf dem Weg zum Mars

Währenddessen wird sich mit der Mission ExoMars die Aufmerksamkeit auf den Roten Planeten richten. Gemeinsam mit der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos will die europäische Raumfahrtagentur ESA die Oberfläche des Mars vor Ort und nicht nur aus der Ferne erkunden. Im März soll die Sonde von Baikonur aus starten und nach der Landung im Oktober wissenschaftliche Fragen beantworten können.

Mit einem Spurengasorbiter wollen die Forscher biologische und geologische Ursprünge wichtiger Spurengase auf dem Mars entschlüsseln. Außerdem werden mit dem Eintritts-, Abstiegs- und Landedemonstrationsmodul EDM Landungstechnologien für künftige Marsmissionen erprobt.

Satellitensystem ermöglicht Daten-Dienste beinahe in Echtzeit

Der Jahresbeginn wird sehr viel näher an der Erde mit dem Start der ersten Nutzlast (EDRS-A) des europäischen Datenrelaissatellitensystems, einer öffentlich-privaten Partnerschaft zwischen der ESA und Airbus Defence & Space, im Januar eingeläutet.

Das EDRS, mit dessen Hilfe Daten von Satelliten in der nicht-geostationären Umlaufbahn weitergeleitet werden, wird die Übertragungsgeschwindigkeit drastisch erhöhen und somit weltweit die Bereitstellung von Diensten in Quasi-Echtzeit ermöglichen.

SmallGEO – schnellere Multimediadienste

Auch SmallGEO ist eine öffentlich-private Partnerschaft in der Telekommunikation. Mit der modularen Mehrzweckplattform sollen schnellere Multimediadienste für Spanien, Portugal, die Kanarischen Inseln und Amerika bereitgestellt werden. Der Start ist für Ende des Jahres geplant.

Galileo – vier neue Navigationssatelliten

Im Oktober werden erstmalig an Bord einer Ariane-5-Trägerrakete vier Galileo-Satelliten gestartet. Damit wird sich die Zahl der Navigationssatelliten in der Umlaufbahn auf 16 erhöhen. In Europas Raumflughafen in Französisch-Guayana, dort wo die Ariane-5 startet, wird ein weiterer Startkomplex für die Ariane-6 entstehen.

Copernicus – die Erde unter Beobachtung

Für das Erdbeobachtungsprogramm Copernicus, einer Gemeinschaftsinitiative der ESA und der Europäischen Kommission, werden ebenfalls mehrere Satelliten gestartet. Nachdem Sentinel-2 bereits seit Mitte letzten Jahres den weltweiten Zustand der Landoberflächen und deren Vegetation beobachtet, folgt nun Sentinel-3A, dessen Start für Anfang des Jahres geplant ist.

Er dient der Messung der Meeresoberflächentopographie, der Meeres- und Landoberflächentemperatur und der Farbe der Ozean- und Landoberflächen zur Unterstützung von Ozeanvorhersagesystemen. Im April folgt Sentinel-1B und Ende des Jahres Sentinel-2B. Sobald alle Satelliten sich in ihrer Umlaufbahn befinden, wird Europa mit einem hochentwickelten Radar und der hochauflösenden Multispektralkamera im Orbit über eine optimale Erfassung und Datenübertragung verfügen.

Zwei ESA-Astronauten auf der ISS

Auch 2016 werden ESA-Astronauten in der erdnahen Umlaufbahn auf der Internationalen Raumstation wissenschaftliche Experimente durchführen. Der britische ESA-Astronaut Tim Peake arbeitet bereits vor Ort und wird im Juni auf die Erde zurückkehren.

Der französische ESA-Astronaut Thomas Pesquet wird im November zu einem sechsmonatigen Langzeitflug aufbrechen. Im kommenden Jahr soll auch wieder ein deutscher Astronaut bestimmt werden, dessen Einsatz auf der ISS für 2018 geplant ist.

Die ESA auf der Erdoberfläche

Im Mai soll das ESA-Symposium „Lebender Planet“ in Prag die größte Erdbeobachtungsveranstaltung weltweit zu werden. Es ist die fünfte Konferenz dieser Art, für die das wissenschaftliche Komitee derzeit die eingereichten 2700 Kurzreferate sichtet.

Auch auf der Luftfahrtmesse in Berlin (ILA) im Juni und auf der International Air Show in Farnborough im Juli wird die ESA vertreten sein. Den Höhepunkt des Jahres wird die ESA-Ratstagung auf Ministerebene im Dezember bilden, die dieses Mal im schweizerischen Luzern ausgerichtet wird.

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Von Gudrun von Schoenebeck
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