25.08.2014, 11:16 Uhr | 1 |

FALSCHE UMLAUFBAHN Sind Galileo-Satelliten noch zu retten?

Die Pannenserie bei der Einrichtung des europäischen Navigationssystems Galileo reißt nicht ab. Jetzt wurden die Satelliten 5 und 6 auf eine falsche Umlaufbahn geschossen. Ob sie noch gerettet werden können, ist fraglich.

Russische Trägerrakete mit Galileo-Satelliten
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Ingenieure beim Verladen der beiden jeweils 40 Millionen Euro teuren Galileo-Satelliten. Sie sind nicht in der richtigen Umlaufbahn angekommen.

Foto: ESA

Die Nachricht kam dünn und kleinlaut daher. Eine „Anomalie“ beim Transport der beiden Satelliten ins Weltall habe dazu geführt, dass sie nicht ihre vorgesehene Umlaufbahn erreicht haben, erklärte die europäische Raumfahragentur ESA. Die beteiligten Unternehmen und Behörden würden jetzt die „potenziellen Folgen für die Mission“ untersuchen. Potenzielle Folgen könnten sein: Die jeweils rund 40 Millionen Euro teuren Satelliten sind verloren, das ganze Programm verzögert sich weiter. Streitigkeiten unter beteiligten EU-Ländern über die Finanzierung hatten schon dazu geführt, dass der Start des Systems um mehr als zehn Jahre hinausgeschoben werden musste.

Neigungswinkel und Umlaufzeit stimmen nicht

Die russische Sojus-Trägerrakete hatte ursprünglich am vergangenen Donnerstag von Kourou in Französisch-Guyana aus ins All starten sollen. Der Abschuss wurde dann nochmal um rund 24 Stunden verschoben, weil das Wetter nicht mitspielte. Am Freitagnachmittag teilte die ESA dann noch mit: „Sämtliche Stufen der Sojus arbeiteten einwandfrei, und die Fregat-Oberstufe setzte die Satelliten drei Stunden und 47 Minuten nach dem Start auf ihrer Zielbahn in knapp 23.500 Kilometer Höhe aus.“

Eben diese Höhe haben die Satelliten aber gar nicht erreicht. Sie bewegen sich vielmehr deutlich niedriger und auf einer elliptischen Umlaufbahn, bei der die Höhe über der Erde um mehrere tausend Kilometer schwankt. Damit stimmt weder der Neigungswinkel, in dem die Satelliten um die Erde kreisen, noch die Zeit, die sie für eine Erdumkreisung brauchen. Der französische Koordinator für das Galileo-Programm, Jean-Yves Le Gall, sagte der Nachrichtenagentur AFP, eine Korrektur dürfte „kompliziert“ werden.

Lebensdauer der Satelliten könnte sinken

Zuletzt war von einer vollen Einsatzfähigkeit des Navigationssystems im Jahr 2020 die Rede. Auch dieser Plan wird nun kaum noch zu halten sein. Selbst dann, wenn die Satelliten noch auf den richtigen Orbit gebracht werden können, stellt sich die Frage: Welche Auswirkungen hat das auf ihre Funktionsfähigkeit? Sinkt wegen des dafür nötigen Treibstoffs ihre Lebensdauer, die mindestens zwölf Jahre betragen sollte?

Als Alternative zu GPS geplant

Vorläufig hält sich die ESA mit Mutmaßungen darüber zurück. Geplant war, dass künftig jedes Jahr sechs bis acht Satelliten pro Jahr mit Sojus- oder europäischen Ariane-Raketen starten. 24 Satelliten plus sechs als Reserve sollen das komplette Galileo-Netz bilden, das gegenüber dem US-amerikanischen GPS viele Vorteile hat.

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Von Werner Grosch
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kommentare
31.08.2014, 12:28 Uhr Progetti
Auf lange Sicht wird ein Korrektur- Shuttle erforderlich sein, das verirrte Satelliten schluckt und an anderer Stelle gezielt aussetzt, Treibstoff- Ergänzung mit eingeschlossen!

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