29.09.2015, 13:03 Uhr | 0 |

Leben sehr wahrscheinlich Sensationsfund der Nasa: Es gibt flüssiges Wasser auf dem Mars

Es ist eine Sensation: Die US-Weltraumbehörde Nasa hat flüssiges Wasser auf dem Mars gefunden. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit enorm, dass es auf dem Roten Planeten Leben gibt.

Fließrinnen von Wasser auf dem Mars
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Hale-Krater auf dem Mars: Die Aufnahmen der Raumsonde Mars Reconnaissance Orbiter zeigen dunkle schmale Fließrinnen. Sie stammen tatsächlich von flüssigem Wasser.

Foto: NASA/JPL-Caltech/University of Arizona

Die Worte, die Planetenforscher Jim Green heute gesprochen hat, sind eine Sensation. „Der Mars ist nicht der trockene, ausgedörrte Planet, für den wir ihn in der Vergangenheit gehalten haben“, sagte Green, der Leiter des Planetenprogramms der Nasa. „Unter bestimmten Gegebenheiten wurde fließendes Wasser auf dem Mars gefunden.“ Flüssiges Wasser auf dem Mars? Das würde bedeuten: Leben auf dem Mars ist nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich.

Und wie viel Wasser gibt es? Ein Fluss? Oder eine Pfütze? Nein, laut Nasa handelt es sich eher um eine Art feuchten Boden als um ein stehendes Wasser. Doch Green ist überzeugt: „Damit revolutioniert sich unser Verständnis des Planeten.“

Die Nasa musste für diese Entdeckung tief in die Trickkiste greifen: Die Auflösung des Spektrometers, mit der die Raumsonde Mars Reconnaissance Orbiter (MRO) die chemische Zusammensetzung des Marsbodens untersucht, war bislang nämlich nicht hoch genug – ein Bildpunkt (Pixel) entspricht einem 18 m großen Bereich und ließ sich nur in Kombination mit anderen Pixeln auswerten. Deswegen haben die Forscher ein Verfahren entwickelt, mit dem sie jetzt auch einzelne Bildpunkte analysieren können.

Erosionsrinnen der Mars-Krater stammen tatsächlich von fließendem Wasser

Mit dem neuen Verfahren nahmen sie wenige Meter schmale Erosionsrinnen an den Hängen der Mars-Krater unter die Lupe, die sich zwischen 2006 und 2009 sichtbar verlängerten – immer dann, wenn die Temperaturen im Mars-Sommer über -20 °C und gelegentlich auch über den Gefrierpunkt stiegen. Bislang war unklar, ob fließendes Wasser oder Kohlendioxid die Rinnen verursacht.

Dieses Rätsel haben die Forscher jetzt geknackt: Sie konnten in den Bildpunkten der Erosionsrinnen die Signatur von Kristallen mit eingeschlossenem Wasser, sogenannten Salzhydraten, nachweisen. Sie absorbieren im Marssommer Luftfeuchtigkeit und bilden eine Salzlauge, die zwischen -70 °C und +24 °C flüssig ist, die Kraterwände herunterfließt, anschließend verdunstet und feuchte Salze hinterlässt. Entsprechende Hinweise auf diesen Mechanismus hatte auch schon der Marsrover Curiosity im April diesen Jahres geliefert.

Forscher halten Leben auf dem Mars für sehr wahrscheinlich

Und welche Folgen hat diese Entdeckung? Weitreichende. Denn wo es Wasser gibt, da sei auch die Wahrscheinlichkeit für Leben hoch, sagt Green. „Das zeigt allein schon das Beispiel Erde.“ Alfred McEwen, Planetenforscher an der Universität Arizona, hält Leben auf dem Mars nach diesem Sensationsfund ebenfalls für sehr wahrscheinlich. Die Forscher wissen jetzt, wo sie nach Spuren von Mikroben suchen müssen.

Darüber verändert die Entdeckung flüssigen Wassers die Konzeption zukünftiger Mars-Missionen. Denn Wasser könnten Menschen auf dem Roten Planeten nicht nur trinken, sondern daraus auch Sauerstoff und Treibstoff für eine Rückkehr zur Erde generieren.

Gefrorenes Wasser ist längst kein Geheimnis mehr

Bislang konnten die Forscher nur gefrorenes Wasser unter der Marsoberfläche nachweisen: „Wir haben berechnet, dass die Gletscher mehr als 150.000 Kubikkilometer Eis enthalten“, erklärte Nanna Bjørnholt Karlsson von der Universität von Kopenhagen. „Diese Menge Eis könnte die gesamte Marsoberfläche mit 1,1 m Eis bedecken.“

2013 entdeckte der Marsrover Curiosity zudem, dass der Marsboden einen Wasseranteil von 2 % hat. Ein Beweis dafür, dass es auf dem Roten Planeten vor drei bis vier Milliarden Jahren Flüsse und Seen gegeben hat. Vor 3,7 Milliarden Jahren soll es sogar einen riesigen Ozean in der nördlichen Hemisphäre des Planeten gegeben haben. Das änderte dann wohl ein drastischer Klimawandel. 

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Von Patrick Schroeder
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