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16.12.2014, 12:40 Uhr | 0 |

Ende der ISS? Russland will eigene Raumstation im Weltall bauen

Russland kehrt der Internationalen Raumstation ISS im Jahre 2020 den Rücken und will schon 2019 mit einer eigenen nationalen Raumstation seine Präsenz im Orbit unterstreichen. Die Finanzierung dieser Idee steht allerdings in den Sternen.

ISS mit angedockter Sojus-Kapsel
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ISS mit angedockter Sojus-Kapsel und dem russischen Transportraumschiff Progress (links unten) kurz vor dem Andocken: Nur noch bis 2020 beteiligt sich Russland am Betrieb der Internationalen Raumstation. Schon 2017 soll der Bau einer eigenen Raumstation beginnen.

Foto: Roskosmos

Der neue kalte Krieg auf der Erde wegen der Ukraine-Krise hat nun auch seine Entsprechung im Weltall bekommen: Russland will sich von der Internationalen Raumstation ISS zurückziehen und stattdessen eine eigene nationale Raumstation bauen. Schon 2017 sollen die Arbeiten beginnen, die Grundstruktur der Raumstation könnte 2019 stehen. Ein Teil der ursprünglich für die ISS bestimmten Ausbau-Module könnte Russland dann für eine neue nationale Raumstation verwenden.

Weltraumbahnhof Wostotschny soll im kommenden Jahr eröffnen

Das hat neben dem Prestige auch einen pragmatischen Grund: Russland baut an der Grenze zu China den neuen Weltraumbahnhof Wostotschny, der im kommenden Jahr eröffnen soll. Starten Sojus-MS-Raumschiffe von Wostotschny, so fliegen sie zur ISS mit einem Startwinkel von 51,6 Grad. Im Falle einer Havarie würde sich die Crew dann über hoher See befinden, was Rettungsmaßnahmen deutlich erschweren würde.

Da die neue russische Raumstation in einer anderen Umlaufbahn unterwegs wäre, würden die Raumschiffe in einem Neigungswinkel von 64,8 Grad starten, so dass die Raumschiffe auf dem Weg dorthin über das Festland fliegen würden.

Neuer Glanz für Russlands einst so schillernder Raumfahrt

Das Kosmodrom Wostotschny soll Russlands einst so schillernder Raumfahrt zu neuem Glanz verhelfen. An der ISS ist Russland seit 1998 beteiligt. Vor der ISS hatte Russland von 1986 an die Raumstation Mir in Betrieb, bis sie im Jahre 2001 kontrolliert im Stillen Ozean versenkt wurde.

Moskau hat seit 2010 etwa 2,5 Milliarden Dollar in Wostotschny investiert, im kommenden Jahr soll eine weitere Milliarde in den Weltraumbahnhof fließen. Nach Schätzungen wird der Aufbau der neuen Bodenstation mehr als 6 Milliarden Dollar verschlingen.

Unabhängigkeit von Baikonur in Kasachstan

Anfang September hatte Russlands Präsident Wladimir Putin in Wostotschny klargestellt, worum es beim „größten gesamtnationalen Projekt“ geht: Um die Unabhängigkeit von Startplätzen außerhalt des russischen Territoriums – von Baikonur in Kasachstan. Derzeit zahlt Russland an Kasachstan im Jahr 115 Millionen Dollar an Miete, kann aber trotzdem nur eine begrenzte Anzahl von Starts in Baikonur durchführen.

Der neue zivile Weltraumbahnhof entsteht derzeit auf einer Gesamtfläche von rund 700 Quadratkilometern. Seine Start-, Montage- und Versorgungskomplexe werden durch 115 Kilometer Straßen und 125 Kilometer Eisenbahngleise verbunden. Der erste Raketenstart war für 2015 geplant, scheint aber kaum noch realistisch zu sein. Im Jahre 2020, wenn Russland der ISS den Rücken kehrt, soll Wostotschny endgültig fertig sein.

Finanzierung steht in den Sternen

Es ist ein Rückzug mit Ankündigung: Schon im Mai 2014 hatte der für die Raumfahrt zuständige Vizepremier Dmitri Rogosin angesichts der Spannungen mit den USA erklärt, dass Russland den ISS-Betrieb nicht bis 2024 verlängern werde. Jetzt erklärte Oleg Ostapenke, der Chef der Raumfahrtbehörde Roskosmos gegenüber der Nachrichtenagentur Ria, dass eine eigene Weltraumstation auch für andere russische Weltraum-Missionen von zentraler Bedeutung wäre.

Diese Ankündigung ist zumindest nassforsch: Russland befindet sich unter anderem aufgrund der Ukraine-Krise am Rande einer Rezession, nicht zuletzt den Sanktionen aus dem Westen geschuldet. Die Finanzierung einer eigenen Raumstation steht da doch sehr in den Sternen, nach denen Russland jetzt wieder greifen will.

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Von Detlef Stoller
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