25.06.2014, 16:53 Uhr | 0 |

Vorbereitung auf Jupitermond Rover der NASA lernt in Alaska das Fahren unter der Eisdecke

Noch übt BRUIE in einem zugefrorenen See in Alaska: Der Rover der NASA stürzt sich ins eiskalte Wasser und fährt auf seiner Erkundungstour auf der Unterseite der Eisdecke entlang. Sobald er fit ist, soll er in den Meeren des Jupitermondes Europa nach Leben suchen.

Rover Bruie fährt auf der Unterseite des Eises
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Der NASA-Rover Bruie fährt an der Unterseite des Eises und liefert Daten zu Wassertemperatur und Salzgehalt. Mit zwei Scheinwerfern leuchtet er seine unwirtliche Umgebung aus.

Foto: Screenshot ingenieur.de/National Geographic

Der Jupitermond Europa bietet nicht gerade lebensfreundliche Bedingungen: Er wartet mit Oberflächentemperaturen zwischen minus 160 Grad Celsius am Äquator und minus 220 Grad Celsius an den Polen auf. Trotzdem glaubt die US-amerikanische Raumfahrtbehörde NASA fest daran, dass es auf Europa Leben geben kann. Der zweitinnerste Jupitermond ist von einer Kruste aus Wassereis umgeben. Darunter vermuten die Wissenschaftler einen Ozean aus Wasser, der mehrere Kilometer in die Tiefe reicht.

Die These vom möglichen Leben auf Europa stützt sich vor allem auf die Entdeckungen in der irdischen Tiefsee, in der einfache Lebensformen in Regionen ohne Sonnenlicht und Sauerstoff existieren und zum Beispiel in den hydrothermalen Quellen am Grund der Tiefsee Schwefelwasserstoff als Energiequelle nutzen. Und auch auf Europas Oberfläche ist Schwefel nachgewiesen worden. Somit böte der Jupitermond prinzipiell die Basis für die Existenz von Leben.

Rover übt im zugefrorenen Sukok Lake in Barrow in Alaska

Jetzt testet die NASA im zugefrorenen Sukok Lake in Barrow in Alaska das erste Versuchsmodell eines Rovers, der auf Europa die wässrige Umgebung unter dem Eispanzer erkunden soll. Barrow ist die nördlichste Stadt der USA und eine der nördlichsten Städte der Welt. Gemäß der letzten Volkszählung aus dem Jahre 2010 leben dort 4212 Einwohner. Die Wahl fiel nicht zufällig auf diesen eher unwirtlichen Ort. Denn dort steigt auch im Sommer die Temperatur kaum über den Gefrierpunkt und im Winter ist es dort öfter mal eisige minus 30 Grad Celsius.

Ausgestattet ist der Rover mit zwei Rädern, die eher wie Panzerketten wirken, mit Scheinwerfern und Satellitenkommunikation. Entwickelt haben ihn Wissenschaftler vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA. JPL gehört zum California Institute of Technolgy (Caltech) in La Canad Flintridge in Kalifornien.

Mit ihrem Buoyant Rover for Under-Ice Exploration (BRUIE) testen die JPL-Forscher erstmals einen Roboter, der sich mit Metallreifen an die Unterseite eines Eispanzers festkrallt und per Satellitenverbindung Messdaten zur Basisstation funkt. Bei seinen Testfahrten an der Eisunterkante im Sukok Lake liefert BRUIE Daten zum Salzgehalt und zur Wassertemperatur des eisigen Sees. 

Jupiter-Orbiter sucht nach geeigneten Landestellen

Vielleicht schon im Jahre 2016 können die JPL-Forscher ihren Blick in den Himmel richten. Denn dann soll der Jupiter-Polar-Orbiter Juno in eine Umlaufbahn um den Jupiter eintreten und dabei auch einen genaueren Blick auf Europa werfen. Vorschläge für geeignete Landeplätze einer Europa-Raumsonde haben die JPL-Forscher bereits veröffentlicht.

Eine  Raumsonde sollte in einer von mehreren sogenannten Chaos-Regionen landen. Dabei handelt es sich um Gebiete, in denen Sedimente aus der Zone unterhalb der Eiskruste an die Oberfläche getreten sind. Dort soll die Sonde dann auf der Oberfläche die Zusammensetzung des vereisten Ozeans feststellen, die Dynamik von Eis- und Wasserbewegungen erforschen, sowie die Entstehungsgeschichte der Oberfläche erforschen.

Und dann kommt die Stunde für den Bruie: Dann tastet sich der Auftriebs-Rover langsam unter dem Eispanzer voran und fahndet nach Spuren außerirdischen Lebens. Bis dahin müssen der Salzgehalt und die Wassertemperatur im Sukok Lake den JPL-Forschern genügen.

Den Jupitermond Europa entdeckte im Jahre 1610 der italienische Gelehrte Galileo Galilei, als er sein einfaches Fernrohr auf den Jupiter richtete. Die vier großen Monde des Jupiters – Io, Europa, Ganymed und Kallisto – werden auch als die Galileischen Monde bezeichnet. Forscher vermuten auf Europa einen Ozean aus Wasser, der eine Tiefe von bis zu 100 Kilometern haben kann. Die Menge an flüssigem Wasser wäre damit mehr als doppelt so groß wie die Wassermenge in allen irdischen Ozeanen zusammen.

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Von Detlef Stoller
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