08.05.2015, 13:34 Uhr | 0 |

Raumfrachter Progress M-27M Reste stürzten in den Pazifik – Rückschlag für russische Raumfahrt

Einen Tag früher als erwartet ist der auf dem Weg zur ISS außer Kontrolle geratene Frachter Progress M-27M in die Erdatmosphäre eingetreten und weitgehend verglüht. Die Trümmer richteten keinen Schaden an. Doch wenn die russischen Raumfahrtingenieure den Fehler in ihrer Rakete nicht finden, ist auch eine bemannte Mission gefährdet.

Russische Progress-Kapsel
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Ein russischer Progress-Raumfrachter: Die Progress M-27M ist nach mehrtägigem Irrflug in die Erdatmosphäre gestürzt und weitgehend verglüht. Massive Bauteile landeten ohne Schaden anzurichten irgendwo im Pazifischen Ozean.

Foto: NASA

Einen Tag früher als zuletzt berechnet ist der russische Raumtransporter Progress M-27M in die Erdatmosphäre eingetreten und weitgehend verglüht. Besonders massive Bauteile, etwa das 200 Kilogramm schwere Andockmodul, die die höllischen Temperaturen möglicherweise überstanden haben, stürzten heute um 4.04 Uhr Mitteleuropäischer Zeit irgendwo in den Pazifischen Ozean.

Dritte Stufe der Sojus-Rakete explodierte

Der Frachter sollte knapp 2,4 Tonnen Sauerstoff, Nahrungsmittel, Trinkwasser und technisches Gerät zur Internationalen Raumstation (ISS) bringen. Kurz nach dem Start vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan war der Frachter „vorübergehend“ – wie die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos anfangs hoffte – außer Kontrolle geraten. Doch alle Rettungsversuche scheiterten. Was mit dem heutigen Wissen nicht verwundert, denn die dritte Stufe der Sojus-Rakete, die die Kapsel ins All bringen sollte, explodierte.

HANDOUT: Die Bildkombo aus undatierten Aufnahmen zeigt den russischen Raumfrachter Progress M-27M. Foto: Anton Schkaplerow/ Roskosmos/dpa (ACHTUNG REDAKTIONEN: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung und Nennung des Urhebers - zu dpa: ´ Russland erwartet unkontrollierten Absturz von Raumfrachter am 8. Mai» vom 06.05.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Der russische Raumfrachter Progress M-27M.

Foto: Anton Schkaplerow/ Roskosmos/dpa

Dabei wurde der Frachter so stark beschädigt, dass er auf Befehle von der Erde nicht mehr reagierte, ins Trudeln geriet und nach einem mehrtägigen Irrflug in die Erdatmosphäre eintrat. Dabei hatte die Kapsel eine Geschwindigkeit von 7,7 Kilometern pro Stunde. Die Reibung mit der Luft sorgte dafür, dass sich die Außenhaut so stark erhitzte, dass nahezu alles verdampfte. Anders als Kapseln für den Transport von Menschen sind Frachter nicht mit keramischen Hitzeschilden ausgestattet, weil sie gewissermaßen Wegwerfprodukte sind.

Nur Russland kann Menschen zur ISS bringen

Die Explosion macht den russischen Experten besonders große Sorgen, denn diese Stufe wird auch bei bemannten Missionen eingesetzt – Russlands Raketen und Kapseln sind die einzigen, die Menschen zur ISS transportieren und wieder heimbringen können. Ob das Raumschiff Sojus TMA-16M, das am 26. Mai drei Astronauten zur ISS transportieren soll, tatsächlich starten kann ist nach dem Progress-Desaster fraglich. Zwar wollen die russischen Raumfahrtingenieure die Ursache für die Explosion der dritten Raketenstufe bis zum 13. Mai finden, aber selbst wenn das gelingt wird es wohl eine Weile dauern, bis die Pannenursache behoben ist.

Auch auf den nächsten Versorgungsflug wird die ISS-Besatzung wohl eine Weile warten müssen. Vielleicht springt jedoch das US-Unternehmen SpaceX ein, dessen Frachter Dragon ebenfalls an die ISS andocken kann. Menschen kann er allerdings nicht befördern.

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Von Wolfgang Kempkens
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