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12.12.2013, 11:29 Uhr | 0 |

Spektakuläre Landung auf Komet Raumsonde Rosetta erwacht aus Reiseschlaf

Im Januar 2014 wird die Raumsonde Rosetta aus ihrem Tiefschlaf im All geweckt. Dann beginnt der letzte Teil ihrer zehnjährigen Reise zum Kometen 67P. Dort soll sie 4,64 Milliarden alte Urmaterie untersuchen. 

Im Januar 2014 erwacht Rosetta aus dem Reiseschlaf
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Rosetta befindet sich seit 957 Tagen im Reiseschlaf. Im Januar soll sie aufwachen. Dann wird sich zeigen, ob Bordelektronik und Mechanik die Reise überstanden haben.

Foto: European Space Agency

Fast zehn Jahre nach dem Start der Raumsonde Rosetta beginnt im Januar 2014 der spannende letzte Abschnitt der Reise. Die spektakuläre Mission der Europäischen Raumfahrtagentur ESA soll zum Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko führen und dort Urmaterie untersuchen, die 4,64 Milliarden Jahre alt ist. Bis es soweit ist, liegen noch einige Hindernisse vor Rosetta und den ESA-Wissenschaftlern.

Landeeinheit Philae soll den eisigen Kern des Kometen untersuchen

Erster wichtiger Termin für diese letzte Etappe der Reise ist der 20. Januar 2014. Um 11 Uhr (MEZ) soll Rosetta aus ihrem energiesparenden Tiefschlaf geweckt werden, in dem sie sich seit 957 Tagen befindet. Zu diesem Zeitpunkt ist die Sonde noch neun Millionen Kilometer von 67P, oder Tschurri wie die Wissenschaftler ihn liebevoll nennen, entfernt.

Zunächst werden die Navigationsinstrumente aufgewärmt und die Hauptantenne auf die Erde ausgerichtet. Dann schalten sich die elf Instrumente der Raumsonde und die zehn Instrumente der Landeeinheit Philae nach und nach ein und testen ihre Funktion. Nach fast zehn Jahren Reisezeit ist dies eine Phase, die den Wissenschaftlern durchaus Sorge bereitet.

Erkenntnisse über Ursprünge des Sonnensystems

Aufgebrochen war Rosetta im März 2004 mit gut einem Jahr Verspätung. Nach dem Absturz der Trägerrakete Ariane 5 musste der ursprünglich ins Auge gefasste Komet Wirtanen als Ziel der Mission aufgegeben werden. Stattdessen wurde 67P/Tschurjumow-Gerasimenko gefunden.

Auf ihm soll das Minilabor landen und erstmals einen eisigen Kometenkern direkt und über längere Zeit untersuchen. Die Astronomen geht davon aus, dass Kometen noch nahezu unverändert aus jenem Material bestehen und jenen interstellaren Staub enthalten, aus dem sich vor rund 4,6 Milliarden Jahren Sonne und die Planeten gebildet haben. Die Mission könnte deshalb Aufschlüsse über die Ursprünge des Sonnensystems bringen und Hinweise geben, ob Kometen einst Wasser und Leben auf die Erde brachten.

Der Komet hat einen Durchmesser von rund vier Kilometern, umrundet die Sonne in einer exzentrischen Bahn alle 6,6 Jahre und bewegt sich dabei zwischen den Bahnen von Jupiter und Erde. Um ihn zu erreichen, musste die Raumsonde nach ihrem Start mehrfach durch Swing-By-Flüge die Schwerkraft von Planeten – dreimal von der Erde, einmal vom Mars – nutzen, um Schwung zu holen.

Weiche Landung des Minilabors soll die sensible Messtechnik schützen

Die Spannung vor dem Weckruf von Rosetta wird nun wachsen. Ungewiss ist auch, ob nach der langen Ruhephase etwa die Mechanik ohne weiteres funktionieren wird. So bereiten die vier Gyroskope, die mit ihren Kreiselbewegungen die Sonde stabilisieren, Kopfzerbrechen. Ursprünglich wurde die Sonde mit vier Gyroskopen stabilisiert, wovon aber eines bereits ausgefallen ist. Ein weiteres war wohl nicht mehr ganz in Ordnung, als die Sonde in die Schlafphase versetzt wurde. Sollte es nun nicht mehr funktionieren, müsste man zusätzlich mit den Steuerdüsen stabilisieren, was Treibstoffvorräte und damit später Manövriermöglichkeiten reduziert.

Sollte Rosetta erfolgreich geweckt werden können und im November 2014 Tschurri erreichen, steht eine weitere Herausforderung bevor: Die Landung des Minilabors Philae auf der Oberfläche des Kometen ist eine höchst diffizile Angelegenheit. Erfahrungen mit einer solchen Landung gibt es ebenfalls nicht, denn sie ist die erste ihrer Art.

Falls der Dämpfer, der zwischen den drei Beinen von Philae dessen Landung abfedern soll, versagt, würde das Labor und seine sensible Messtechnik mit voller Wucht aufschlagen. Zwar ist Philae sowieso dem Untergang geweiht, denn der Komet nähert sich der Sonne und damit Temperaturen, die das Labor nicht überstehen wird. Aber vorher soll das Minilabor Proben entnehmen und vor Ort analysieren.  

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Von Gudrun von Schoenebeck
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