15.12.2014, 11:25 Uhr | 0 |

5 % Extra-Rabatt Qatar Airways wollte den Preis für die A 350 drücken

Wie auf einem arabischen Basar geht es offenbar bei der Auslieferung der A 350 an die Fluggesellschaft Qatar Airways zu: Die zunächst gescheiterte Übergabe des Flugzeuges hatte ihren Grund in Preisnachlässen, die Qatar Airways von Airbus fordert. Jetzt soll das Langstreckenflugzeug am 22. Dezember übergeben werden.

Qatar Airways CEO Akbar Al Baker und Airbus-Manager Didier Evrard vor einer A 350 in Doha
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Im Februar 2014 war das Verhältnis von Airbus und Quatar Airways noch in Ordnung: Qatar Airways CEO Akbar Al Baker und Didier Evrard, Chef des A 350 XWB Programms, vor einem Airbus in Doha. Die Fluggesellschaft des Emirats hat 80 Maschinen bestellt und verlangt derzeit von Airbus einen höheren Rabatt.

Foto: A. Doumenjou/Airbus

Um zehn Prozent war am vergangenen Mittwoch der Aktienkurs von Airbus eingebrochen, als Qatar Airways die Annahme des ersten von 80 bestellten Airbus A 350 verweigerte. Dabei wurden von der Fluggesellschaft keine Gründe genannt. Seitdem rätselt die Branche über die Ursache des Pokers.

Wie Ingenieur.de aus Luftfahrtkreisen erfuhr, ging es bei der Absage der Annahme nicht um technische Probleme, wie sie bei Auslieferungen durchaus vorkommen, sondern allein ums Geld.

Es geht um Geld und nicht um eine technische Panne

Auslieferungsverzögerungen gehen im Flugzeugbau fast immer auf technische Schwierigkeiten, vielfach Pannen zurück. Erst wenn sie behoben sind, läuft das traditionelle Wechselspiel ab: Der Käufer akzeptiert die Maschine formal. Das ist für die jeweilige Bank das Signal, den Kaufpreis abzüglich eventueller Anzahlungen telegraphisch zu überweisen. Wenn das Geld eingegangen ist, gibt der Hersteller den Start frei für den Abflug.

Im Fall des ersten A 350 für Qatar Airways hat sich das Emirat offenbar weitere Preisvorteile erhofft, wenn es Airbus unter Druck setzt. Dabei geht es primär um den Preis je Flugzeug.

80 Airbus A350 zum Listenpreis von 295 Millionen US-Dollar je Stück

Der sogenannte Listenpreis für die zur Auslieferung anstehende Maschine beläuft sich auf 295 Millionen US-Dollar. Der Dollar ist nicht nur im Ölgeschäft, sondern auch im Flugzeugbau die einzige Währung, in der die Maschinen abgerechnet werden. Derzeit steigt der Dollar-Kurs gegenüber den meisten anderen Währungen, was gerade ein Land wie Katar trifft, das vom Öl- und Gasexport lebt. Der rasante Verfall des Ölpreises führt zu niedrigeren Einnahmen des Landes, gleichzeitig wird der in Dollar abgerechnete Kauf der 80 A 350 immer teurer.

Die Frage ist, welchen Rabatt Airbus dem Emirat auf den Listenpreis eingeräumt hat. Auszugehen ist von etwa 50 Prozent, was ein relativ normaler Discount bei Großgeschäften in der Flugzeugbranche wäre. Boeing etwa lässt bei seinem Konkurrenzmodell 777 bis zu 54 Prozent nach.

In London wird von mehreren Luftverkehrsgesellschaften mit guten Beziehungen in den Nahen Osten darauf getippt, dass Katar bis zu fünf Prozent weiteren Nachlass verlangt. Dabei kommt dem Emirat zugute, dass es mit 80 bestellten Maschinen über zehn Prozent des gesamten Auftragsbestandes von Airbus für die A350 ausmacht.

Airbus auch durch A 380 in schwieriger Situation

Zum anderen aber ist Airbus gegenwärtig in einer schwierigen Situation, weil die Zukunft des bisherigen Paradepferds, der riesigen A 380, unklar ist. Entweder wird der Bau mangels Aufträgen in wenigen Jahren eingestellt, oder das Flugzeug wird aufwendig überarbeitet und mit neuen, sparsameren Triebwerken von Rolls Royce aufgerüstet.

Der Druck auf Airbus geht dabei aus Dubai von Emirates Airways und deren machtvollem Chef Tim Clark aus. Nun ist Dubai auch ein Emirat und liegt neben Katar. Natürlich wird da spekuliert, dass es sich um eine abgekartetes Spiel handeln könnte. Katar will mehr Rabatt auf den A 350, Dubai will eine schnelle Zusage der Modernisierung der A 380. Beweisen lässt sich das Zusammenspiel einstweilen natürlich nicht.

Schon einmal eine Abnahme-Verzögerung durch Katar

Erst vor wenigen Monaten hat es schon einmal eine ähnliche Ablieferungsverzögerung gegeben. Damals ging es um die erste A 380 für Katar. In jenem Fall war Qatar-Chef Al Baker mit der Deckenverkleidung in der Passagierkabine anfangs nicht einverstanden.

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Von Peter Odrich
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