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11.11.2014, 16:11 Uhr | 0 |

Warten auf Signale Philae macht sich klar für den Touchdown auf Tschuri

Morgen, am 12. November soll der Lander Philae sich von der Raumsonde Rosetta lösen und auf dem Kometen Churyumov-Gerasimenko landen. Ob der Touchdown um 16:34 Uhr gelingt und diese über zehn Jahre dauernde Mission zum Erfolg wird, erfährt die Erdbevölkerung wegen des langen Signalweges erst 28 Minuten später.

Ablauf der Landung von Philae auf dem Kometen Tschuri.
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Ablauf der Landung von Philae auf dem Kometen Tschuri.

Foto: DLR/ESA

In dieser Woche häufen sich die großen Ereignisse für die deutsche Raumfahrt. Unser Mann auf der Internationalen Raumstation ISS, Astronaut Alexander Gerst, hat seit gestern wieder festen Erdboden unter den vermutlich noch schweren Füßen. Und schon steht für morgen, Mittwoch, dem 12. November, das nächste Abenteuer bevor.

Gestern sprang Philae nach einem Rebooten endlich an

Nach über zehn Jahren Anreise im All soll das Minilabor Philae sich von der Raumsonde Rosetta lösen und um 16:34 Uhr mitteleuropäischer Zeit auf dem Kometen Churyumov-Gerasimenko landen. 28 Minuten und 20 Sekunden später werden wir wissen, ob die Landung erfolgreich war. Über die Europäische Raumfahrtagentur ESA  kann das spannende Manöver live mitverfolgt werden. Die Kommandos für Philae und seine zehn Instrumente an Bord werden vom Kontrollzentrum des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Köln zum europäischen Missions-Kontrollzentrum ESOC in Darmstadt und von dort aus über Bodenstationen zu Rosetta und Philae geschickt.

Den ersten Schrecken hat das Team um ESA-Flugdirektor Andrea Accomazzo, das die Landung steuert, bereits hinter sich. Gestern (10.11.) habe Philae sich zunächst nicht ordnungsgemäß anschalten lassen, meldet das ESA-Blog. Hier half, diese Lösung kennen auch Nicht-Techniker, ein Rebooten der Systeme und seither ist Philae für den Landevorgang gerüstet. Kritische Stellen im Ablauf gibt es aber noch mehr als genug.

Vor der Abkopplung könnte der Vorgang gestoppt und wiederholt werden

So wird heute Abend (20:30 Uhr) noch einmal überprüft, ob Rosetta und Philae sich im korrekten Orbit befinden und das letzte Bahnmanöver richtig funktioniert hat. Heute Nacht (02:35 Uhr) kommt dann die endgültige Entscheidung, ob Philae von Rosetta getrennt wird und zur Landung ansetzt. „Wenn man zum Beispiel herausfinden würde, dass Rosetta auf einer falschen Bahn fliegt, könnte man den Vorgang stoppen und es passiert nichts“, sagt Stephan Ulamec, der DLR-Projektleiter für die Landung. „Rosetta fliegt dann einfach weiter, geht in einen höheren Orbit und wir würden dann voraussichtlich in zwei Wochen noch einmal einen Versuch starten.“

Läuft alles nach Plan wird es morgen früh (07:03 Uhr) ernst und Rosetta nimmt mit Philae die korrekte Flugbahn in 22,5 Kilometern Höhe über dem Kometen ein. Erneut ein kritischer Punkt, denn Rosetta muss genau zur richtigen Zeit den nötigen Schub bekommen, damit Philae an der exakt gewünschten Stelle abgekoppelt werden kann. Sobald das Go für die Separation kommt (09:35 Uhr) gibt es kein Zurück mehr für Philae. Dann ist erneut Geduld gefragt, denn ob die Abkopplung wie gewünscht funktioniert hat, erfährt das Team eine knappe halbe Stunde später (10:03 Uhr).

Beim Abstieg sendet Philae bereits wissenschaftliche Daten

Gelingt alles reibungslos, beginnt der Abstieg von Philae zu Tschuri, dem Kometen. Auch hier wird das erste Signal sehnsüchtig erwartet werden, denn Philae kann seine Signale nicht direkt zur Erde schicken, sondern muss sie über Rosetta senden. „Das sind Informationen zum Zustand von Philae, sogenannte „Housekeeping“-Daten, und auch schon einige wissenschaftliche Daten“, sagt Ulamec. „Beispielsweise erhalten wir die Rückmeldung, ob das Landegestell ausgeklappt wurde. Und wir erhalten Bilder der ROLIS-Kamera vom Abstieg.“

Der Touchdown ist für 16.34 Uhr vorgesehen, um 17.02 Uhr müssten dann die Daten eintreffen. Das könne aber auch etwas früher oder später sein, so Ulamec, denn der Landeplatz „Agilkia“ habe einen Durchmesser von einem Kilometer. Ort und Zeitpunkt der Landung seien also etwas ungenau. „Und eingreifen können wir auch nicht beim Absinken auf den Kometen. Denn Philae ist nicht steuerbar.“

Beim Touchdown-Signal schießen die Harpunen

Kommt das Touchdown-Signal, weiß das Team, dass bei Philae die Harpunen ausgelöst und die Kaltgasdüse auf der Oberseite des Landers aktiviert wurde. Ausgelöst wird das Touchdown-Signal in dem Moment, in dem das zentrale Element des Landegestells durch das Aufsetzen und den Anpressdruck nach innen gedrückt wird. Dann weiß der Lander: Die Harpunen müssen schießen, die ROLIS-Kamera kann ausgeschaltet werden.

„Die Signale werden dann erst mal detaillierter analysiert. Sind die Harpunen gefeuert worden und wurden sie wieder zurückgezogen, um sie im Boden zu verankern? Die Bilder der Panoramakamera kommen relativ schnell, und wir sehen die Landschaft und vielleicht sogar den Horizont des Kometen. Dann ist alles gut und die weitere wissenschaftliche Sequenz kann beginnen“, hofft Ulamec und mit ihm viele viele andere.

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Von Gudrun von Schoenebeck
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