15.06.2015, 15:03 Uhr | 0 |

Signale von Tschuri Philae ist wieder aktiv und hat Funkkontakt mit der Erde

Der Landeroboter Philae hat nach sieben Monaten Winterschlaf auf dem Kometen Tschuri den Kontakt zur Erde wieder aufgenommen. 85 Sekunden dauerte am Samstagabend das „Gespräch“ des Landers mit der fernen Erde. 300 Datenpakete hat Philae dabei übertragen.

Landung von Philae auf dem Kometen Tschuri
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Animation der Landung von Philae auf dem Kometen Tschuri: Wegen zu geringen Sonnenlichtes konnte Philae seit November 2014 keine Daten zur Erde schicken.

Foto: ESA/ATG medialab

Es waren am Samstagabend genau 85 Sekunden zum Forscherglück: Solange bestand um exakt 22:28 Uhr der Kontakt mit dem seit sieben Monaten verstummten Landeroboter Philae. Der Lander war am 12. November 2014 von der Raumsonde Rosetta in einer Entfernung von gut 500 Kilometern auf dem Kometen 67P/Tschuriumow-Gerrasimenko, kurz Tschuri, abgesetzt worden. „Wir sind froh und glücklich“, sagte der DLR-Projektleiter Stephan Ulamec. „Die Chance, jetzt Wissenschaft mit dem Lander zu machen, ist groß.“

"Philae geht es sehr gut“

Während des Kontakts hat Philae 300 Datenpakete zur inzwischen nur noch 300 Millionen Kilometer entfernten Erde gesendet. 8000 weitere Datenpakete warten in den Speichern des Landers darauf, über Rosetta als Funkrelais auf die Reise zur Erde geschickt zu werden.

Die DLR-Forscher kennen jetzt auch den Zustand des Landers: „Philae geht es sehr gut. Er hat eine Betriebstemperatur von minus 35 Grad Celsius und verfügt über 24 Watt“, erläutert Ulamec. Für die Kommunikation mit Rosetta benötigt der Lander mindestens 19 Watt.

„Wir haben auch historische Daten erhalten“

Bei der Analyse der Statusdaten zeigte sich, dass Philae schon vor Samstagabend aus seinem Winterschlaf erwacht sein muss. „Wir haben auch historische Daten erhalten – bisher war dem Lander allerdings noch nicht gelungen, mit uns Kontakt aufzunehmen“, berichtet Projektleiter Ulamec. Seit dem 12. März versuchen die DLR-Wissenschaftler, Signale von Philae aufzufangen. Dazu wurde schon mehrfach die Kommunikationseinheit auf der Raumsonde Rosetta eingeschaltet. „Vielleicht war die Konstellation zwischen 'Philae' und 'Rosetta“ ungünstig und der Lander steht doch anders, als wir uns das vorstellen“, vermutet Ulamec.

Da sich der Komet der Sonne annähert, nimmt seine Aktivität zu. Tschuri hat eine große Menge an Staub aufgewirbelt. Rosetta musste deshalb den Abstand zu Tschuri vergrößern, was die Kontaktaufnahmeversuche im Frühjahr vereitelt haben kann. Die bereits übertragenen Daten sollen den Wissenschaftlern vom DLR bei der weiteren Kontaktaufnahme mit Philae helfen.

Bislang hat der Lander nur Daten über sich selbst gesendet, darunter Informationen zu Temperaturentwicklung und Sonnenbestrahlung. Aus der Summe dieser Informationen kann das DLR Prognosen über den Status des Landers in den kommenden Wochen erstellen. „Irgendetwas stimmt mit der Geometrie nicht“, sagte Ulamec. „Damit wir länger kommunizieren können, müssen wir zusammen mit der europäischen Raumfahrtagentur Esa die Raumsonde Rosetta im Orbit des Kometen neu ausrichten.“

Gelingt das Manöver, kann die Rosetta-Bodenstation den Kontakt zu Philae bis Mitte Oktober halten. Derzeit nimmt Tschuri stramm Kurs auf unser Zentralgestirn. „Den nächsten Punkt zur Sonne hat der Komet Mitte August“, berichtet Ulamec.

Forscher wollen einige Instrumente des Landers einsetzen

Der Lander hatte sich am 15. November 2014 um 1:15 Uhr – drei Tage nach der Landung – abgeschaltet, nach dem er etwa 60 Stunden auf dem Kometen in Betrieb war. Aber die DLR-Wissenschaftler blicken auch nach vorne: „Wir werden versuchen, einige Instrumente an Bord des Landers noch mal einzusetzen, um mehr über den Kometen zu erfahren“, sagt Ulamec. Dafür hat das Philae-Team des DLR bereits einige Ideen entwickelt, wie es gelingen kann, die Instrumente mit weniger Energie als diese eigentlich benötigen, doch ans Laufen zu kriegen.

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Von Detlef Stoller
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