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28.06.2013, 12:09 Uhr | 0 |

Internet in der Pilotenkanzel Nichts krächzt mehr dank Sandra

Jahrzehnte alte Kommunikationstechniken in Flugzeugen und Bodenstationen sollen durch moderne Breitbanddienste ersetzt werden.

Die neu installierte AeroMACS C-Band Antenne am DLR-Forschungsflugzeug
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Detail-Aufnahme der neu installierten AeroMACS C-Band Antenne am DLR-Forschungsflugzeug Atra. Die Antenne gehört zum neuen Kommunikationssystem Sandra.

Foto: DLR

Wenn Atra, das Forschungsflugzeug des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) den einstigen Dornier-Flughafen Oberpfaffenhofen anfliegt, dringt kein Krächzen aus den Kopfhörern, wenn Pilot und Tower miteinander kommunizieren. Die Stimmen sind so klar wie die der Bundestagsabgeordneten und der Regierungsmitglieder, wenn sie am Rednerpult im Reichstag stehen.

Das liegt an einer Kiste, die dort festgeschraubt ist, wo zuvor ein Sitz war. Darin steckt eine neue Kommunikationstechnik, die die Verständigung zwischen Flugzeugpersonal und Boden massiv verbessern wird. Mehr noch: Sie ermöglicht es, jederzeit auch sehr große Datenmengen zu übermitteln, etwa ausführliche Wetterberichte, die dem Piloten das Ausweichen auf gefahrlosere Routen ermöglicht. Wenn Atra andere Flughäfen anfliegt, ist wieder das gewohnte Krächzen zu hören – denn die Kiste in der Kabine hat auch die heute genutzten, teilweise Jahrzehnte alten Kommunikationstechniken drauf.

Sandra (Seamless Aeronautical Networking through integration of Data links, Radios and Antennas) heißt das System, das von 30 internationalen Entwicklungspartnern unterstützt wird. Das DLR ist federführend bei der Entwicklung der Technik und der Flugerprobung. Es integriert die Kommunikation von Besatzung und Passagieren zwischen Flugzeug und Boden.

Heute noch ist die Pilotenkanzel vom Internet abgeschnitten, während die Passagiere in vielen Maschinen bereits munter surfen können. Mit Atra, einem modifizierten Airbus A320, konnte das neue System jetzt erstmals im realen Betrieb getestet werden. „ATRA ist als ausgewachsener Airliner eine ideale Versuchsplattform, um neue Kommunikationstechniken für den Luftverkehr von morgen zu testen", sagt Oliver Brieger, Leiter des DLR-Flugbetriebs.

Automatischer Datenaustausch

Wie bei der Nutzung von Smartphones, die sich stets in das leistungsfähigste Netz einwählen – zu Hause ins WLAN, unterwegs ins Mobilfunknetz – wählt Sandra stets die Kommunikationsmöglichkeit aus, die gerade am besten geeignet ist: in Oberpfaffenhofen die neue Breitbandverbindung, unterwegs und bei Start und Landung auf  allen Flughäfen außer Oberpfaffenhofen die herkömmlichen Kurz- und Ultrakurwellenverbindungen. „Sie können sogar digital auf Voice-over-IP ausweichen und parallel Daten über den gerade am besten verfügbaren Kanal empfangen und senden", sagt Simon Plass vom DLR-Institut für Kommunikation und Navigation. Darüber hinaus können Daten, die für den Flugbetrieb nötig sind, automatisch zwischen allen Flugzeugen und Bodenstationen ausgetauscht werden, etwa Flughöhen, Geschwindigkeiten, Kurse und Kennungen.

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Von Wolfgang Kempkens
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