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15.03.2017, 07:29 Uhr | 0 |

Neue Radartechnik Nasa findet jahrelang verschollene Mondsonde

Bahn frei für die Reise zum Mond: Die Nasa hat erfolgreich eine neue Radartechnik getestet, um Weltraumschrott aufzuspüren, der den Mond umkreist. So lassen sich gefährliche Kollisionen bei künftigen Mondmissionen vermeiden.

Antenne Goldstone Observatorium
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Goldstone Observatorium: Von dieser 70-m-Antenne werden die Suchsignale ausgesendet.

Foto: NASA/JPL-Caltech

Gefunden hat die Nasa dank der neuen Technik die seit 2009 verschollene indische Mondsonde Chandrayaan-1. Obwohl die Entfernung des Mondes zur Erde vergleichsweise gering ist, können heutige Riesenteleskope  verloren gegangene Satelliten auf der Mondumlaufbahn nicht finden. Denn das von der Mondoberfläche reflektierte Sonnenlicht blendet optische Teleskope zu stark, um kleinere Objekte wie das nur eineinhalb Meter lange und breite indische Mini-Raumschiff ausmachen zu können. Bis die Funkverbindung abriss, war der Satellit 312 Tage im Weltall gewesen und hatte den Mond mehr als 3.400 Mal umkreist.

Geplante Reisen zum Mond

Für die Raumfahrt ist es sehr wichtig Weltraumschrott im Mondortbit aufspüren zu können. Denn die Nasa plant noch in diesem Jahrzehnt wieder Menschen zum Mond zu schicken. Und das private Raumfahrtunternehmen Space X will schon im nächsten Jahr mit Weltraumtouristen an Bord den Mond umrunden.

Kennt man die Bahnen aller Objekte im Umfeld des Mondes, kann man den Geisterfahrern im All ausweichen. Die Nasa jedenfalls plant eine Art Frühwarnsystem, das die Gefahr möglicher Kollisionen abschätzen könnte.

Mikrowellenstrahl zum Mond

Dafür müssen die potentiellen Unfallgegner zunächst einmal gefunden werden. Der Trick der Forscher des Jet Propulsion Laboratory (JPL) der Nasa: Sie schickten mithilfe der 70 m großen Antennenanlage des Goldstone Observatory in der Mojave-Wüste im Süden Kaliforniens vier Stunden lang einen mächtigen Mikrowellenstrahl Richtung Mond. Sie wussten: Würde sich Chandrayaan-1 noch auf einer Umlaufbahn um den Mond befinden und diesen Strahl kreuzen, würde er reflektiert und vom 100 m großen Green Bank Radioteleskop in West Virginia aufgefangen.

Die Nasa-Forscher wählten eine Stelle rund 160 km über dem Mond-Nordpol aus. Das taten sie, weil die indische Sonde etwa in dieser Höhe kreiste, bevor sie 2009 von der Bildfläche verschwand. Und tatsächlich: Zweimal in diesem Zeitraum wurde ein zurückgeworfenes Signal empfangen – jeweils im Abstand von gut einer Stunde. Das entsprach etwa der ursprünglichen Umlaufzeit der indischen Mondsonde.

Sonde hätte auch abgestürzt sein können

„Es zeigte sich, dass sich der Orbit von Chandrayaan-1 seit 2009 zwar um 180 Grad gedreht hat, die Flugbahn aber immer noch jene Ausrichtung hat, die wir erwartet hatten“, erklärt Forscher Ryan Park vom Jet Propulsion Laboratory.

Es hätte aber auch ganz anders sein können: Denn auf dem Mond gibt es große Bereiche besonders hoher Gesteinsdichte, sogenannte Mascons – und diese beeinflussen auch das Schwerefeld des Erdtrabanten. Fliegt eine Raumsonde durch diese Gebiete mit besonders starker Anziehung hindurch, kann sich ihre Umlaufbahn mit der Zeit dramatisch verändern oder sie sogar zum Absturz bringen.

Kollisionen vermeiden

Gefunden haben die Nasa-Forscher die indische Sonde bereits im Juli 2016. In den folgenden Monaten beobachteten sie das Mini-Raumschiff weiter. Dazu setzten sie auch das leistungsstärkste Radarteleskop der Welt ein, das Arecibo-Observatorium in Puerto Rico – mit einem Hauptspiegel von 305 m Durchmesser. Mit den gesammelten Daten konnte jetzt die prognostizierte Umlaufbahn genau angepasst werden. 

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Von Martina Kefer
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