23.09.2013, 13:53 Uhr | 0 |

Deutscher Astronaut fliegt zur ISS Nächste Mission zur Raumstation heißt „The Blue Dot“

Der ESA-Astronaut Alexander Gerst wird im Mai 2014 für sechs Monate zur Internationalen Raumstation fliegen. Während der Mission, deren Name „The Blue Dot“ jetzt bekannt gegeben wurde, soll der deutsche Geophysiker 40 Experimente durchführen.

ESA-Astronaut Alexander Gerst
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Völlig losgelöst von der Erde: Astronaut Alexander Gerst wird im Mai 2014 für sechs Monate zur Internationalen Raumstation fliegen. 

Foto: ESA

Alexander Gerst ist der nächste deutsche Astronaut, der am 28. Mai 2014 vom Weltraumbahnhof in Baikonur in Kasachstan für sechs Monate zur Internationalen Raumstation ISS aufbrechen wird. Seit vier Jahren gehört der 37-jährige promovierte Geophysiker dem Astronautenkorps der europäischen Weltraumorganisation ESA an und hat sich intensiv darauf vorbereitet, in der Schwerelosigkeit in 400 Kilometern über der Erde zu leben und zu forschen. Er wird als Flugingenieur die ISS-Expeditionen 40 und 41 begleiten und gemeinsam mit dem russischen Kosmonauten Maxim Wiktorowitsch Surajew und dem NASA-Astronauten Gregory Reid Wiseman an Bord des russischen Sojus-Raumschiffes zur ISS fliegen. 

Vielzahl der Experimente auf der ISS stammt aus Deutschland

Die Mission wird die Bezeichnung „The Blue Dot“ bekommen. Das Missions-Logo ist angelehnt an das einprägsame Bild, das einst die NASA-Raumsonde Voyager beim Verlassen des Sonnensystems von der Erde, unserem blauen Planeten, zurückschickte. Der US-Astronom Carl Sagan beschrieb dabei die Erde als Pale Blue Dot, als blassen blauen Punkt, der sich vom tiefen Schwarz des Alls als Oase des Lebens abhebt und gleichermaßen fragil und schützenswert ist.

Während seiner halbjährigen Mission wartet auf den promovierten Vulkanologen Alexander Gerst ein umfangreiches wissenschaftliches Programm: Etwa 40 Experimente aus der Materialphysik, Humanphysiologie, Strahlenbiologie, Sonnenforschung, Biologie und Biotechnologie, Fluidphysik, Astrophysik und Technologiedemonstrationen gehören zu seinem Arbeitspensum. Die Vielzahl der Experimente und der beteiligten Wissenschaftler stammt dabei aus Deutschland.

Darunter auch der EML, der elektromagnetische Levitator. Das ist ein Schmelzofen, in dem unter Schwerelosigkeit metallische Legierungsproben mittels elektromagnetischer Felder in einer Spule kontaktfrei positioniert, aufgeschmolzen, dann im flüssigen Zustand unterkühlt werden, bis sie erstarren. Ziel der Forschung ist es, auf der Erde nicht erreichbare Präzisionsmessungen bestimmter thermophysikalischer Eigenschaften wie Viskosität und Oberflächenspannung, spezifische Wärmekapazität, thermische Ausdehnung und elektrische Leitfähigkeit von chemisch aggressiven Metallschmelzen vorzunehmen.

Experimente zur Stärke und Qualität des Erdmagnetfeldes

Die Ergebnisse versprechen ein großes Anwendungspotenzial, etwa zur Optimierung von Produktionsprozessen mithilfe von Computermodellen, die möglichst genaue Eingabedaten der thermophysikalischen Parameter verlangen. Dies trifft besonders auf filigrane und komplizierte Gussteile zu, zum Beispiel leichtere Turbinenschaufeln mit besserer Kühlung.

Außerdem soll Alexander Gerst das Magnetfeldexperiment MFX/MagVector installieren und in Betrieb nehmen. „MFX“ soll die Stärke und Qualität des schützenden Erdmagnetfelds innerhalb der ISS vermessen. Darüber hinaus soll mit dem Experiment weltweit erstmals die Wechselwirkung zwischen dem Erdmagnetfeld und einem elektrischen Leiter untersucht und mit hoher Auflösung gemessen werden. Ein weiterer Schwerpunkt der „Blue Dot“-Mission ist die Humanphysiologie. Dazu sind eine Reihe anspruchsvoller Experimente zu den Themen Hautalterung und Hautschutz, Ernährung und Stoffwechsel sowie Strahlenschutz vorgesehen.

Ebenfalls geplant sind Experimente zur Bildung und Nachwuchsförderung, darunter das COLUMBUS-Eye, ein Erdbeobachtungsexperiment mit ferngesteuerten Kameras an Bord der ISS. Beim Wettbewerb „Aktion 42“, der gemeinsam von ESA und DLR mit „Jugend forscht“ ausgeschrieben wurde, entwickeln Jugendliche Experimente mit ISS-Bordmitteln.

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Von Gudrun von Schoenebeck
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