20.10.2016, 13:48 Uhr | 0 |

Mission ExoMars nur Teilerfolg Nach der Landung meldet Schiaparelli sich nicht mehr

Die europäisch-russische Expedition zum Roten Planeten ist nur ein Teilerfolg. Das Landemodul Schiaparelli wurde vermutlich zerstört. Doch das Mutterschiff kann planmäßig die Suche nach Spurengasen und damit nach extraterrestrischem Leben aufnehmen.

Illustration Landung des Moduls Schiaparelli auf dem Mars
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Die Illustration zeigt das Schiaparelli-Modul kurz der Landung auf der Oberfläche des Mars. In der Realität ist dabei gestern aber offenbar etwas schief gelaufen. Die Sonde sendet nicht wie geplant Signale und Daten. Ob es technische Probleme beim Landemanöver gab oder das Lande-Modul auf einem Felsen bruchlandete ist noch ungeklärt.

Foto: ESA/ATG mediala/dpa

Schiaparelli liegt auf dem Mars. In welcher Form ist unbekannt. Möglicherweise sind nur noch ein Haufen Elektronikschrott und Bruchstücke aus Beton von dem gartentischgroßen europäisch-russischen Landemodul übrig. Während des abenteuerlichen Sinkfluges am Mittwoch riss die Funkverbindung ab, was die Experten der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA) erwartet hatten.

Ein Modell des Testmoduls ·Schiaparelli· steht am 19.10.2016 in Darmstadt (Hessen) im Konferenzraum der Europäischen Raumfahrtagentur Esa. Die Esa und ihr russischer Partner Roskosmos hoffen auf die erste erfolgreiche Landung der gemeinsamen Raumsonde auf dem Mars. Foto: Uwe Anspach/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Ein Modell des Testmoduls Schiaparelli steht in Darmstadt im Konferenzraum der Europäischen Raumfahrtagentur ESA. Ist vom Original nur noch Schutt und Elektronikschrott auf dem Mars übrig? 

Foto: Uwe Anspach/dpa

Nicht aber, dass der Lander auch nach vielen Stunden noch schweigt. Die Hoffnung, dass er sich noch einmal meldet, sei gering, sagte ESA-Direktor Johann-Dietrich Wörner heute morgen bei einer Pressekonferenz in Darmstadt.

Wissenschaftlich eher bedeutungslos

Dass die Mission gescheitert ist stimme allerdings nicht. Das Landemodul Schiaparelli hat zwar einen klangvollen Namen, ist aber wissenschaftlich eher bedeutungslos. Das Modul besteht vor allem aus Beton. Dazu kommen einige wenige Messgeräte. Es diente lediglich dazu, eine Landetechnik für die nächste ExoMars-Mission zu testen, die für 2020 geplant ist. Die ESA-Wissenschaftler glauben, aus dem Fehlschlag noch etwas für die weit anspruchsvollere Landung eines Moduls mit einem Mars-Rover an Bord lernen zu können.

epa05593601 An undated handout artist impression mades availalable by the European Space Agency (ESA),based at Darmstadt, Germany showing the Schiaparelli module after the parachute has been deployed. ESA report on 20 October 2016 that essential data from the ExoMars Schiaparelli lander sent to its mothership Trace Gas Orbiter during the module·s descent to the Red Planet·s surface on 19 October 2016 has been downlinked to Earth and is currently being analysed by experts. EPA/ESA ATG-medialab M.Thiebaut / ESA Exomars 2016 / HANDOUT HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES +++(c) dpa - Bildfunk+++
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In einer Höhe von elf Kilometern sollte sich ein zwölf Meter großer Fallschirm öffnen und Schiaparelli von doppelter Schallgeschwindigkeit auf Tempo 300 abbremsen.

Foto: M.Thiebaut /ESA/ATG Medialab

Ein anderes Manöver ist allerdings gelungen, und das sei viel wichtiger als der potenzielle Verlust des Mars-Landers. Es gelang, das Mutterschiff „Trace Gas Orbiter“ (TGO) auf eine Umlaufbahn um den Roten Planeten zu bringen. Sie ist anfangs zwar noch ein wenig unorthodox – die Entfernung zum Mars schwankt zwischen einigen 100.000 und 300 km. Doch die Wissenschaftler sind sicher, dass sie TGO auf eine Kreisbahn in 400 km Entfernung zwingen können.

Indirekte Suche nach Mikroorganismen

Die Messgeräte an Bord von TGO können Spurengase auf dem Mars analysieren. Die Experimentatoren sind besonders scharf auf den Nachweis von Methan (Erdgas). Das könnte ein Hinweis auf die Existenz von Leben sein. Es gibt Mikroorganismen (Methanogene), die Methan im Rahmen des Stoffwechsels ausscheiden. Als Futter benötigen sie Kohlendioxid. Die Spurensuche kann im nächsten Jahr beginnen.

Der Höllenritt zum Mars

Schiaparelli hatte einen wahren Höllenritt hinter sich, als sie – wie auch immer – auf dem Mars ankam. In 120 km Höhe trennte sie sich von TGO und raste mit 21.000 km/h dem roten Planeten entgegen. In einer Höhe von elf Kilometern sollte sich ein zwölf Meter großer Fallschirm öffnen und die Sonde von doppelter Schallgeschwindigkeit auf Tempo 300 abbremsen.

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Die Mars-Tiefebene Meridiani Planum, aufgenommen mit der hochauflösenden Stereokamera von Mars Express der ESA. Das ExoMars-Testmodul Schiaparelli sollte am 19.10.2016 in dem Gebiet landen, das hier in dem Bild als Ellipse eingezeichnet ist. Die Ellipse dehnt sich fast bis zum Endeavour-Krater im Hintergrund aus, den der Nasa Rover Opportunity momentan erkundet. Rechts sind der 19 km breite Bopolu Krater und seine Schicht aus Kraterauswürflingen zu sehen– Überreste, die beim Einschlag eines Himmelskörpers aus der Planetenoberfläche geschleudert wurden. 

Foto: Björn Schreiner/FU Berlin/dpa

Nach weiteren vier Kilometern sollte der Hitzeschild abgesprengt werden und auf 1.000 m Höhe sich der Fallschirm lösen. Den Rest sollten neun Bremstriebwerke regeln und die Sonde mit 18 km/h sanft aufsetzen, abgefedert von einer unter Schiaparelli befestigten Knautschzone. Was genau schief gelaufen ist, wissen die Ingenieure und Wissenschaftler noch nicht. Eine Vermutung ist aber, dass ein Felsen Schiaparelli zerstört hat.

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Von Wolfgang Kempkens
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