20.10.2014, 12:09 Uhr | 0 |

Kurzstreckenflieger MRJ soll Markt erobern Mitsubishi Aircraft präsentiert erstes japanisches Düsenverkehrsflugzeug

Mit dem Mitsubishi Regional Jet (MRJ) hat die Mitsubishi Aircraft Corporation jetzt das erste japanische Düsenflugzeug vorgestellt: Der Kurzstreckenflieger bietet Platz für 76 bis 88 Passagiere. Japan hat sich mit dem Bau seinen langjährigen Traum verwirklicht, ein Flugzeug komplett selbst zu konstruieren und zu bauen.

Mitsubishi Regional Jet
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Der neue Mitsubishi Regional Jet ist das erste von Japan selbst gebaute Düsenflugzeug. Mit dem Kurzstreckenjet tritt Mitsubishi Aircraft gegen die führenden Hersteller regionaler Flugzeuge Bombardier,  ATR und Embraer an. 

Foto: Screenshot ingenieur.de/Mitsubishi Aircraft Corporation

Mit dem MRJ nimmt Japan den Wettbewerb mit den drei führenden Herstellern regionaler Flugzeuge, dem italienisch-französischen ATR, dem brasilianischen Flugzeugbauer Embraer und mit Bombardier im hart umkämpften Markt für kleinere Passagierflugzeuge auf.

Ziel ist es in den nächsten 20 Jahren einen 50-prozentigen Anteil am globalen Markt für regionale Jets mit einer Kapazität bis zu 100 Passagieren zu erreichen.

Erste Auslieferungen für 2017 geplant

Das neue Flugzeug soll spätestens im zweiten Quartal kommenden Jahres seinen Erstflug absolvieren und voraussichtlich 2017 auf den Markt kommen. Ursprünglich wollte das in Nagoya ansässige Unternehmen den MRJ schon im Zeitraum zwischen 2015 und 2016 ausliefern. Behördliche Genehmigungshürden und verzweigte Lieferketten werden vom Hersteller als Gründe für die zweijährige Verspätung genannt.

Imzwischen hat Mitsubishi Aircraft mehr als 100 Fluggesellschaften, vor allem in Asien, Europa und Amerika, angesprochen. Der Auftragsbestand wächst stetig. So konnten insgesamt Bestellungen, einschließlich Optionen, für 407 Maschinen gesichert werden. Japan Airlines unterzeichnete jüngst eine Absichtserklärung für den Kauf von 32 Jets und auch All Nippon Airways, Trans States Holdings und Sky West Inc. aus den Vereinigten Staaten sowie Mandalay Ltd. aus Myanmar haben feste Absichtserklärungen abgegeben.

Hoffnungsträger für Nippons Flugzeugindustrie 

Bis 2018 hofft der japanische Flugzeughersteller 1000 Bestellungen sichern zu können. Ziel ist es Anfang 2020 in die Gewinnzone zu kommen. Bis dahin will das Unternehmen auch einen weiteren Jet entwickeln.

Videoquelle: Mitsubishi Aircraft Corporation

Mitsubishi Aircraft hat insgesamt 1,8 Milliarden Dollar in die Entwicklung des MRJ investiert. Zu den Anteilseignern gehören neben mehreren Mitsubishi- Gesellschaften die Toyota Motor Corp. und die Development Bank of Japan. Die japanische Regierung hat die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten unterstützt, aber keine direkten Finanzhilfen gegeben.

Niedriger Treibstoffverbrauch

Mitsubishi wirbt damit, dass das neue Flugzeug sauberer, deutlich leiser und auch komfortabler als die herkömmlichen Regionaljets sei. Das wird vor allem auf  neuartige Pratt & Whitney-Triebwerke der amerikanischen United Technologies Corporation sowie den Einsatz besonders leichter Kohlenstoff-Verbundwerkstoffe, die zudem einen 20 Prozent geringeren Treibstoffverbrauch verglichen mit Konkurrenz-Modellen erlauben, zurückgeführt.

Nach Aussagen von Mitsubishi bietet das neue Design, bei dem sich der Gepäckraum am Rumpfheck befindet, eine größere Kopffreiheit, so dass sich auch größere Passiere nicht mehr ducken müssen. Der extra Raum und die größere Treibstoffeffizienz verschafft Mitsubishi nach Meinung verschiedener Luftfahrtexperten einen Wettbewerbsvorteil.

Hart umkämpfter Markt

„Lange Zeit war Japan für seine Stärken unter anderem im Automobilbau bekannt. Wir müssen aber auch neue Industrien finden und der Flugzeugbau bietet sich an“, erläutert Teruaki Kawai, Präsident von Mitsubishi Aircraft. Prognosen von Embraer zufolge soll die weltweite Flotte von Jets mit einer Kapazität von 70 bis 130 Passagieren bis 2033 auf rund 6580 Flugzeuge verglichen mit erst 3850 Jets im vergangenen Jahr wachsen. China will mit dem ARJ21 und Russland mit dem Sukhoi Super Jet 100 ebenfalls am Markt für Regionaljets konkurrieren.

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Von Peter Odrich
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