10.11.2014, 11:46 Uhr | 0 |

Alexander Gerst auf der Erde Mit Sojus zurück: Erfolgreiche Landung mit der heißesten Telefonzelle der Welt

Back on Earth heißt es seit heute ganz früh am Morgen für Alexander Gerst und seine beiden Astronauten-Kollegen. Um 4:58 mitteleuropäischer Zeit landete die Sojus-Kapsel planmäßig in der kasachischen Steppe. Für den 38-Jährigen Gerst sind damit 166 unvergessliche Tage Vergangenheit. Nun steht ein umfassender Gesundheitscheck an.

Astronaut Alexander Gerst kurz nach seiner Landung in Kasachstan
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Er ist wieder da, steckt voller Tatendrang und freut sich auf den Duft des Waldes und auf eine Pizza: Astronaut Alexander Gerst kurz nach seiner Landung in Kasachstan.

Foto: ESA/S. Corvaja

Dem Mann muss ja schwindelig sein: In den 166 Tagen an Bord der ISS hat der deutsche Astronaut Alexander Gerst 2600 Erdumrundungen hinter sich. Das entspricht etwa 120 Millionen Kilometer oder 156 Mondflügen. Jetzt hat Alexander Gerst gemeinsam mit dem russischen Kollegen Maxim Surajew und dem Amerikaner Reid Wiseman Abschied von der Internationalen Raumstation ISS genommen.

Die drei Weltraumfahrer haben seit heute Morgen um 4:58 Uhr mitteleuropäischer Zeit wieder festen Erdboden unter ihren Füßen. Gestern setzte Gerst noch eine letzte Botschaft an seinen 400 Kilometer unter ihm liegenden Heimatplaneten: „Heute verlasse ich die ISS. Es war schön hier.“

Die Sojus ist für drei Astronauten so eng wie eine Telefonzelle

Am Sonntag um 22:10 Uhr nahmen die drei Rückkehrer ihre Plätze in der Sojus-Kapsel „TMA-13M“ ein. In den frühen Stunden des Montagmorgens um 1:31 Uhr deutscher Zeit koppelte die Kapsel planmäßig von der ISS ab. Was dann geschieht, hat der Astronaut Thomas Reiter nach seiner Heimreise von der ISS als einen „Höllenritt durch die Atmosphäre“ beschrieben.

Die Rückkehr zur Erde in der schwer zu manövrierenden Kapsel gilt technisch als extrem anspruchsvoll – auch weil es in der Sojus „so eng ist wie zu dritt in einer Telefonzelle“, so Reiter.

Schutzschild erhitzt sich auf 1000 Grad Celsius

Die Telefonzelle wird auf ihrem Rücksturz zur Erde enorm heiß. Die Luftreibung auf der im freien Fall zur Erde fallenden Sojus-Kapsel erhitzt die Schutzschicht auf 1000 Grad Celsius. Es sind gewaltige Kräfte, die Alexander Gerst und Kollegen dann in die Sitze pressen, bis Fallschirme den Sturz abbremsen. Vor dem Eintritt in die Erdatmosphäre wurden Orbitalmodul und Gerätekomplex abgesprengt.

Knapp vier Stunden nach dem Abdocken von der ISS war die glühende Tortur glücklich überstanden: Um 4:58 Uhr landeten die drei Abenteurer in der kasachischen Steppe. Ein etwa 900 Kilometer langer und 200 Kilometer breiter vollkommen unbewohnter Streifen in Kasachstan stand für die Landung zur Verfügung. Denn eine Sojus-Landung lässt sich nicht punktgenau steuern.

Aber alles ging gut: Bei bewölktem Himmel und eisigen Temperaturen landete die drei Tonnen schwere Raumkapsel mit den drei Abenteurern an Bord 100 Kilometer entfernt von der Stadt Arkalyk.

100 Experimente in der Schwerelosigkeit durchgeführt

300 russische Soldaten und 14 Hubschrauber des Typs Mi-8 sowie Ärzte und weiteres Hilfspersonal waren im Einsatz, um die Kapsel mit den drei Raumfahrern zu bergen und die Männer zu versorgen.

Helfer trugen die drei Raumfahrer aus der engen Telefonzelle namens Sojus heraus und setzten sie in Klappsessel. Alexander Gerst reckte lächelnd die rechte Faust in den Morgenhimmel. „Danke an alle für die Unterstützung“, sagte der Vulkanologe dann auf Russisch.

Von Kasachstan fliegt Gerst zunächst nach Schottland, wo er von DLR-Chef Jan Wörner in Empfang genommen wird. Von dort geht es gleich weiter nach Köln in das nagelneue Forschungslabor „Envihab“ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Noch am Montagabend soll er in Köln eintreffen. Dort steht ein umfassender Gesundheitscheck an. Gerst war ein halbes Jahr auf der ISS und dort am 28. Mai eingetroffen.

Rund 100 Experimente hat Gerst an Bord des um die Erde kreisenden Labors durchgeführt. Viele dieser wissenschaftlichen Erkenntnisse würden den Alltag auf unserem Planeten verbessern, meint Wörner und nennt angesichts der 80 Millionen Euro teuren Expedition ins Weltall konkret: „Fernsehen, Kommunikation, Wettervorhersage.“

Erste Fernsehbilder aus dem All gab es schon 1968

Gerst selber sieht noch einen ganz anderen, eher esoterischen Sinn in der Expedition ins Weltall: „Der Blick aus dem All hilft, die Verwundbarkeit unserer Heimat zu verstehen. Die Erde ist nur eine kleine Kugel aus Stein mit einer hauchdünnen Atmosphäre.“

Das ist allerdings schon seit dem 11. Oktober 1968 bekannt: An diesem Freitag wagten sich die US-amerikanischen Astronauten Walter Schirra, Donn Eisele und Walter Cunningham an Bord einer Saturn 18 mit der Apollo 7 in die Erdumlaufbahn. Damals liefen auf der Erde die ersten Fernsehaufnahmen der kleinen Kugel aus Stein ein.

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Von Detlef Stoller
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