19.11.2014, 14:19 Uhr | 0 |

Harter Gegner Tschuri Minilabor Philae findet hartes Eis unter Staubschicht

Überraschung für die DLR-Forscher: Unter seiner lockeren Staubschicht besteht die Oberfläche von Tschuri anscheinend aus sehr hartem Eis. Die Thermalsonde Mupus, die sich 40 Zentimeter tief in den Kometenboden hämmern sollte, musste aufgeben. Jetzt hoffen die Wissenschaftler, dass die Sonde doch noch einmal zum Einsatz kommt.

Thermalsonde Mupus
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Sieben Minuten lang hämmerte die Thermalsonde Mupus auf die Kometenoberfläche ein – und erhöhte dabei ihre Leistung sukzessive bis auf die höchste Stufe. Ohne Erfolg. Wahrscheinlich ist Mupus unter einer zehn bis 20 Zentimeter dicken Staubschicht auf eine Schicht gestoßen, die eine Festigkeit wie Eis hat. 

Foto: DLR/CC-BY 3.0

Eigentlich sollte sich die Thermalsonde Mupus tief in den Boden des Kometen Churyumov-Gerasimenko bohren, um dessen Innentemperatur messen zu können. So war es von den Wissenschaftlern geplant, nachdem das Minilabor Philae letzte Woche auf der Oberfläche von Tschuri gelandet war. Aber zwischen Wirklichkeit und Planung liegt dann doch manchmal die ein oder andere Überraschung, insbesondere, wenn das Experiment rund 500 Millionen Kilometer von der Erde entfernt durchgeführt wird.

Philae landete zwar, machte aber mehrere Hopser auf der Oberfläche des Kometen und blieb dann rund einen Kilometer entfernt von der vorher ausgesuchten Stelle stehen. Wahrscheinlich landete Philae in dem zerklüfteten Gebiet so schräg, dass eines der drei Landebeine nicht den Boden berührte und die Ankerharpunen sich nicht festhaken konnten. Die gute Nachricht: Bevor der Primärbatterie nach 60 Stunden der Saft ausging, konnten alle zehn Instrumente an Bord von Philae ihre Arbeit aufnehmen.

Tilman Spohn: Mit solch hartem Eis im Boden haben wir nicht gerechnet 

Darunter auch Mupus, der Multi-Purpose Sensor for Surface and Sub-Surface Science, dessen Messergebnisse nun den Wissenschaftlern im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) die erste Überraschung beschert haben. Die Thermalsonde wurde zwar vom sogenannten Balkon des Landers, der Instrumentenbucht an der hinteren Seitenwand von Philae, ausgefahren, konnte aber nicht wie gehofft in den Boden eindringen. Tilman Spohn, Leiter des Mupus-Teams, vermutet, dass sehr hartes, wahrscheinlich eisreiches Material der Grund dafür ist. „Das ist eine Überraschung. Mit solch hartem Eis im Boden haben wir nicht gerechnet“, sagte Spohn. 

Sieben Minuten lang hämmerte Mupus erfolglos auf den Kometen ein 

Sieben Minuten lang hämmerte Mupus auf der Kometenoberfläche herum und erhöhte dabei seine Leistung sukzessive bis auf die höchste Stufe – ohne Erfolg. „Aus Vergleichsmessungen im Labor haben wir abgeschätzt, dass die Thermalsonde wahrscheinlich unter einer zehn bis 20 Zentimeter dicken Staubschicht auf eine Schicht gestoßen sein muss, die eine Festigkeit wie die von Eis haben sollte“, sagt Spohn. 

Das Eis, so vermuten die Forscher, enthalte wahrscheinlich Staub und könne selbst durchaus porös sein, aber über Jahrhunderte bis Jahrmillionen thermisch gesintert, also immer wieder durch Temperaturschwankungen mehr und mehr zusammengebacken worden sein. Etwa minus 170 Grad Celsius, soviel konnte die Thermalsonde messen, hat das Material an der Oberfläche. Außerdem konnte der Infrarotsensor der Sonde schon während des Anflugs und während der Sprünge über dem Kometenboden Daten registrieren. 

Vielleicht kann Philae noch einmal Energie tanken

„Wir sind sehr glücklich darüber, dass viele Messungen möglich waren und werten die Daten derzeit aus“, sagt Spohn. „Mupus könnte wieder zum Einsatz kommen, wenn wir ausreichend Energie aufladen können. Dann können wir die Schicht untersuchen, auf der die Sonde steht, und beobachten, wie sich der Komet auf dem Weg näher zur Sonne entwickelt.“

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Von Gudrun von Schoenebeck
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