29.12.2014, 06:55 Uhr | 0 |

Idee der NASA Menschen könnten auf der Venus in Luftschiffen leben

Als Ziel für bemannte Raumfahrtmissionen stand die Venus bisher immer im Schatten von Mond und Mars. Das wird sich vielleicht ändern, denn die NASA hat einen spektakulären Plan, wie Menschen die Venus erforschen und schließlich besiedeln könnten: mit Luftschiffen in 50 Kilometer Höhe.

Menschen könnten auf der Venus in Luftschiffen leben
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Auf der Oberfläche der Venus ist Leben für den Menschen unmöglich – die Temperatur liegt bei 500 Grad Celsius. In Luftschiffen in 50 Kilometer Höhe liegt die Temperatur bei 75 Grad Celsius, Druck und Anziehungskraft sind nur leicht niedriger als auf der Erde. 

Foto: NASA

Jahrzehntelang ist der Mars als nächstes großes Ziel für bemannte Raumfahrtmissionen nicht in Frage gestellt worden. Schließlich bietet er innerhalb unseres Sonnensystems Bedingungen, die denen auf der Erde vergleichsweise ähnlich sind. Nun aber haben Wissenschaftler der NASA eine weitere Möglichkeit ins Spiel gebracht. Bevor Astronauten zum Mars geschickt werden, könnte es ihrer Meinung nach spannend sein, vorher ein näher gelegenes, bisher eher vernachlässigtes Ziel anzusteuern und zu erforschen: die Venus.

Bedingungen auf der Oberfläche der Venus sind extrem lebensfeindlich

Dale Arney und Chris Jones arbeiten im Forschungszentrum in Langley, Virginia, in der Abteilung, die Weltraummissionen und –konzepte analysiert und auf ihre Machbarkeit untersucht. Sie haben sich ausgiebig mit der Venus als Explorationsziel beschäftigt und für das größte Problem, das sich dabei stellt, auch gleich eine Lösung gefunden. Die Venus liegt zwar näher als der Mars und hat hinsichtlich Größe, Masse, Dichte und Schwerkraft sehr viel gemeinsam mit der Erde. Aber die Bedingungen auf der Oberfläche der Venus sind derart lebensfeindlich, dass sich ein Besuch gewissermaßen von selbst verbietet: Die Temperatur liegt bei etwa 500 Grad Celsius und die Atmosphäre ist 90 Mal dichter als auf der Erde. Das entspricht dem Druck in 900 Metern Meerestiefe.

Auf die Venusoberfläche wollen die Wissenschaftler aber gar nicht, denn in 50 Kilometer Höhe sieht es für Menschen schon um einiges freundlicher aus. Druck und Anziehungskraft sind hier nur leicht geringer als auf der Erde und bei vergleichsweise milden 75 Grad Celsius könnte der Mensch mit relativ wenig technischen Hilfsmitteln überleben. Für die Venus sprechen außerdem die höhere verfügbare Sonnenenergie und der Schutz, den ihre Atmosphäre vor Strahlung aus dem Weltraum bietet. „Die Strahlung, der ein Astronaut auf der Venus ausgesetzt wäre, entspricht in etwa der Strahlung in Kanada“, sagt Dale Arney. Auf dem Mars liegt die Strahlendosis für einen ungeschützten Astronauten hingegen etwa 40 Mal höher.

Mission zur Venus mit An- und Abreise würde etwa 440 Tage dauern

„Die obere Atmosphäre der Venus ist wahrscheinlich die erdähnlichste Umwelt, die es da draußen gibt“, resümiert Chris Jones. Auch die Tatsache, dass die Venus, je nachdem, wo sie sich in ihrer Bahn befindet, sehr viel näher an die Erde herankommt, ist ein Pluspunkt gegenüber dem Mars. Die Wissenschaftler rechnen vor, dass ein Besuch auf der Venus 440 Tage dauern könne: 110 Tage Anreise, 30 Tage Aufenthalt, 300 Tage Rückreise. Eine realistische Reise zum Mars wäre ihrer Ansicht nach nicht unter 650 bis 900 Tagen durchzuführen.

Für die Eroberung der Venus haben NASA-Wissenschaftler das Projekt High Altitude Venus Operational Concept (HAVOC) entwickelt. Für die Mission würde zunächst ein Roboter in die Atmosphäre geschickt, um die Lage zu erkunden. In weiteren Schritten würden Astronauten sich zunächst 30 Tage in der Umlaufbahn der Venus aufhalten und schließlich 30 Tage in der Atmosphäre bleiben. Auf lange Sicht ist ein zweijähriger Aufenthalt geplant und schließlich die permanente Besiedlung der Venusatmosphäre in Wolkenstädten.

Besiedlung der Atmosphäre mit heliumgefüllten Luftschiffen

Dafür haben die Wissenschaftler ein mit Helium gefülltes, solarbetriebenes Luftschiff mit einer kleinen Gondel vorgesehen. Das zusammengefaltete Gefährt, das sich später auf 130 Meter Länge entfaltet und in der Atmosphäre schwebt, würde vorab auf die Reise zur Venus geschickt. Dann folgen die Astronauten, die sich aus dem Venusorbit mit einem Transfervehikel – das sie später auch wieder zurückbringt – zum Luftschiff herunterlassen und dort andocken.

Auch wenn sich das Szenario noch stark nach Science-Fiction anhört, halten die Wissenschaftler ihr Konzept für realistisch und in der nahen Zukunft für umsetzbar. Mehrere Machbarkeitsstudien seien bereits abgeschlossen worden. Die Venus sei, außer der von der ESA durchgeführten Mission Venus-Express, seit den 1980er Jahren vernachlässigt worden, meinen Arney und Jones. „Venus hat einen eigenen Wert als Forschungsziel und zur Kolonisierung, aber auch als Vorbereitung für eine bemannte Marsmission.“ Das wäre, so die Wissenschaftler, wie ein Testlauf für den Mars. 

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Von Gudrun von Schoenebeck
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