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11.04.2014, 14:32 Uhr | 0 |

5,4 Mrd. Euro Gesamtkosten Mehdorn fordert weitere 1,1 Milliarden Euro für BER-Flughaften

Der Chef des Flughafens Berlin Brandenburg, Hartmut Mehdorn, verlangt von den Gesellschaftern jetzt noch einmal einen Nachschlag von 1,1 Milliarden Euro zur Fertigstellung des Airports. Derweil wird die Inbetriebnahme immer weiter verschoben.

Hartmut Mehdorn fordert von den Gesellschaftern weitere 1,1 Milliarden Euro für den BER-Flughafen
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Weitere 1,1 Milliarden Euro braucht Hartmut Mehdorn von den Gesellschaftern, sprich von den Ländern Berlin und Brandenburg sowie dem Bund. In der Haushaltskasse des Bundes entsteht dadurch ein 286 Millionen schweres Loch. 

Foto: dpa

Es gibt dieses alte Sprichwort: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht.“ Lügen, oder vielleicht verharmlosender formuliert, Ungenauigkeiten, gab es im Gerangel um die Eröffnung des ewigen Pannenflughafens Berlin Brandenburg sicherlich reichlich. Eine der spektakulärsten Ungenauigkeiten war wohl die breitbeinig für Mai 2012 anberaumte Eröffnungsfeier mit 40.000 geladenen Gästen, die dann sehr kurzfristig abgesagt wurde.

Mehdorn braucht weitere 1,1 Milliarden Euro von Gesellschaftern

Nun hat Hartmut Mehdorn, Geschäftsführer der Berliner Flughäfen, in Gesprächen mit Berichterstattern des Haushaltsausschusses im Deutschen Bundestag weitere 1,1 Milliarden Euro zusätzlich verlangt, um den Flughafen noch fertigstellen zu können. „Diese Summe ist laut Mehdorn bis zur Inbetriebnahme des Flughafens noch notwendig“, sagte ein Haushaltspolitiker dem Handelsblatt. 

Die Gesellschafter des neuen Hauptstadtflughafens sind zu je 37 Prozent die Länder Berlin und Brandenburg und zu 26 Prozent der Bund. Die beiden Länder belasten diese jetzt vorgelegten Mehrkosten von insgesamt 1,1 Milliarden Euro somit jeweils mit gut 400 Millionen Euro. Den Bund kostet der Nachschlag 286 Millionen Euro.

BER-Flughafen wird jetzt wohl 5,4 Milliarden Euro kosten 

Damit steigen die Baukosten von ursprünglich gut zwei Milliarden Euro auf nun 5,4 Milliarden Euro. Zuletzt hatten die Gesellschafter vor eineinhalb Jahren 1,2 Milliarden Euro nachlegen müssen, um den Hauptstadtflughafen mit den angedachten 27 Millionen Fluggästen pro Jahr weiterbauen zu können. Davon sind bisher 325 Millionen Euro ausgezahlt. Die restlichen 875 Millionen Euro soll der Aufsichtsrat nun freigeben. Mehdorn hatte angekündigt, dass am Jahresende die Mittel aufgebraucht sind.

Derweilen geschieht auf der Baustelle des Flughafens immer noch nicht viel. An einen Termin für die Eröffnung traut sich keiner mehr so richtig heran. „Ein Terminplan zur Eröffnung wird nicht vorgelegt werden können, da die notwendigen Baufortschritte an der Entrauchungsanlage noch nicht so weit einzuschätzen sind", sagte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit.

Intern wird diese Entrauchungsanlage gerne als Monster bezeichnet, weil sie sich schlicht als nicht beherrschbar erweist. „Wir haben die Anlage nachgerechnet, und man muss ganz klar sagen: Es war ein Planungsfehler“, sagte der technische Leiter Jochen Großmann auf der Baustelle in Schönefeld. Im Rechtsstreit mit dem Architekten Meinhard von Gerkan will der Flughafen deshalb die bestehende Klage entsprechend erweitern, kündigte Strategiechef Uwe Hörmann an.

Jeder Monat ohne Flugbetrieb kostet 34 Millionen Euro

Erstaunlich ist, dass der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft das chaotische Treiben auf der Dauerbaustelle hinnimmt und auch nicht stärker auf einen belastbaren Zeitplan drängt. Jeder weitere Monat Verzögerung ohne regulären Flugbetrieb kostet die Steuerzahler 34 Millionen Euro. Die 15 Aufsichtsratsmitglieder – allesamt Minister, Senatoren und Staatssekretäre – warten seit Monaten auf verbindliche Termin- und Finanzpläne.

Und der Aufsichtsrat tagt, lässt berichten und berät und vertagt dann. „Dieser Aufsichtsrat hat seinen Namen nicht verdient“, sagt der Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Anton Hofreiter. Er kritisiert, dass der Aufsichtsrat Mehdorn bislang freie Hand gelassen habe. Das Ergebnis seien Kostenexplosionen, Terminverschiebungen, aktionistische Bautätigkeiten und willkürliche Personalentscheidungen.

Mehdorn feuert Kritiker Harald Siegle

In einem 21-seitigen Brief hat der für den Immobilienbereich des Flughafens zuständige Manager Harald Siegle im März 2014 noch einmal drastisch auf die sagenhafte Mängelliste und den Stand der Mängelbeseitigung hingewiesen. Sein Fazit: „Am 17.03.2014 teilte Uwe Hörmann, gelernter Kaufmann, Chef des Sprintprogramms (damit Gesamtprojektleiter des BER) und zugleich Leiter der von Herrn Mehdorn neu geschaffenen „Stabsstelle zentrale Planung&Strategie“ dem BER-Sonderausschuss des Brandenburger Landtags mit, dass nur ca. vier Prozent des BER-Terminals abgenommen werden könnten und es keine signifikante Reduzierung der Baumängel gebe. Die Anzahl der Baumängel wurde mit 66.000 beziffert. Dies ist aktuell ein neuerlicher und unübersehbarer Hinweis, dass die Sprintorganisation schlicht auf der Stelle tritt. Eine Inbetriebnahme in 2015 ist damit äußerst unwahrscheinlich und eine Inbetriebnahme in 2016 akut gefährdet. Eine Inbetriebnahme im Oktober 2016 ist als Best case zu betrachten, die jedoch nur bei massiven strukturellen Verbesserungen erreichbar ist.“ 

Mit diesem Brandbrief hat Siegle öffentlich gemacht, dass Mehdorns Konzept einer Sprintorganisation gescheitert ist und dass alle Äußerungen zu einer Inbetriebnahme unter Ungenauigkeiten zu verbuchen sind. Der so kritisierte Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn hat umgehend reagiert und Harald Siegle gefeuert.

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Von Detlef Stoller
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