28.11.2014, 13:38 Uhr | 0 |

Suche nach Wasser Mascot startklar für Reise zum Asteroiden 1999 JU3

Nach der Kometenlandung von Philae steht bereits die nächste Weltraummission an, die nach den Ursprüngen unseres Sonnensystems sucht: Sobald das Wetter mitspielt, startet der Asteroidenlander Mascot in Japan seine vierjährige Reise zum erdnahen Asteroiden 1999 JU3. Dort vermuten Wissenschaftler Wasser.

Nach vierjähriger Flugzeit soll Mascot den Asteroiden 1999 JU3 erreichen
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Nach vierjähriger Flugzeit soll Mascot den Asteroiden 1999 JU3 erreichen. Er hat sich in den letzten 4,5 Milliarden Jahren kaum verändert und soll Forschern Geheimnisse rund um die Entstehung des Sonnensystems verraten.

Foto: DLR

Zurzeit geht es in der Weltraumforschung Schlag auf Schlag bei der Suche nach den Ursprüngen unseres Sonnensystems. Kaum hat die Sonde Rosetta das Minilabor Philae auf dem Kometen Tschuri erfolgreich ausgesetzt, steht das nächste große Projekt dieser Art bevor: Sobald das Wetter gut genug ist, soll der Asteroidenlander Mascot an Bord der japanischen Hayabusa-2-Sonde vom Tanegashima Space Centre zum Asteroiden 1999 JU 3 starten. Den geplanten Starttermin am 30. November hat die japanische Raumfahrtagentur Jaxa wegen prognostizierten schlechten Wetters abgesagt. Rund vier Jahre wird die Reise dauern, bis die Sonde an ihrem Ziel ankommt.

Mascot soll mit Hilfe eines Schwungarms 70 Meter weit hüpfen

Wie zuvor Philae wird Mascot – ausgeschrieben Mobile Asteroid Surface Scout – dann mit seinen vier Instrumenten auf der Asteroidenoberfläche abgesetzt. Und wie Philae ist der Lander Mascot ebenfalls am Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR) entstanden. Aber anders als bei der Rosetta-Mission ist dieses Mal alles etwas kleiner und leichter. Der Asteroid hat gerade mal einen Durchmesser von einem Kilometer und Mascot selbst ist mit 30x30x20 Zentimeter nur so groß wie ein Schuhkarton.

Während Philae bei seiner Landung ungeplant einige Male von der Kometenoberfläche hochhüpfte, soll der zehn Kilogramm leichte Mascot mit Hilfe eines Schwungarms in seinem Inneren gezielt bis zu 70 Meter weiterspringen. So könnte er Messungen an verschiedenen Orten durchführen. Bevor Mascot ausgesetzt wird, kreist die Hayabusa-2-Sonde um den Asteroiden, kartographiert ihn und saugt aufwirbelnde Asteroidenpartikel ein, die sie zur Erde zurückbringen wird.

Im Lander sind auf kleinstem Raum vier Instrumente untergebracht  

„Mascot musste leicht, aber gleichzeitig auch sehr stabil sein“, sagt Projektleiterin Tra-Mi Ho vom DLR-Institut für Raumfahrtsysteme. Deshalb musste der Asteroidenlander einige Tests über sich ergehen lassen. Mehrere Stürze in einem Fallturm, heftige Vibrationstests auf dem Schütteltisch und Weltraumbedingungen in der Thermalvakuumkammer dienten als Vorbereitung auf seine Mission. Später soll Mascot den Fall aus etwa 100 Meter Höhe auf die Asteroidenoberfläche unbeschadet überstehen.

Große Herausforderung war auch der Einbau der vier Instrumente auf kleinem Raum. Das DLR-Institut für Planetenforschung steuert ein Radiometer bei, das unter anderem die Temperatur auf der Asteroidenoberfläche messen wird, sowie eine Kamera, die bereits beim Abstieg erste Aufnahmen erstellen wird und vor Ort die Feinstruktur des Bodens untersuchen soll. Die TU Braunschweig wird mit einem Magnetometer die Magnetisierung des Gesteins erforschen und die französische Raumfahrtagentur CNES analysiert mit einem Spektrometer die Minerale und Gesteine von 1999 JU3. Zwei komplette Asteroidentage und –nächte, das sind rund 16 Stunden, wird Mascot seine Messungen durchführen.

Fenster in eine 4,5 Milliarden Jahre alte Vergangenheit

Ähnlich wie bei der Rosetta-Mission wollen die Wissenschaftler den Ursprüngen unseres Sonnensystems auf die Spur kommen. Der Zielasteroid 1999 JU3 hat sich seit seiner Entstehung vor etwa 4,5 Milliarden Jahren kaum verändert, was den Planetenforschern gewissermaßen ein Fenster in die Vergangenheit öffnet. Teleskopmessungen von der Erde aus lassen außerdem vermuten, dass der Asteroid eventuell Wasser enthält. Damit besteht die Möglichkeit, dass Asteroiden einst mit Einschlägen auf der Erde auch Wasser auf die Erde gebracht haben könnten.

Mit durch das All fliegen auch rund 3500 Namen und Botschaften, die auf zwei kleinen Folien eingetragen und an Mascot befestigt wurden. Im Juli 2014 hatte das DLR die Weltraumfans aufgefordert, ihre Grüße mit auf die Reise zu schicken. Innerhalb von wenigen Tagen trugen sich Tausende mit Namen und Wünschen ein. „Mach Deine Sache ordentlich!“ und „Alles Gute auf Deiner langen Reise!“ wünschten die Fans.

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Von Gudrun von Schoenebeck
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