03.12.2014, 15:46 Uhr | 0 |

Vierjährige Reise beginnt Mascot ist auf dem Weg zum Asteroiden 1999 JU3

Mit einigen Tagen Verspätung hat der deutsche Asteroidenlander Mascot heute Morgen seine Reise erfolgreich angetreten. Um 5:22 Uhr startete die japanische Trägerrakete, die Mascot im Sommer 2018 zum Asteroiden 1999 JU3 bringen wird. Dort dauert die Mission des kleinen Landers nur 16 Stunden.

Mascot
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Mascot ist ein nur zehn Kilo schwerer Asteroidenlander, der federführend von DLR-Wissenschaftlern in Kooperation mit der franzöischen Raumfahrtagentur CNES und der japanischen Raumfahrtbehörde JAXA entwickelt wurde.

Foto: DLR

Dieses Mal verlief alles nach Plan. Nachdem der geplante Starttermin am 30. November wegen schlechten Wetters verschoben werden musste, ist der Asteroidenlander des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt DLR nun unterwegs zum Asteroiden 1999 JU3. Am 3. Dezember 2014 um 5:22 Uhr mitteleuropäischer Zeit hob die Rakete mit der japanischen Hayabusa2-Sonde und dem Lander Mascot vom Tanegashima Space Center ab und begann ihre Reise durchs All.

Größte Herausforderung wird Mascots Trennung von der Sonde und die Landung

Im Sommer 2018 wird die japanische Sonde ihr Ziel erreichen. Dort soll sie im dichten Flug über dem Asteroiden aufgewirbeltes Material von seiner Oberfläche einsaugen und zur Erde zurückbringen. Der im DLR entwickelte und gebaute Lander Mascot hingegen wird auf Asteroid 1999 JU3 aufsetzen, sich hüpfend fortbewegen und an mehreren Orten Messungen auf dem nur ein Kilometer großen Asteroiden durchführen. Überwacht und betrieben werden der Lander sowie seine vier Instrumente aus dem Mascot Control Center des DLR in Köln.

Aus einer Höhe von 100 Metern wird Mascot im freien Fall auf den Asteroiden sinken. Ähnlich wie bei der Sonde Rosetta und deren Lander Philae wird die größte Herausforderung die Trennung von der Muttersonde und die anschließende Landung sein, sagt Projektleiterin Tra-Mi Ho vom DLR-Institut für Raumfahrtsysteme. „Niemand kennt die genaue Anziehungskraft des Asteroiden.“ 1999 JU3 ist besonders kohlenstoffhaltig und gehört somit zu einer häufig vorkommenden Asteroidenklasse. Viel mehr wissen die Planetenforscher aber bisher noch nicht über ihr Untersuchungsobjekt.

Mascot ist nur zehn Kilogramm schwer

Gerade einmal zehn Kilogramm durfte Mascot wiegen – das war eine der Rahmenbedingungen, als das japanische Hayabusa2-Team das DLR für die Entwicklung eines Asteroidenlanders mit ins Boot holte. Zum Vergleich: Der Lander Philae wiegt zehn Mal so viel. Insgesamt vier Instrumente brachten die Ingenieure in einer sehr stabilen und zugleich leichten Struktur unter.

Mit einem Radiometer und einer Kamera des DLR sowie einem Spektrometer aus Frankreich und einem Magnetometer der TU Braunschweig sollen die mineralogische und geologische Zusammensetzung der Asteroidenoberfläche untersucht und Oberflächentemperatur sowie Magnetfeld des Asteroiden ermittelt werden.

Nach der Landung hüpft Mascot weiter und misst an mehreren Stellen

Nach der Landung wird der kleine, schuhkartongroße Mascot sich mittels Sensoren orientieren und feststellen, ob er auf seiner Ober- oder Unterseite gelandet ist. Dann kann der Lander mit einem Schwungarm im Inneren gegebenenfalls in die richtige Position hüpfen, sich so ausrichten und mit den Messungen beginnen. Sind alle vier Instrumente zum Einsatz gekommen, aktiviert Mascot automatisch erneut den Schwungarm und springt bis zu 70 Meter weit zu seinem nächsten Einsatzort.

Mit an Bord hat er neben den Instrumenten ein Thermalsystem, um die Temperaturen auf dem Asteroiden auszugleichen und einen Bordcomputer, der die gewonnenen Daten über die Muttersonde Hayabusa2 ins DLR-Kontrollzentrum sendet.

Nach 16 Stunden, in denen Mascot Daten sammelt, ist auf jeden Fall Schluss. Die Batterie ist nach zwei Asteroidentagen und –nächten erschöpft und es gibt keine Solarpaneele zum Aufladen. Mascots Mission endet hier, aber die Muttersonde soll die eingesaugten Materialproben zur Erde zurückbringen. „Sonde und Lander werden unser Wissen über Asteroiden auf jeden Fall vervielfachen“, sagt Tra-Mi Ho.

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Von Gudrun von Schoenebeck
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