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03.01.2014, 15:55 Uhr | 0 |

Mission ohne Rückkehr Mars One wählt 1058 Kandidaten für Mars-Besiedlung aus

Von 200.000 Bewerbern hat die Organisation Mars One jetzt die ersten Kandidaten für eine Mars-Besiedlung ausgewählt. Ab 2025 soll eine vierköpfige Gruppe auf dem Roten Planeten landen und dort eine permanente Kolonie aufbauen. Eine Rückkehr ist nicht geplant.

Die Stiftung Mars One plant die Besiedlung des Mars
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Die ersten Marsbewohner sollen in aufblasbaren Wohneinheiten hausen und ihre Lebensmittel selbst anbauen. Im Abstand von zwei Jahren sollen weitere Einwanderer folgen und die Kolonie schrittweise vergrößern.

Foto: Mars One

Der Andrang ist groß für diese Reise ohne Wiederkehr. Über 200.000 Menschen aus 140 Ländern haben sich bei der niederländischen privaten Stiftung Mars One beworben, um mit einem One-Way-Ticket auf den Roten Planeten gebracht zu werden. Von den jetzt ausgewählten 1058 Kandidaten sollen in weiteren Etappen insgesamt 24 Mars-Abenteurer übrig bleiben. Falls die ehrgeizigen Pläne der Stiftung gelingen, wird ab 2025 die erste Vierergruppe auf den Mars geschickt, um dort zu landen und eine außerirdische Kolonie aufzubauen.

Kandidaten werden in Fernsehshow ausgewählt

Die geforderten Grundvoraussetzungen – mindestens 18 Jahre alt, gute Gesundheit, soziale Kompetenz und gute Englischkenntnisse – haben die 1058 Kandidaten bereits erfüllt. Nun wird in einer Fernsehshow der Bewerberpool weiter gesiebt. Diese hat der 36-jährige Chef von Mars One, Bas Lansdorp, mitkonzipiert.

Bis 2015 sollen dann sechs Teams mit je vier Astronauten stehen und mit ihrem intensiven Training beginnen. Innerhalb von acht Jahren werden sie in Vierergruppen mehrfach für einige Monate von der Außenwelt isoliert und in Simulationseinrichtungen das Leben auf dem Mars erproben. Während sie lernen, wie Lebensmittel angebaut, wie Reparaturen an der neuen Mars-Behausung durchgeführt und alle möglichen medizinischen Probleme bewältigt werden können, stehen die Kandidaten unter genauer Beobachtung.

Dann folgt die nächste Hürde, der lange sieben bis acht Monate dauernden Flug. Auf engstem Raum, gänzlich ohne Luxus oder frische Lebensmittel und ständig der Gefahr von Sonnenstürmen ausgesetzt. Falls ein solcher Sturm droht, müssten die Astronauten für mehrere Tage in einen winzigen geschützten Bereich des Raumfahrzeuges ausweichen.

Falls die Auswanderer tatsächlich den Roten Planeten unbeschadet erreichen, würden sie mit einem Landemodul zur Oberfläche gebracht. Mehrere solcher Landeeinheiten sowie zwei Mars-Rover sollen die neuen Mars-Bewohner dann bereits erwarten. Die Fahrzeuge sollen zuvor die am besten geeignete Stelle für die Kolonie auskundschaften, an der für die Wasserproduktion Eis im Boden vorhanden ist.

Pro Marsbewohner ist eine Wohneinheit mit 50 Quadratmetern geplant

Nun könnten die ersten vier Kolonisten ihre aufblasbaren und miteinander verbundenen Wohneinheiten beziehen, die jedem von ihnen etwa 50 Quadratmeter Platz bieten. Innerhalb der lebenserhaltenden Systeme wäre ein relativ normales Leben mit normaler Bekleidung, Dusche und selbst angebauten frischen Lebensmitteln möglich.

Sobald die Bewohner das schützende Umfeld aber verlassen, müssten sie spezielle Mars-Anzüge tragen, denn der Rote Planet ist mit Temperaturen zwischen Minus 133 und Plus 27 Grad Celsius und einer Atmosphäre aus Kohlendioxid normalerweise nicht gerade wohnlich. Im Abstand von zwei Jahren würden weitere neue Mitbewohner auf dem Mars landen und die Kolonie erweitern.

Die sechs Milliarden teure Reise wird auch kritisch hinterfragt

Für die Mission greife man ausnahmslos auf bereits bestehende Technologien zurück, ließ Mars One wissen. Für die Reise zum Mars soll die noch nie geflogene Trägerrakete Falcon Heavy des US-Unternehmens SpaceX genutzt werden. Das Landefahrzeug würde vom US-Rüstungskonzern Lockheed Martin gebaut, der für die Kommunikation zwischen Erde und Mars notwendige Satellit vom britischen Unternehmen SSTL. Zur Energiegewinnung sollen besonders leichte Photovoltaikpanele mitgenommen werden.  

Der Transport der ersten Vierergruppe kostet schätzungsweise sechs Milliarden Dollar und jeder weitere bemannte Flug zum Mars vier Milliarden. Die Stiftung Mars One will den größten Teil über Sponsoren, Spenden und den Verkauf von Fernsehrechten finanzieren. Während der Zuspruch der möglichen Kandidaten für die Mars-Mission enorm groß ist, wird das Projekt gleichermaßen von vielen kritischen Stimmen begleitet. Die Mission ist nicht nur äußerst riskant, sie ist auch auf jeden Fall als Reise ohne Wiederkehr geplant.

Das schreckt die potenziellen Kolonisten allerdings keineswegs ab. Einer der wenigen Deutschen, die sich beworben und die erste Auswahlrunde überstanden haben, ist der 26-jährige Marc André. Er studiere Informatik an der TH Osnabrück, arbeite ehrenamtlich als Rettungssanitäter und habe sich bereits als Kind für den Mars interessiert, erklärt er in seinem Bewerbungsvideo. „Ich will wirklich zum Mars gehen für den Rest meines Lebens. Ich weiß sehr viel über den Planeten und möchte mit anderen gemeinsam etwas erleben und Spaß haben.“

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Von Gudrun von Schoenebeck
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