31.10.2014, 10:27 Uhr | 0 |

ABSTURZ KURZ NACH START ZUR ISS Lösten alte Triebwerke Raketenunglück aus?

Die Ursache für den Absturz der Antares-Rakete, die am Dienstag 2,3 Tonnen Material zur Internationalen Raumstation bringen sollte, ist weiter unklar. Sie könnte in den alten Triebwerken liegen, die noch aus der Sowjetunion stammen. Erste Datenanalysen brachten keine deutlichen Hinweise.

Weltraumbahnhof vor der Halbinsel Wallops Island in Virginia nach der Raketenexplosion
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Nach Absturz und Explosion der Antares-Rakete, die am Dienstag Material zur Internationalen Raumstation bringen sollte, ist die Ursache weiter ungeklärt. Herumliegende Wrackteile nahe der Abschussrampe werden untersucht werden und sollen den Sachverhalt erhellen. 

Foto: dpa/NASA

Es ist ein schwerer Rückschlag für die Firma Orbital Sciences: Der Absturz ihrer Antares-Rakete kurz nach dem Start zur Internationalen Raumstation ISS könnte den privaten Konkurrenten SpaceX im Wettbewerb um Aufträge der NASA deutlich nach vorne bringen. Denn SpaceX nutzt neue, größtenteils selbst entwickelte Technik für seine Raumtransporter, während Orbital Sciences auf alte Antriebe zurückgreift, deren Basiskomponenten noch aus Zeiten der Sowjetunion stammen.

Ob diese alte Technik den Unfall verursachte, ist allerdings noch lange nicht sicher. Die beste Nachricht, die das Unternehmen drei Tage nach der Explosion zu bieten hat: „Es liegt viel Müll in der Nähe des Abschussrampe.“ Und der werde helfen, die Ursache zu klären. Auch einige Bestandteile der Ladung seien gefunden worden. Ob davon etwas zu retten ist, sei aber auch noch nicht zu sagen.

Schaden an Leitung nahe dem Treibstofftank?

Orbital Sciences berichtet von Indizien für einen Schaden an einer Leitung, die zwischen den Treibstofftanks und den Ladungsbehältern verlaufe. Einen größeren Schaden am Frachtcontainer habe man aber nicht festgestellt. Ein Expertenteam sammle nun alle Schrottteile auf, die dann katalogisiert und näher untersucht werden sollen. Die Analyse soll noch einige Tage, wenn nicht Wochen dauern.

epa04462371 The Orbital Sciences Corporation Antares rocket, with the Cygnus spacecraft onboard, is rolled out of the Horizontal Integration Facility to launch Pad-0A, at NASA's Wallops Island Flight Facility in Virginia, USA, 24 October 2014. The Antares will launch with the Cygnus spacecraft filled with over 5,000 pounds of supplies for the International Space Station, including science experiments, experiment hardware, spare parts, and crew provisions. EPA/NASA/Joel Kowsky HANDOUT EDITORIAL USE ONLY +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Da war sie noch heil: die Antares-Rakete mit der Cygnus-Raumkapsel an Bord auf dem Weg zur Startrampe. 

Foto: dpa/NASA

Während der Vor-Start- und der Start-Phase habe die Telemetrie keine ungewöhnlichen Signale gezeigt, teilt das Unternehmen mit. „Alle Systeme schienen normal zu laufen bis 15 Sekunden nach dem Auftauchen des Problems“, heißt es. Kurz nach dem Start hatte die Rakete plötzlich ihre Schubkraft verloren und war auf den Boden gestürzt.

Brennstoff gilt als gefährlich

Bislang deutet also einiges darauf hin, dass die Ursache in den Triebwerken der ersten Stufe lag. Sie sind im Kern rund 40 Jahre alt und sollten ursprünglich noch dazu dienen, sowjetische Kosmonauten zum Mond zu bringen. Über Umwege landeten die eingelagerten Triebwerke schließlich bei Orbital Sciences.

Größtes Problem dieser Technik ist nach Einschätzung von Experten der Brennstoff, eine Mischung aus Kerosin und flüssigem Sauerstoff. Sie gilt wegen ihres hohen Sauerstoffgehalts als besonders aggressiv. Ein Verantwortlicher von Orbital Sciences bestätigte gegenüber der BBC, dass dies eine der möglichen Ursachen sei. Denkbar sei aber unter anderem auch ein Fehler im Navigationssystem. Die Rakete war Sekunden nach dem Start plötzlich seitlich abgekippt und schließlich explodiert.

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Von Werner Grosch
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