30.09.2016, 14:05 Uhr | 0 |

Spektakuläres Missions-Finale Letzte Grüße von Raumsonde Rosetta

Schulterklopfen und verstohlene Tränen: Das historische Finale der zwölfjährigen Rosetta-Mission berührte die ESA-Mitarbeiter. Heute Mittag landete die Raumsonde auf Tschuri und sendete letztmals Bilder und Daten von der Kometenoberfläche. Jetzt ist sie in der Schwärze des Alls verschwunden. Ein Weilchen wird ihr Erbe die Wissenschaft aber noch beschäftigen.

Illustration der Landung auf Tschuri
Á

Die Landung auf Tschuri wird hart. Denn Rosetta hat weder Harpunen noch Haltevorrichtungen an Bord, um sich an der Oberfläche festzuhalten. Die Raumsonde wird mehrmals abprallen und schließlich zur Ruhe kommen. 

Foto: ESA/ATG medialab/dpa

Es ist unglaublich, was sich gerade 720 Millionen km von der Erde entfernt abgespielt hat. Raumsonde Rosetta setzte zur Landung auf dem Kometen Tschurjumow-Gerassimenko an. Es wird eine unsanfte Landung gewesen sein. Warum? Weil die Europäische Weltraumagentur ESA das Aufsetzen ursprünglich gar nicht vorgesehen hatte. Entsprechend haben die Forscher der Raumsonde weder Harpunen noch Haltevorrichtungen spendiert. Sie wird daher – ähnlich wie zuvor ihr Weltraumlabor Philae – von der Oberfläche abgeprallt, mehrmals gehüpft und schließlich zur Ruhe gekommen sein. 

„Wir werden nie mehr etwas von ihr hören“

Mit etwas Glück hat Rosetta von diesem Crash letzte Daten zur Erde geschickt. Die Forscher erwarten sie sehnsüchtig. „So nah waren wir mit Rosetta an Tschuri noch nie gewesen“, sagt Paolo Ferri, Chef des ESA-Flugbetriebs, der Deutschen Presseagentur. „Wir versuchen, bis zur letzten Sekunde noch Messungen und Bilder zu bekommen.“ Jetzt heißt es abwarten. Immerhin hat sich Rosetta plangemäß beim Berühren der Oberfläche von Tschuri abgeschaltet. Es wird ein Abschied für immer sein. Ferri: „Wir werden nie mehr etwas von ihr hören.“

Zum kontrollierten Absturz hätte es übrigens eine Alternative gegeben: Die Forscher hätten Rosetta in den Winterschlaf versetzen und warten können, bis nach der Sonnenumrundung eine erneute Datenübertragung möglich wird. „Dann wäre sie für mich aber wie eine dieser Rockbands, die in den Sechzigern groß waren und immer noch auf Tour sind, aber lieber vor ein paar Jahren hätten aufhören sollen“, sagt Missionsleiter Matt Taylor im Gespräch mit dem Onlinemagazin wired. „Rosetta hört jetzt auf der Höhe ihrer Kunst auf, wenn sie noch alles kann.“ Trotzdem fiel den ESA-Mitarbeitern der Abschied sichtlich schwer, wie sich bei der Live-Übertragung vom ESA-Kontrollzentrum in Darmstadt sehen ließ.

Stammt das Leben auf der Erde von Kometen?

Doch Rosettas Erbe, die zur Erde geschickten Daten, werden die Forscher noch zwei Jahre lang auswerten, um beispielsweise die Frage zu beantworten, ob das Leben auf der Erde von Kometen stammt. „Auf den Kometen gibt es tatsächlich die Bausteine des Lebens. Und wir glauben, dass sie durch Einschläge auf die Erde gekommen sind“, sagt Taylor. 

Á

Kontrollzentrum der ESA in Darmstadt: Die Forscher empfangen letzte Daten von Rosetta während des Landeanflugs. Sobald die Raumsonde auf dem Kometen aufsetzt, schaltet sie sich ab. 

Foto: Boris Roessler/dpa

Die Mission hat zwölf Jahre gedauert. 2004 hatte die ESA Rosetta ins All geschickt, zehn Jahre später erreichte sie Tschuri. Das Mini-Labor Philae landete auf dem Kometen und schickte Daten und Bilder an die Erde, bis im Schatten die Energiereserven des solarbetriebenen Gefährts zur Neige gingen. 

Anzeige
Von Patrick Schroeder
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
Komet
ESA
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden