15.04.2015, 14:29 Uhr | 2 |

Falcon9 kippt um Landung von SpaceX-Rakete scheitert erneut

Das große Ziel des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX, Raketen nach dem Flug ins All heil wieder auf die Erde zu bringen, scheint noch weit entfernt: Jetzt ist wieder eine Falcon9-Rakete auf der Landeplattform zerschellt.

Falcon9-Rakete
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Die Landung war zu hart: Die Falcon9-Rakete des Raumfahrtunternehmens SpaceX trifft beim Versuch im April 2015 zwar die Plattform im Meer, kippt aber anschließend um. 

Foto: Elon Musk/Twitter

Eine einzige Rakete, wie sie für den Transport von Satelliten oder auch für Raumkapseln zur ISS gebraucht wird, kostet so viel wie ein mittelgroßes Passagierflugzeug. Kein Wunder also, dass Wissenschaftler intensiv daran arbeiten, die Antriebsmittel mehrfach verwenden zu können.

Nur: Geklappt hat das noch nie. Auch SpaceX ist bei seinem zweiten Versuch, eine Falcon9-Rakete sicher auf einer Plattform im Meer landen zu lassen, gescheitert. „Der Aufprall war einfach zu hart“, sagt der Inhaber von SpaceX, der Milliardär Elon Musk.

Ein Video, das Musk auf seinem Twitter-Account gepostet hat, zeigt: Die Rakete taumelt in Richtung Plattform und schlägt fast senkrecht auf. Weil die seitliche Beschleunigung noch zu hoch ist, kippt die Falcon nach der Landung um und wird zerstört. Die Landefläche wurde aus Bestandteilen einer Ölbohrplattform eigens für diesen Zweck gebaut.

Kapsel soll auch Astronauten transportieren

Experten trauen SpaceX durchaus zu, eine wiederverwendbare Rakete entwickeln zu können. Schließlich waren sie 2012 auch das erste rein private Unternehmen, das erfolgreich einen Transportflug zur Internationalen Raumstation ISS absolvierte. Inzwischen sind drei Missionen dieser Art geglückt, und auch das Absetzen der Raumkapsel namens Dragon, die am Freitag mit Materialien für die Astronauten an der ISS andocken soll, scheint sauber funktioniert zu haben. Sie bringt unter anderem eine Espresso-Maschine aus Italien zur ISS.

In naher Zukunft soll die Raumkapsel sogar Menschen zur ISS bringen. Dieser Plan ist Teil eines Milliarden-schweren Vertrages, den SpaceX mit der NASA geschlossen hat.

Musk selbst hatte die Erfolgsaussichten noch vor wenigen Tagen nur auf 50:50 geschätzt. Beim nächsten Versuch im Juni werde man dank der Erkenntnisse aus den bisherigen Tests aber deutlich bessere Chancen haben, meint der SpaceX-Chef.

Gewaltige Summen in den Auftragsbüchern

Entscheidend wird sein, dass die Eigengeschwindigkeit der Rakete weiter reduziert werden kann und dass der optimale Landewinkel präzise eingehalten wird. Jedes weitere Scheitern kostet eine Menge Geld: Gut 60 Millionen Dollar verlangt SpaceX für die Standardversion der Falcon9, noch 30 Millionen mehr für die antriebsstärkere Variante „Heavy“.

Musk investierte seinerseits ein Vermögen in seine Vision. Mehr als 3000 Mitarbeiter beschäftigt das 2002 gegründete Unternehmen inzwischen. In Zukunft könnte SpaceX aber hochprofitabel werden: Fast fünf Milliarden Dollar sind allein die Aufträge wert, die nach Musks Angaben schon heute in den Büchern stehen.

Viel wird aber davon abhängen, ob die Raketen irgendwann wirklich wiederverwendbar sind. Ein Test, der im Juni 2014 durchgeführt wurde, hat sogar auf Land funktioniert. Allerdings blieb die Falcon damals innerhalb der Atmosphäre. Ein Video der Landung zeigt, wie sie sanft auf einer Wiese aufsetzt – und im Vordergrund eine Herde Kühe wenig beeindruckt scheint.

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Von Werner Grosch
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kommentare
24.04.2015, 11:04 Uhr Progetti
Das Landeproblem der Rakete könnte elektromagnetisch gelöst werden. Die Landebeine der Rakete müssten ferromagnetische Eigenschaften besitzen, und in der Landeplattform müssten sehr starke Elektromagneten eingebaut sein, die erst knapp vor dem Aufsetzen eingeschaltet werden. Durch Gegeninduktion im metallischen Raketenmantel (geschlossene Leiterschleife!) während des Magnetfeldaufbaus kommt es zur Abbremsung beim Aufsetzen, nähere Aufsetzteile der Rakete werden stärker abgestoßen. Dadurch entsteht eine bessere Senkrechtausrichtung der Rakete und das Aufsetzen erfolgt weicher. Gleich danach wird die Rakete durch das Magnetfeld bombenfest an der Plattform fixiert, und sie kann nicht mehr kippen.

26.04.2015, 10:23 Uhr Progetti
Seitliche Korrektur- Düsen in der Raketen-Spitze, die sich an einem Kreiselkompass für die Horizontale orientieren, könnten zusätzlich das Kippen verhindern.

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