13.05.2013, 11:15 Uhr | 0 |

Panne im All behoben Kühlsystem der Raumstation ISS ist wieder dicht

Ein Leck in einem Kühlsystem sorgte am Wochenende für Aufregung auf der Internationalen Raumstation ISS. In einem gefährlichen Außeneinsatz gelang es den beiden Weltraum-Ingenieuren und Astronauten Chris Cassidy und Tom Marshburn die Panne zu beheben. Aus einem Loch war Ammoniak entwichen. 

Leck im Kühlsystem erfordert Ad-hoc-Einsatz der ISS-Astronauten Chris Cassidy and Tom Marshburn.
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Die beiden US-Astronauten Chris Cassidy and Tom Marshburn reparieren am 11. Mai 2013 ein Leck im Kühlsystem, aus dem giftiges Ammoniak entweicht. 

Foto: NASA TV

Nachdem die sechsköpfige ISS-Crew der Bodenstation von schwebenden kleinen weißen Flocken im Orbit berichtet hatte, reagierte die Weltraumbehörde NASA sehr schnell. Sie ordnete einen Ad-hoc-Außeneinsatz an – was äußerst selten vorkommt. „Wir schicken zwei Besatzungsmitglieder in Stoff- und Gummi-Druckanzügen durch die Luftschleuse", schrieb der kanadische ISS-Kommandeur Chris Hadfield bei Twitter. Die weißen Flocken bedeuteten, dass Ammoniak aus dem Kühlsystem eines Solarmoduls entwich. Nur 48 Stunden später hätte das gesamte Kühlsystem abgeschaltet werden müssen.

Reparatur war innerhalb von 48 Stunden erforderlich

Der riskante Außeneinsatz dauerte fünfeinhalb Stunden: Die Astronauten Cassidy und Marshburn konnten in dieser Zeit eine Pumpe am Kühlsystem auswechseln und so das Ammoniak-Leck abdichten. Dafür trennten sie den Pumpenblock PFCS (Power Flow Control Subassembly) vom Leitungsrohr des Kühlsystems.

Gleich zu Beginn mussten die Ingenieure ihre Außenmission wegen eines technischen Fehlers unterbrechen: In der herrschenden Dunkelheit funktionierte der Blitz ihrer Kamera nicht. Die zwei Amerikaner wollten aber zunächst das Leck mit einem Bild dokumentieren. Erst zwei Stunden später, als die ISS von der Sonne mit Licht versorgt wurde, konnte die Arbeit fortgeführt werden.

ISS verfügt über acht Solarmodule und ein eigenes Kühlsystem

Wegen des Lecks musste zunächst eines der acht Sonnensegel, die für die Stromversorgung der ISS zuständig sind, abgeschaltet werden, erklärte Michael Suffredini, Projektmanager des NASA-Raumstationprogramms. Zwar verfügte die ISS dann trotzdem noch über genügend Strom, bei Eintreten eines weiteren Defekts könnten die Reserven aber stark schrumpfen. Dann müssten Experimente möglicherweise unterbrochen werden, um Strom einzusparen.

Die eigentliche Gefahr ging aber vom Ammoniak aus. Wäre weiterhin die gleiche Menge ausgetreten, hätte der gesamte Kühlkreislauf innerhalb der nächsten 48 Stunden abgeschaltet werden müssen.  Die Zeit drängte also, zumal zwischenzeitlich die Menge des auströmenden giftigen Gases noch zugenommen hatte.  Laut NASA waren die Crew-Mitglieder aber zu keinem Zeitpunkt in Gefahr und auch die Funktionalität der ISS sei nicht eingeschränkt gewesen. 

„Wir sind glücklich, wir sind glücklich", jubelte der stellvertretende ISS-Programm-Manager Joel Montalbano. „Wir haben das Leck tatsächlich gestoppt." Nach erfolgreicher Reparaturarbeit in 400 Kilometern Höhe kehrten Cassidy und Marshburn nach fünfeinhalb Stunden durch eine Schleuse zurück zur ISS. Dort wurden ihre Raumanzüge auf ungewollt mitgebrachtes giftiges Ammoniak untersucht.

Cassidy und Marshburn absolvierten mit ihrem Noteinsatz ihren jeweils dritten „Weltraumspaziergang". Als eingespieltes Team führten sie auch die ersten beiden Reparaturen durch. Zwischenfälle auf der ISS kommen immer wieder vor: Erst vor zwei Wochen hatte ein winziger Splitter aus dem Weltraum ein Sonnensegel durchschlagen – glücklicherweise ohne Folgen für die ISS. Derzeit befinden sich sechs Raumfahrer in der ISS unter Leitung des Kanadiers Chris Hadfield. 

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Von Petra Funk
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