24.10.2014, 15:04 Uhr | 0 |

Philae vor der Landung Komet Tschuri stinkt nach faulen Eiern und Pferde-Urin

Die Gas- und Staubhülle des Kometen Churyumov-Gerasimenko, auf dessen Oberfläche am 12. November der Lander Philae aufsetzen soll, stinkt zum Himmel. Schwefelwasserstoff, der nach faulen Eiern riecht, und Ammoniak, dessen Geruch an Pferde-Urin erinnert, sind nur zwei der vielen Stinker des Kometen.

Landeplatz der Sonde Philae auf dem Kometen Tschuri
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Am 12. November 2014 wird das Landegerät Philae auf einem Kometen Tschuri aufsetzen. In der Umgebung wird es kräftig müffeln, wie Messungen jetzt ergeben haben.

Foto: DLR

Wie gut, dass Philae am 12. November 2014 unbemannt auf Tschuri aufsetzt. Denn das Parfum, welches sich der Komet Churyumov-Gerasimenko aufgelegt hat, scheint geradewegs aus der Hölle zu entströmen: Er stinkt nach faulen Eiern, nach Pferde-Urin und nach beißendem Formaldehyd. Hinzu kommt das bittermandelartige Aroma von Cyanwasserstoff, auch bekannt als Blausäure. „Wenn man dann noch Alkohol in Form von Methanol hinzunimmt, ergänzt durch das essigähnliche Aroma von Schwefeldioxid und einen Hauch des süßlichen Dufts von Schwefelkohlenstoff, dann ergibt all dies das ‚Parfum‘ des Kometen“, erläuterte die Rosina-Projektleiterin Kathrin Altwegg.

Wasser, Kohlendioxid und Kohlenmonoxid dominieren

Rosina steht für „Rosetta Orbiter Spektrometer für Ionen- und Neutralgas-Analyse“ und wurde an der Universität Bern in der Schweiz entwickelt. Mit diesem Sensor, der aus zwei Massenspektrometern und einem Drucksensor besteht, haben die Wissenschaftler der Rosetta-Mission jetzt die Bestandteile der Gas- und Staubhülle des Kometen chemisch analysiert. Allerdings sind die Konzentrationen noch nicht sehr hoch, sagt Altwegg. In der Gas- und Staubhülle des Kometen dominieren Wasser, Kohlendioxid und Kohlenmonoxid.

Tschuri wirft Staubfontänen ins All

Nicht nur olfaktorisch, auch optisch gibt sich Tschuri spektakulär. Aktuelle Bilder des Kometen zeigen bereits jetzt schon eindrucksvolle Staubfontänen auf dem Kometen. „Es gibt kräftig etwas zu sehen – und das fast über den gesamten beleuchteten Himmelskörper hinweg“, sagt Dr. Ekkehard Kührt, wissenschaftlicher Leiter für die Rosetta-Mission im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). „Dabei sind wir noch mehr als 450 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt.“

Zunächst waren auf dem zweigeteilten und an eine Gummiente erinnernden Kometen Staubfontänen überwiegend in der „Halsregion“ beobachtet worden. Diese Region verbindet die beiden Teile des Kometen. „Mittlerweile treten sie aber auch am ‚Körper‘ und ‚Kopf‘ des Kometen auf , erklärte Holger Sierks, der am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen das Osiris-Team leitet, welches die Aufnahmen gemacht hat.

„Erstmals verfolgen wir die Staubemissionen ganz aus der Nähe“

Erwartet hatten die Kometenforscher dieses Maß an Aktivität erst dann, wenn der Komet sich der Sonne bis auf etwa 300 Millionen Kilometer genähert hat. Das schlossen sie aus den Beobachtungen von Schweifsternen mit erdgestützten Teleskopen.

Die Beobachtungen durch das Osiris-Kamerasystem sind ein Novum in der Geschichte der Kometenforschung. „Erstmals verfolgen wir die Staubemissionen ganz aus der Nähe“, so Sierks.

Aufnahmen stark überbelichtet

Die jetzt veröffentlichten Aufnahmen der Kometenaktivität haben die Wissenschaftler vielfach überbelichtet, weil bei einer normalen Belichtung der vergleichsweise helle Kometenkern die austretende Staubwolke einfach überstrahlt hätte.

Je näher Tschuri auf seiner einsamen Reise durch das Sonnensystem dem Zentralgestirn kommt, desto aktiver spuckt er Staub in das Weltall. Auch in der Nähe des ausgewählten Landeplatzes wacht Churyumov-Gerasimenko zunehmen aus seinem eisigen Schlaf auf.

Landung am 12. November um 16:30 Uhr

Alles starrt nun gebannt auf den entscheidenden Mittwoch: Am 12. November 2014 um 9:35 Uhr wird Philae mit seinem siebenstündigen Abstieg zur Kometenoberfläche beginnen. Gegen 16:30 Uhr wird er aufsetzen. Dann kommen alle zehn Instrumente zum Einsatz und liefern zum ersten Mal in der Geschichte der Raumfahrt Daten direkt von einer Kometenoberfläche zur Erde. Zum Glück muss Philae dabei nicht durchatmen.

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Von Detlef Stoller
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