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26.08.2014, 12:49 Uhr | 0 |

Komet Tschuri In der engeren Wahl: Fünf mögliche Landeplätze für Philae ausgemacht

Diese Mission schreibt Geschichte: Erstmals wird mit Philae eine Landeeinheit einer Sonde auf der Oberfläche eines Kometen aufsetzen. Erstmals wird ein Komet angeflogen. Erstmals wird dieser Komet auf dem Weg um die Sonne begleitet. Aktuell suchen Forscher und Ingenieure für den Rosetta-Lander den idealen Landeplatz auf Tschuri. 

Mögliche Landeplätze auf dem Kometen Tschuri
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Fünf auf einen Blick: Diese Gebiete auf dem Kometen 67P kommen als Landestellen in Frage. Sie blieben von einer Vorauswahl aus zehn Landestellen übrig und sind mit den Buchstaben A, B, C, I und J bezeichnet, was jedoch keine Rangfolge bedeutet. Die Bilder wurden mit dem wissenschaftlichen Kamerasystem OSIRIS aus einer Entfernung von etwa 100 Kilometern aufgenommen.

Foto: ESA/ROSETTA/MPS

Eine Vorauswahl haben die Wissenschaftler inzwischen getroffen. Fünf Stellen auf der Oberfläche des Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko, kurz Tschuri, haben sie ausgemacht, bei denen auf jeden Fall schon einmal die Grundvoraussetzungen stimmen: flugtechnisch erreichbar, möglichst eben, nicht zu schattig, nicht zu sonnig − und wissenschaftlich reizvoll.

Kopf und Körper der "Gummiente" für Landung geeignet

Drei der infrage kommenden Landestellen liegen auf dem „Kopf“, die beiden anderen auf dem größeren „Körper“des Kometen Tschuri, dessen Form an eine Gummiente erinnert. „Der Prozess, eine Landestelle auszuwählen, ist extrem komplex und dynamisch. Während wir uns dem Kometen nähern, werden wir mehr und mehr Details sehen, die unsere Entscheidung beeinflussen werden“, sagte Rosetta-Missionsleiter Fred Jansen von der Europäischen Raumfahrtagentur ESA.

In die Vorauswahl flossen erste Messdaten und Aufnahmen des wissenschaftlichen Kamerasystems OSIRIS ein. Die fünf aus den zehn möglichen Landestellen (A - H) ausgewählten Varianten liegen verteilt auf den zwei Kometenteilen: Landestelle A auf dem größeren Teil des Kometen schaut auf den Kopf des Kometen. Es ist eine interessante Gegend, denn der Komet gast dort auf dem Weg zur Sonne bereits aus. Weitere Aufnahmen sollen Klarheit über die Beleuchtung sowie eventuelle Vertiefungen und Hänge auf dem Gelände bringen.

Flaches Gelände und gute Beleuchtung wesentlich

Landestelle B eignet sich vor allem aufgrund des flachen Geländes. Jedoch ist die Beleuchtung dort schlechter, was problematisch für die vorzunehmenden wissenschaftlichen Untersuchungen werden könnte. Nähere Untersuchungen der Oberfläche sollen Aufschluss über die Gesteinsbrocken in diesem Gebiet geben.

Kandidat C zeigt viele verschiedene Strukturen wie Hügel, Klippen, Vertiefungen und ebene Gebiete auf. Da das Gebiet sehr hell erscheint, könnte es für die Landung durchaus interessant sein. Die Forscher wollen aber auch hier die Oberflächenstruktur noch genauer studieren. Auch Landestelle I wird noch detaillierter untersucht. Die Lichtverhältnisse sind jedenfalls für länger dauernde Untersuchungsphasen laut Auswahlkomission ideal. Landestelle J ist ähnlich der Landestelle I und sitzt ebenso auf dem Kopf des Kometen.

Alle fünf Alternativen wissenschaftlich interessant

In den kommenden Wochen werden Forscher des Max-Planck-Institutes für Sonnensystemforschung, des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) sowie Kollegen der französischen Raumfahrtagentur CNES die fünf Alternativen genauer unter die Lupe nehmen. Mitte September soll der Favorit bestimmt werden. "Jede Landestelle unter diesen Kandidaten hat das Potenzial für einmalige wissenschaftliche Entdeckungen", betonte Lander-Projektleiter Stephan Ulamec vom DLR. 

Eine Punktlandung jedenfalls ist bei Philae nicht möglich. Vorhersagen sind nur im Umkreis von etwa einem Kilometer machbar. Entsprechend dürfen sich keine steilen Abhänge oder Vertiefungen in unmittelbarer Nähe des anvisierten Landeplatzes befinden.

Sechs Sonnenstunden täglich

Philae benötigt nach der Landung sechs Stunden Sonne pro Tag, um seine Solarzellen aufzuladen. Die erste wissenschaftliche Untersuchungsphase wird 64 Stunden dauern und viel Energie kosten. Danach müssen die Batterien für den Betrieb und weitere wissenschaftliche Untersuchungen wieder aufgeladen werden. Auch muss ein regelmäßiger Funkkontakt zur Raumsonde gewährleistet sein. 

Vor zehn Jahren war die ESA-Raumsonde Rosetta mit dem Lander Philae an Bord zum Kometen Churyumov-Gerasimenko gestartet. 

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Von Petra Funk
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