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17.07.2015, 11:42 Uhr | 0 |

Rest von Wettersatellit ISS-Besatzung flüchtete vor Weltraumschrott in die Sojus-Kapsel

Ein Trümmerstück in der Umlaufbahn der ISS hat zu einer Rettungsaktion auf der Raumstation geführt: Die Besatzung musste sich gestern Mittag kurzfristig in die angedockte Sojus-Kapsel evakuieren. Das Trümmerstück war ein ausgedienter russischer Wettersatellit. Das ist die vierte Evakuierung der ISS wegen drohender Kollisionen mit Trümmerstücken.

Sojus-Kapsel an der ISS
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Die ISS-Besatzung musste sich gestern in die die angedockte Sojus-Kapsel retten. Ein Trümmerteil kam der ISS gefährlich nahe. Bereits vier Mal in der 15-jährigen Geschichte der Raumstation musste die Besatzung sich in die angedockte Raumkapsel Sojus flüchten, weil Weltraumschrott auf Kollisionskurs auf die ISS zuraste.

Foto: Nasa

Wie einsam und auch lebensgefährlich der Aufenthalt im Weltraum ist, wissen Kinogänger spätestens, seit sie den mit sieben Oscars dekorierten Hollywood-Blockbuster „Gravity“ aus dem Jahr 2013 von Alfonso Cuarón mit Sandra Bullock und George Clooney in den beiden einzigen Rollen gesehen haben. Im Film sind es die Trümmerteile eines russischen Satelliten, die das Chaos auslösen.

In der Realität waren es gestern um 13:46 Uhr Bruchstücke eines ausgedienten russischen Wettersatelliten, die das Chaos auslösten. Um diese Uhrzeit meldete die Nasa: „ISS-Crew sucht Schutz vor Weltraumschrott in der Sojus.“

Keine Zeit für ein Ausweichmanöver der Raumstation

Es wird immer voller im erdnahen Orbit. Inzwischen schwirren etwa eine halbe Million Trümmerteile um unseren Heimatplaneten, ausgebrannte Raketenstufen und ausgemusterte oder zerstörte Satelliten. Das Trümmerstück von Gestern hatte die Nasa nicht auf dem Beobachtungsschirm.

Wenn Weltraumschrott der Internationalen Raumstation ISS zu nahe kommt, vollzieht diese im Regelfall ein Ausweichmanöver, um Arbeitsunterbrechungen zu vermeiden. Denn im Orbit ist Arbeitszeit teuer, die ISS dürfte der teuerste Arbeitsplatz sein, den die Menschheit zu vergeben hat. Und für ein Ausweichmanöver war gestern keine Zeit.

Nasa: „Die Crew ist sicher in der Sojus“

Die größte Annäherung des Trümmerstücks hatte die Nasa für 14:01 Uhr erwartet, also nur eine Viertelstunde nach Bekanntgabe der Evakuierung. Bei solchen Gefahrensituation nutzen die Besatzungen der ISS die an der Station angedockte russische Raumkapsel als Weltall-Rettungsboot, mit dem sich die Crew zur Erde retten kann. „Die Crew ist sicher in der Sojus“, betonte die Nasa, die kurz darauf Entwarnung gab: „Wie berechnet“ habe der Satellit die Raumstation verfehlt.

Derzeit halten die beiden Russen Michail Kornijenko und Gennadi Padalka sowie der US-Amerikaner Scott Edward Kelly die Stellung auf der ISS, die die Erde in einer Höhe von etwa 400 Kilometern umkreist. Der in Orange im US Bundesstaat New Jersey geborene Astronaut Kelly zeigte keine Anzeichen von Nervosität. „Wir haben das trainiert“ sagte der 51-jährige, der derzeit seinen dritten Einsatz für die Nasa im Weltraum absolviert, „es sollte aber nicht zur Gewohnheit werden“.

Astronaut Scott Kelly hat Zwillingsbruder auf der Erde

Scott Kelly hat schon einen Langzeitaufenthalt auf der ISS hinter sich. Er war den ISS-Expeditionen 25 und 26 zugeteilt und von Oktober 2010 bis März 2011 an Bord der Raumstation. Sein derzeitiger Aufenthalt wird – gemeinsam mit seinem russischen Kollegen Michail Kornijenko - ein ganzes Jahr dauern und soll die Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf den menschlichen Körper über einen längeren Zeitraum testen. Kelly entstammt einer abgebrühte Astronautenfamilie. Sein Zwillingsbruder Mark Edward Kelly brachte es zu vier Einsätzen auf der ISS.

Schon vier Mal musste sich Crew in die Sojus retten

Seit dem Jahr 2000 ist die Internationale Raumstation ständig besetzt. Laut Nasa war der aktuelle Vorfall das vierte Mal, dass die Crew wegen Weltraumschrotts in die Sojus-Kapsel umziehen musste. So schossen im März 2009 die Überreste eines ausgedienten Satelliten in nur 4 km Entfernung an der ISS vorbei. Im Juni 2011 wurde es dann noch enger. Da verfehlten die Trümmer die teure Außenstation der Menschheit nur um 250 m. Dieses Trümmerteil konnte die Crew sogar im Bild festhalten. Man kann sagen: Die Einschläge kommen näher.

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Von Detlef Stoller
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