01.07.2013, 13:43 Uhr | 0 |

Noch gänzlich unerforscht IRIS untersucht tiefe Atmosphäre der Sonne

Die Weltraumsonde „IRIS“ soll in den nächsten zwei Jahren das Rätsel über die Temperaturunterschiede in den Bereichen der Sonne lösen und neue Erkenntnisse über die Entstehung der Sonnenwinde liefern. Dafür dringt sie in eine Region der tiefen Atmosphäre der Sonne ein, die nie zuvor erforscht wurde. 

Eine Pegasus-Rakete transportiert „IRIS“ in die Erdumlaufbahn.
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Eine Pegasus-Rakete transportiert „IRIS“ in die Erdumlaufbahn.

Foto: NASA

In einigen Bereichen der niedrigen Atmosphärenschichten der Sonne herrschen 6000 Grad Celsius. An anderen Stellen wie der äußeren Korona kann die Temperatur auf bis zu zehn Millionen Grad Celsius steigen.  Warum es diese gravierenden Temperaturunterschiede gibt, will die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA wissen und schickt die Weltraumsonde „IRIS“, kurz für Interface Region Imaging Spectrograph, ins All.

Korona leuchtet mehrere Millionen Kilometer

Das Reiseziel, die Region der tiefen Atmosphäre der Sonne, befindet sich zwischen der Oberfläche des Sterns und seiner Korona, also dem Strahlenkranz um die Sonne. Der charakteristische Strahlenkranz leuchtet mehrere Millionen Kilometer um die Sonne herum. Dahinter – in der tieferen Atmosphäre – entstehen die UV-Strahlen der Sonne. Sie wirken sich auf das Klima der Erde aus. In dieser Region entstehen auch die geladenen Teilchen der Sonnenwinde. Außerdem wissen die Forscher, dass die Aktivität der Sonne schwankt und jeweils nach elf Jahren einen Höhepunkt erreicht.

Bilder im Sekundentakt

Die IRIS-Mission der NASA ist auf mindestens zwei Jahre angelegt. Mit einem Ultraviolett-Teleskop soll IRIS in dieser Zeit hochauflösende UV-Bilder von der Region zwischen Photosphäre und Korona im Sekundentakt zur Erde schicken.

IRIS ist ein Satellit mit einer Länge von zwei Metern und einem Gewicht von 180 Kilogramm. Mit der Trägerrakete "Pegasus XL“ startete die Sonde von der Basisstation Vandenberg in Kalifornien ins All. In einer Höhe von 12 000 Metern wurde die Rakete abgekoppelt und gezündet. 13 Minuten später erreichte sie ihre polare Umlaufbahn auf einer Höhe von 600 Kilometern. Kurz nach dem Start kam es zu einem kurzzeitigen Ausfall der Kommunikationsverbindung.

Sonnenwinde gefährlich für Flugpersonal und Astronauten

Ziel der Mission ist es, künftig unter anderem das Weltraumwetter mit den Sonnenwinden besser vorhersagen zu können. Sonnenwinde können die Funktion von Kommunikationssystemen auf der Erde beeinflussen. Die Wissenschaftler erhoffen sich von dem Projekt neue Erkenntnisse über die Entstehung der Sonnenwinde. Sie wollen untersuchen, wie der Strahlenkranz um die Sonne in den Sonnenwind übergeht.

Sonnenwinde stellen heute eine größere Bedrohung dar als früher. Sonnenstürme gab es beispielsweise schon im September 1859. Damals wurden durch sie die gerade eingeführten Telegrafenleitungen unterbrochen. Auch fingen Telegrafenstationen Feuer. Heute im Zeitalter der technisierten Zivilisation sind die Folgen eines Sonnensturmes noch weitreichender: Stromnetze werden überlastet und brechen zusammen, Kommunikations- und Navigations-Satelliten werden außer Gefecht gesetzt – Astronauten und Flugpersonal sind gefährdet.

Eine Studie des britischen Strom- und Gasversorgers UK National Grid konnte nachweisen, dass ein Sonnensturm zudem heutzutage manche Regionen für längere Zeit von der Stromversorgung abschneiden könnte.

Sonnenwinde rasen mit 750 Kilometer pro Sekunde auf die Erde zu

Sonnenwinde bestehen hauptsächlich aus Elektronen und Protonen. Wenn diese elektrisch geladenen Teilchen auf die Erde zurasen, entstehen die spektakulären Polarlichter. Pro Sekunde schleudert die Sonne etwa eine Million Tonnen elektrisch geladene Teilchen ins All. Das gesamte Sonnensystem wird damit durchflutet. Unsere Erde wäre längst tödlich verstrahlt, wäre da nicht das Magnetfeld mit dem unsichtbaren Käfig, das uns schützt.

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Von Petra Funk
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