13.01.2014, 15:58 Uhr | 0 |

Zehn Flüge ab Juli Hauptstadtflughafen soll im Sommer teilweise eröffnen

Hartmut Mehdorn, Chef des Flughafens Berlin-Brandenburg, will am1. Juli den Airport wenigstens teilweise für den Flugverkehr eröffnen. Vom Nordpier sollen pro Tag bis zu zehn Flugzeuge mit maximal 200 Passagieren abgefertigt werden. Der Grund für die Teilöffnung sind steigende Fluggastzahlen in Berlin-Tegel.

Haltestellen vor dem Flughafen Berlin-Brandenburg
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Haltestellenschilder vor dem Hauptterminal des neuen Berliner Hauptstadtflughafens Berlin-Brandenburg: BER-Chef Mehdorn will den Flughafen im Juli für maximal zehn Flüge täglich öffnen.

Foto: dpa/Ralf Hirschberger

Hartmut Mehdorn hat die Teilöffnung bei einem Treffen mit Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woike (SPD) auf der Flughafenbaustelle angekündigt. Das Nordpier soll dazu mit Abfertigungsschalter und Gepäckbändern ausgestattet und im Probebetrieb getestet werden. Dieser Gebäudetrakt ist eigentlich für die Billigflieger vorgesehen. Bei dem Testbetrieb sollen täglich bis zu zehn Maschinen mit höchstens 200 Fluggästen abgefertigt werden.

„Was wir probieren können, um Fehler auszumerzen, wollen wir probieren“, erklärte Mehdorn. Flughafensprecher Ralf Kunkel ergänzte, dass es sich nicht um einen „Vollbetrieb, sondern einen Echttest“ handelt. Im Klartext: Alle BER-Systeme wie das LAN-Netz, die Einbruchmeldeanlage, Videomanagement, Gebäudeleittechnik und Aufzugnotrufe müssen den Praxistest bestehen. 66 Prozent aller Objekte gehen in Betrieb.

Passagierzahlen auf Rekordhoch

Hintergrund des neuen Mehdorn-Anlaufs sind stark gestiegene Passagierzahlen der beiden Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld. Nach Angaben der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH starteten oder landeten gut 26,3 Millionen Menschen 2013 in Berlin. Das waren noch einmal 4,2 Prozent mehr als im Vorjahr.

Bemerkenswert ist, dass für das Plus allein der Flughafen Tegel verantwortlich ist, der im Prinzip schon längst geschlossen werden sollte. Hier legte die Passagierzahl um 7,9 Prozent auf knapp 19,6 Millionen zu. In Schönefeld starteten oder landeten nur gut 4,7 Millionen Menschen und damit rund 5,2 Prozent weniger als 2012. Trotzdem besteht in Schönefeld Sanierungsbedarf. Die alte, derzeit genutzte Nordbahn soll ab Juli saniert werden. Zugleich sollen alle Flugzeuge in Schönefeld von der neuen Südbahn starten und landen.

Vollständige Eröffnung des BER nicht in Sicht

Brandenburgs Ministerpräsident äußerte sich zurückhaltend zu Mehdorns Plänen. Er erklärte, dem Plan stehe nichts entgegen, sofern die zusätzlichen Kosten im Rahmen bleiben. Zudem dürfe der Testbetrieb nicht die Gesamteröffnung beeinflussen. Derzeit sind 400 Arbeiter auf der Flughafenbaustelle damit beschäftigt, dieses Ereignis vorzubereiten. Es ist derzeit nicht im Ansatz absehbar, wann die Eröffnung möglich ist. Dazu werde man sich erst äußern, wenn Verlässliches dabei herauskomme, sagte Mehdorn. „Die Spielchen sind vorbei.“ BER-Aufsichtsratschef Klaus Wowereit hatte vor einer Woche klargestellt: „De facto wird es so sein, dass der Flughafen 2014 nicht mehr eröffnet werden kann.“ Der Grund: „Technische Lösungen sind gefunden, jetzt kommt es auf die Umsetzung an.“

Derweil wird hinter den Kulissen um das Nachtflugverbot gerungen. Der Brandenburger Landtag hatte vor einem Jahr ein Volksbegehren mit 106.000 Unterschriften für ein Nachtflugverbot angenommen. Die Initiatoren glaubten sich bereits am Ziel. Vorige Woche hatte Brandenburgs Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider überraschend erklärt, das Land sehe kaum noch eine Chance, ein Nachtflugverbot durchzusetzen. „Berlin und der Bund haben in den bisherigen Verhandlungen deutlich gemacht, dass sie die bestehende Nachtflugregelung am künftigen Flughafen Berlin-Brandenburg bereits als einen Kompromiss ansehen“, sagte Bretschneider. Eine Entscheidung soll laut Bretschneider bis zur nächsten Konferenz der gemeinsamen Landesplanung Berlin-Brandenburg Ende März fallen.

„Die Landesregierung hat einen Verhandlungsauftrag“

Nun ist die Aufregung groß: „Die Landesregierung hat einen Verhandlungsauftrag“, schimpfte der Grünen-Abgeordnete Christoph Schulze. Brandenburgs Ministerpräsident Woike dürfe nicht länger den Eindruck erwecken, als habe er mit dem neuen Flughafen nichts zu tun. „Es kann nicht sein, dass der Regierungschef sich wegduckt“, sagte der CDU-Verkehrsexperte Rainer Genikle. „Er verfolgt beim größten Infrastrukturprojekt die Vogel-Strauß-Taktik. Wir verlangen vom Regierungschef endlich verlässliche Antworten zu den Problemen am Flughafen BER.“

Teileröffnung braucht Genehmigung vom Landratsamt Dahme-Spreewald

Erst einmal geht es jetzt allerdings um einen Flughafen BER light. Mehdorn ist zuversichtlich, dass der Aufsichtsrat seinen Teileröffnungsplänen grünes Licht erteilt. Bislang steht der Aufsichtsrat des BER, in dem die Länder Berlin und Brandenburg sowie der Bund vertreten sind, diesem Plan skeptisch gegenüber. Die turnusmäßig nächste Sitzung des Kontrollgremiums ist erst am 4. April, weil der Aufsichtsrat inzwischen nur noch alle drei Monate zusammenkommt. Mehdorn hat aber noch eine zweite Hürde zu überspringen. Auch das Landratsamt Dahme-Spreewald als zuständige Genehmigungsbehörde muss der Teileröffnung zustimmen.

Landrat Stephan Loge bestätigte, dass die entsprechenden Bauanträge für den Umbau des Nordpiers eingegangen seien. Mit einer Entscheidung sei aber erst im März oder April zu rechnen, so der SPD-Politiker. Denn das Vorhaben muss vom Amt für Arbeitsschutz, Zoll, Bundespolizei und einer ganzen Reihe anderer Behörden geprüft werden. Und die Beamten im Landratsamt Dahme-Spreewald prüfen gründlich. Einen Ersten Antrag hatte Loge im vergangenen Jahr wegen Unvollständigkeit zurückgewiesen – die Flughafengesellschaft musste nacharbeiten. Den jetzt vorliegenden Antrag adelte Loge mit dem Prädikat „Qualitätssprung“.

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Von Detlef Stoller
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