Luft- & Raumfahrt

RSS Feeds  | Alle Branchen Luft- & Raumfahrt-Visual-122538176
04.04.2013, 13:10 Uhr | 0 |

ISS-Experiment Große Mengen an Positronen im All liefern Hinweise auf Dunkle Materie

Ein Teilchendetektor auf der Internationalen Raumstation hat erstaunlich große Mengen an Positronen im Weltraum gemessen. Diese Antiteilchen – die Gegenstücke zu den Elektronen – könnten neue Hinweise auf die mysteriöse Dunkle Materie liefern.

Die Internationale Raumstation ISS mit dem Detektor Alpha Magnetic Spectrometer (AMS-02).
Á

Die Internationale Raumstation ISS mit dem Detektor Alpha Magnetic Spectrometer (AMS-02). Das 1,5 Milliarden US-Dollar teure Instrument hat neue Hinweise bei der Suche nach Dunkler Materie geliefert.

Foto: dpa/NASA

Seit Mai 2011 misst das Alpha-Magnet-Spektrometer (AMS) auf der Internationalen Raumstation (ISS) den Strom an hochenergetischer Strahlung, der durch das Weltall fliegt. Das tonnenschwere und über eine Milliarde Euro teure AMS hat seither 25 Milliarden Einschläge von kosmischer Strahlung entdeckt. Darunter waren insgesamt gut 400 000 Partikel aus Antimaterie. Das ist der bisher größte Nachweis an Antimaterie-Partikeln im All und für die Wissenschaftler eine kleine Sensation.

Dunkle Materie ist eines der größten Geheimnisse in der Physik

Nobelpreisträger Samuel Ting, der das Ergebnis am Kernforschungszentrum CERN in Genf der Öffentlichkeit vorstellte, sieht in diesem großen Anteil an positiv geladenen Elementarteilchen einen Hinweis auf die sogenannte Dunkle Materie. Über die Dunkle Materie weiß man bislang ausgesprochen wenig. Sie bleibt weitgehend unsichtbar, interagiert kaum mit der sichtbaren Materie und könnte aus bisher unbekannten Elementarteilchen bestehen. Indirekte Beobachtungen legen aber nahe, dass die Dunkle Materie immerhin ein Viertel der Gesamtenergie im Universum ausmacht.

Die jüngst gemessenen Positronen könnten nach der „Super-Symmetrie-Theorie“ entstehen, wenn zwei Teilchen Dunkler Materie zusammenstoßen und sich gegenseitig vernichten. Dabei entstehen Teilchenpaare aus Positronen und ihren Gegenstücken, den Elektronen. Die neuen Messergebnisse bestätigen diese Theorie. Die Wissenschaftler bleiben allerdings vorsichtig, denn noch können sie nicht ausschließen, dass die Positronen von anderen Quellen, etwa von Pulsaren oder anderen sternähnlichen Objekten ausgesendet werden.

Der neue Teilchendetektor arbeitet mit bisher nicht erreichter Präzision

Schon seit etwa 20 Jahren ist bekannt, dass es unerklärlich große Mengen an Antimaterie im kosmischen Strahlenstrom gibt. Weil die Messungen des neuen Teilchendetektors auf der ISS aber zehnmal genauer sind als frühere Daten, erhoffen sich die Wissenschaftler spektakuläre neue Ergebnisse und Erkenntnisse. „Das AMS hat einen Grad an Präzision, mit dem wir in den kommenden Jahren hoffentlich endgültig klären können, ob die Positronen aus Dunkler Materie oder von einem Pulsar stammen“, erklärt Samuel Ting.

Der Teilchendetektor auf der ISS wird in internationaler Zusammenarbeit unter der Leitung von Samuel Ting betrieben. Insgesamt 600 Wissenschaftler aus der ganzen Welt, darunter auch deutsche Forscher, sind an dem Forschungsprojekt beteiligt. Der Detektor wurde am europäischen Kernforschungszentrum CERN in Genf gebaut und am 16. Mai 2011 mit dem NASA Space Shuttle Endeavour zur Internationalen Raumstation gebracht.

Anzeige
Von Gudrun von Schoenebeck
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden