01.06.2017, 16:32 Uhr | 0 |

Flieger als Raketenstartbasis Größtes Flugzeug der Welt erblickt das Licht der Welt

Sechs Jahre hat es gedauert, doch nun präsentiert Microsoft-Gründer Paul Allen seinen Riesenflieger. Der Gigant stellt alles Dagewesene in den Schatten.

Stratolaunch von hinten
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Foto: Stratolaunch Systems Corp.

Auf den ersten Blick sieht es aus wie zwei zusammengewachsene Segelflieger. Doch unter den Flügeln hängen sechs Triebwerke und zwischen den Flugzeugrümpfen stehen winzige Menschen. Der Flugapparat, der sich nun erstmals der Weltöffentlichkeit präsentierte, ist das Raketenstartflugzeug von Microsoft-Mitbegründer Paul Allen. Ein Riese mit einer Spannweite von mehr als 100 Metern.

Paul Allen will Ausflüge in den Orbit bezahlbar machen

Bereits 2011 gründete Allen das Unternehmen Stratolaunch Systems als Tochter von Vulcan Aerospace. Seine Vision: Den Eintritt in den erdnahen Orbit bezahlbar machen durch wiederverwertbare Komponenten. Dann wurde es lange ruhig um das Vorhaben, einige Kritiker stimmten schon den Abgesang auf die ehrgeizigen Pläne an. Doch 2015 wurde bekannt, dass schon 40% des Giganten fertiggestellt seien. Weitere zwei Jahre später öffnete sich nun zum ersten Mal der Hangar auf dem kalifornischen Mojave Air & Space Port und das Riesenflugzeug präsentierte sich der Öffentlichkeit.

Ein Flugzeug mit solchen Ausmaßen ist für etwas Besonderes bestimmt. Im Falle von The Roc, wie die Ingenieure den künftigen Giganten der Lüfte nennen, sind es Raketenstarts. Er ist dafür bestimmt, mit einer Rakete zwischen seinen Rümpfen in eine Höhe von 9000 Metern aufzusteigen. Erst dort soll er seine Last freigeben, die dann ihre eigenen Triebwerke zündet und in den Erdorbit saust.

Das Stratolaunch-Flugzeug schlägt sogar die Antonov

Um diese Aufgabe erfüllen zu können, hat das Stratolaunch-Flugzeug eine Spannweite von 117 Metern – und stellt damit alle anderen Riesenflieger in den Schatten. Ob das größte Passagierflugzeug der Welt, den Airbus A380, mit einer Spannweite von knapp 80 Metern oder das größte Frachtflugzeug der Welt, die Antonov An-225, mit einer Spannweite von 88,4 Metern, The Roc ist größer.

Angetrieben wird die Maschine von sechs Pratt & Whitney 4056-Triebwerken, die üblicherweise in der Boeing 747 verbaut sind. Die Nutzlast liegt bei 250 Tonnen, bei einem Eigengewicht von rund 230 Tonnen. Damit bildet das Flugzeug das wiederverwendbare Grundgerüst für die erste Stufe von Raketenstarts.

Mit dem Verlassen des Hangars ist die Konstruktionsphase des Raketenstartflugzeugs beendet, nun folgen Boden- und Betankungstests in der kalifornischen Wüste. Seinen ersten Raketenstart wird the Roc aber nicht vor 2019 präsentieren, ließ das Unternehmen wissen.

Und Richard Branson steht in den Startlöchern

Immerhin gibt das einem anderen Raketen-Enthusiasten etwas Zeit. Das 2017 gegründete Unternehmen Virgin Orbit von Richard Branson ist zwar wesentlich jünger, verfolgt aber einen weniger aufwendigen Plan als Allens Stratolaunch Systems. Der Brite möchte nämlich kein neues Flugzeug entwerfen, von dem aus Raketen starten sollen. Er plant den entsprechenden Umbau einer Boeing 747-400.

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Von Lisa Schneider
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