22.12.2015, 11:12 Uhr | 0 |

Möglicherweise verdampfendes Trockeneis Gibt es doch kein flüssiges Wasser auf dem Mars?

Französische Forscher halten es für wahrscheinlich: Fließrinnen auf dem Mars sind nicht durch Wasser verursacht, sondern durch verdampfendes Trockeneis. Das stellt die aktuelle Theorie der Nasa auf den Kopf. 

Rinnen in den Wänden eines Mars-Kraters
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Rinnen in den Wänden eines Mars-Kraters: Möglicherweise stammen sie von Trockeneis-Platten, die den Boden zeitweise destabilisieren.  

Foto: Nasa

Wissenschaftler des französischen Forschungszentrums CNRS sorgen derzeit für Aufsehen. Ihrer Ansicht nach ist es nämlich unwahrscheinlich, dass Abflussrinnen an Kraterhängen des Mars tatsächlich von fließendem Wasser stammen. Warum? Weil sie höchstens eine Millionen Jahre alt sind. Und zu dieser Zeit war das Marsklima angeblich viel zu kalt, um die benötigten Wassermengen zu ermöglichen.

Alternativszenario: Verdampfendes Trockeneis verursacht Kraterrinnen

Im Fachblatt Nature Geoscience haben die Wissenschaftler ein alternatives Szenario vorgestellt. Demnach durchläuft der Mars ähnliche Jahreszeiten wie die Erde. Wenn es kälter wird, gefriert Kohlendioxid aus der Atmosphäre und legt sich als Trockeneis auf den Boden – zum Teil in Form dicker und durchsichtiger Platten.

Unter diesen Platten kann sich ein erheblicher Druckt aufbauen, der den Boden destabilisiert und zum Fließen bringt. Wenn die Temperaturen steigen, verdampft das Trockeneis ­– ohne dabei eine flüssige Phase zu durchlaufen  – und legt die Rinnen frei. Sie können laut Forschern also ganz ohne Wasser entstehen. Simulationsrechnungen unterstützen diese Annahme angeblich.

Bisherige Annahme der Nasa: Fließende Salzlauge bildet Kraterrinnen

Die US-Weltraumbehörde Nasa hat eine andere Erklärung für die Entstehung der Kraterrinnen: Die Forscher konnten mit Hilfe des Spektrometers der Raumsonde Mars Reconnaissance Orbiter (MRO) die Signatur von Kristallen mit eingeschlossenem Wasser in den Erosionsrinnen nachweisen, die sich zwischen 2006 und 2009 sichtbar verlängert hatten. Diese sogenannten Salzhydrate absorbieren im Marssommer Luftfeuchtigkeit und bilden eine Salzlauge, die die Kraterwände herunterfließt, anschließend verdunstet und feuchte Salze hinterlässt.

Laut Nasa revolutioniert diese Erkenntnis das Verständnis des Planeten: „Der Mars ist nicht der trockene, ausgedörrte Planet, für den wir ihn in der Vergangenheit gehalten haben“, sagt Jim Green, Leiter des Nasa-Planetenprogramms. „Unter bestimmten Gegebenheiten wurde fließendes Wasser auf dem Mars gefunden.“ Man darf sich allerdings auch keine fließenden Bäche vorstellen. Es handelt sich eher um einen Art feuchten Boden. 

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Von Patrick Schroeder
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