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06.05.2016, 13:39 Uhr | 0 |

Fernrohr notwendig Ganz selten: Merkur schiebt sich am Montag vor die Sonne

Ein seltenes kosmisches Ereignis – noch seltener als eine Sonnenfinsternis – spielt sich am kommenden Montag am Himmel über Deutschland ab. Der Merkur beginnt um 13:12 Uhr damit, sich vor die Sonne zu schieben. Ohne astronomische Hilfsmittel ist der Merkurtransit aber nicht zu sehen. Besser ist der Besuch einer Sternwarte.

Merkur vor der Sonne
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Am Montag wird sich der kleine Merkur vor die Sonne schieben. Mit einem sehr guten Fernrohr und entsprechender Technik ist der Merkur als kleiner Punkt zu erkennen.

Foto: Nasa

Im Kalender von Astronomen ist der kommende Montag fett markiert. Denn am  9. Mai 2016 gibt es einen seltenen Merkurtransit zu beobachten. Dabei schiebt sich der sonnennächste Planet vor die Sonne. Das kosmische Ereignis beginnt um 13:12 Uhr. Dann berührt Merkur die Sonnenscheibe am linken Rand.

Der Merkur ist im Vergleich zur Sonne allerdings ein Zwerg. Er bedeckt während des Durchgangs lediglich 0,00012 Prozent der Sonnenoberfläche. Es ist daher ohne astronomische Hilfsmittel nicht möglich, diesen Transit zu beobachten.

Fernrohr mit 50-facher Vergrößerung ermöglicht Beobachtung des Merkurtransits

Die Mindestausstattung für die Beobachtung des Merkurtransits am Montag ist ein Fernrohr mit fünfzigfacher Vergrößerung. Dieses Fernrohr muss auf ein stabiles Stativ montiert sein. Wichtig ist zudem, dass dieses Fernrohr geeignete Objektivfilter besitzt, oder alternativ über eine Projektionseinrichtung des Sonnenbildes verfügt.

Als Faustregel gilt: Wer mit seinem Teleskop Sonnenflecken gut beobachten kann, ist gerüstet für den Merkurtransit. Für alle anderen gilt: Wer dieses Ereignis nicht verpassen will, muss eine der Sternwarten in Deutschland aufsuchen.

„Elementarteilchen des Sonnenwinds treffen ungehindert auf die Oberfläche“

Für Matthias Mallonn vom Astrophysikalische Institut Potsdam (AIP) ist der Merkurtransit mehr als ein spannendes kosmisches Schauspiel. Der Merkur verfügt über keine Atmosphäre wie unsere Erde, sondern über eine Exosphäre, die Mallonn während des Transits studieren will. „Die Elementarteilchen des Sonnenwinds treffen ungehindert auf die Oberfläche und führen dort zu chemischen Reaktionen“, erklärt er.

So werden verschiedenste chemische Elemente herausgelöst, die sich bald in den Weltraum verflüchtigen. „Solange sie noch in der Nähe des Merkurs sind, bilden sie die Exosphäre“, sagt Mallonn. „Sie ist aber sehr dünn, die Konzentration der Atome und Moleküle entspricht etwa dem, was wir hier auf der Erde als Hochvakuum bezeichnen.“

Beobachter sollten viel Zeit einplanen

Es gilt allerdings, viel Zeit einzuplanen, um dieses seltene kosmische Schauspiel in voller Länge genießen zu können. Nach dem sogenannten ersten Kontakt mit der Berührung der Sonnenscheibe durch Merkur um 13:12:07 Uhr kommt rasch der zweite Kontakt: Um 13:15:10 Uhr befindet sich der Merkur komplett vor der Sonnenscheibe.

In der Sonnenmitte befindet sich der kleine Merkurpunkt dann um 16:55:59 Uhr. Der dritte Kontakt ist um 20:37:21 Uhr erreicht, wenn der Merkur beginnt, die Sonnenscheibe wieder zu verlassen. Gut drei Minuten später, um 20:40:33 Uhr, ist das Spektakel vorüber, der Merkur hat die Sonnenscheibe verlassen. Diese Zeiten gelten für Berlin als Beobachtungsstandort. Für andere Standorte im deutschen Sprachraum können die Abweichungen bis zu 15 Sekunden betragen.

Für Montag werden 13 Sonnenstunden in Berlin erwartet

Die Wetterprognose für den kommenden Montag ist ziemlich günstig, für viele Städte werden über zehn Sonnenstunden vorhergesagt, Berlin zum Beispiel kann mit 13 Sonnenstunden rechnen. Schieben sich dann doch Wolken vor die Sonne, so ist Geduld gefragt. Denn es gibt erst am 11. November 2019 die nächste Chance, einen vollständigen Merkurtransit zu beobachten, danach besteht erst am 13. November 2032 erneut diese Gelegenheit.

Merkurtransite sind noch seltener als Sonnen- und Mondfinsternisse. Im 21. Jahrhundert tritt der Merkur nur insgesamt 14 Mal vor die Sonne.  Der letzte von Deutschland aus sichtbare Merkurtransit ereignete sich am 7. Mai 2003.

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Von Detlef Stoller
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