15.11.2016, 14:21 Uhr | 0 |

1.700 Asteroiden im Anflug Forscher warnen: Die Erde braucht dringend eine Asteroiden-Abwehr

Fällt uns bald der Himmel auf den Kopf, wie schon die Gallier bei Asterix und Obelix fürchteten? Die Gefahr, dass Asteroiden die Erde treffen und gewaltige Schäden anrichten, besteht. 1.700 Asteroiden rasen auf die Erde zu. Forscher fordern dringend mehr Geld für den Aufbau einer Asteroiden-Abwehr.

Asteroid fliegt an Erde vorbei
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Asteroiden können zur Gefahr für die Erde werden. Experten aus aller Welt warnen in einem offenen Brief davor, diese Gefahr zu ignorieren und drängen auf Forschungsgelder, um Abwehrmaßnahmen testen zu können.

Foto: Nasa Science/dpa

Experten aus der ganzen Welt haben sich am Montag in Berlin für Missionen im All ausgesprochen, die Asteroiden mit Kurs auf die Erde abwehren können. Testweise soll im All ein Asteroid zunächst erkundet, dann beschossen und so von seiner Bahn abgelenkt werden. „Wenn wir uns jetzt nicht Maßnahmen überlegen, hat die Generation nach uns ein Problem", sagte Geophysiker Kai Wünnemann vom Museum für Naturkunde in Berlin. Auch er hat den Offenen Brief unterzeichnet, der gestern in seinem Haus vorgestellt wurde. Die Forscher warnen darin, dass etwa 1.700 Asteroiden der Erde gefährlich werden könnten.

Asteroidenmission AIM noch nicht genehmigt

Wie das schlimmstenfalls ausgehen kann? Daran erinnern im Museum die Dinosaurierskelette, deren Ära vor 65 Millionen Jahren wohl durch einen Meteoriteneinschlag jäh beendet wurde. Die Forscher jedenfalls wollen nicht nur für dieses Thema sensibilisieren, sondern benötigen Geld, viel Geld für die Umsetzung ihrer Pläne.

Ob die Europäer dieses Geld aufbringen, könnte sich schon Anfang Dezember entscheiden, wenn die sich bei der europäischen Raumfahrtagentur ESA die zuständigen Minister der 22 ESA-Staaten und Kanada treffen. Die Minister beraten über die Weltraumprogramme der kommenden Jahre. Darunter ist laut Wünnemann auch die noch nicht genehmigte Asteroidenmission AIM.

Sie wäre der europäische Beitrag für ein internationales Vorhaben zur Ablenkung eines Asteroiden. Die Teilnahme ist aus Sicht der Forscher ein Muss. Wünnemann: „Bei einem Meteoriteneinschlag handelt es sich um eine der wenigen vorhersagbaren Naturkatastrophen.“ Denn Asteroiden mit Durchmessern von mehr als einem Kilometer sind bekannt. Und Asteroiden dieser Größenordnung werden in den nächsten 100 bis 200 Jahren nach Meinung der Forscher nicht auf der Erde einschlagen, so Alan Harris vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Es ist also noch Zeit genug, um sich gegen diese großen Einschläge zu wappnen.

Trotzdem droht auch jetzt schon Gefahr. Vor allem kleine, noch unentdeckte Meteoriten werden von den Forschern gefürchtet.

ESA und Nasa wollen bei Meteoritenabwehr kooperieren

Die US-Weltraumagentur Nasa sieht die Gefahr ebenfalls und hat bereits zu Beginn des Jahres ihr Programm für eine planetare Verteidigung vor möglichen Einschlägen von Asteroiden oder Meteoriten verstärkt. Eine neue Abteilung soll die Suche und Beobachtung erdnaher Objekte koordinieren. Über 13.500 solcher Objekte wurden bisher aufgespürt. Und jedes Jahr kommen etwa 1.500 hinzu.

HANDOUT - The mapping of the near-Earth asteroid Bennu (r) is one of the science goals of NASA·s Osiris Rex mission (undated illustration). The spacecraft will spend a year surveying Bennu before collecting a sample that will be returned to Earth for analysis. EDITORIAL USE ONLY ** MANDATORY CREDIT: ´NASA/Goddard/University of Arizona/dpa» (Zu dpa ´´Osiris Rex»: US-Sonde soll Asteroiden besuchen und Probe mitbringen» vom 02.09.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Im September 2016 startete die Nasa die Mission Osiris-Rex. Es ist der erste Versuch der amerikanischen Weltraumbehörde, eine Materialprobe von einem Asteroiden zu nehmen und diese zur Erde zu bringen. Ziel der Mission ist Bennu, ein etwa 500 m großer Gesteinsbrocken in mehr als 650 Mio. km Entfernung. Bennu zählt zu den potenziell gefährlichen Asteroiden, die auf Kollisionskurs mit der Erde sind und die man deshalb genau im Auge behält. 

Foto: Nasa/Goddard/University of Arizona/dpa

Die geplante, aber noch nicht finanziell gesicherte ESA-Mission AIM sieht unter anderem vor, ab 2020 zu den Didymos-Zwillings-Asteroiden zu fliegen, die 2022 bis auf elf Millionen Kilometer und damit vergleichsweise nahe an die Erde herankommen. Der Hauptkörper hat einen Durchmesser von 800 m und wird von einem 170 m durchmessenden Mond umkreist, der inoffiziell "Didymoon“ genannt wird.

Über dessen Eigenschaften wie Dichte und Porosität ist bislang wenig bekannt. AIM soll Didymoon mit optischen Instrumenten, Radar und Laser scannen, Oberfläche und innerer Aufbau sollen detailliert analysiert werden. Außerdem soll AIM das vom DLR gebaute Landemodul Mascot 2 absetzen – es wäre die erste Landung der ESA auf einem kleinen Himmelskörper, seit die Landeeinheit Philae der Raumsonde Rosetta abgeschaltet ist.

Die Kosten für das gesamte europäische Vorhaben bezifferte Cornelius Schalinski vom Raumfahrtunternehmen OHB am Montag auf 250 Millionen Euro.

Nasa und ESA planen gezielten Einschlag auf Didymoon

In der anschließenden Mission der US-Raumfahrtbehörde Nasa soll deren Dart-Sonde bei Didymos ankommen und direkt mit einer Geschwindigkeit von sechs Kilometern pro Sekunde in Didymoon einschlagen.

Dies soll die AIM-Sonde der ESA genau beobachten. Mit den Daten über die Reaktion eines Asteroiden auf die Aufschlagenergie sollen vorhandene Labormodelle umfangreich kalibriert und verbessert werden. Von der Analyse des Materialauswurfes erhofft man sich Antworten auf die seit zwei Jahrzehnten diskutierte Frage der möglichen Impulsübertragung.

Gelingt es tatsächlich, die Umlaufbahn von Didymoon durch die Dart-Mission zu verändern, wäre es das erste Mal, dass die Menschheit die Dynamik des Sonnensystems in einem messbaren Maß verändert hat. Und zwar so, dass uns nicht der Himmel auf den Kopf fällt wie 2013 in Russland. Dort schlug ein 20 m großer Meteorit ein. Dieser beschädigte 7000 Häuser und verletzte 1500 Menschen. Vor allem solche kleine, unentdeckte Himmelskörper fürchten die Wissenschaftler.

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Von Martina Kefer
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